Frankreich in Aufruhr: Massenproteste gegen Sparmaßnahmen erschüttern die Nation
In Frankreich sorgt ein massiver Protest gegen mögliche Sparmaßnahmen für Aufsehen. Laut dem Innenministerium gingen landesweit über eine halbe Million Menschen auf die Straße, während die Gewerkschaft CGT von mehr als einer Million Demonstranten sprach. Auch wenn die Behörden ursprünglich mit einer Teilnehmerzahl zwischen 700.000 und 800.000 rechneten, übertraf die tatsächliche Beteiligung diese Schätzungen deutlich.
Besonders stark zeigten sich die Auswirkungen des Protests im Stillstand zahlreicher Arbeitsplätze. Apotheken blieben geschlossen, Lehrkräfte fehlten in Schulen und der öffentliche Nahverkehr wurde durch Streiks erheblich beeinträchtigt. Am Vormittag kam es in verschiedenen Teilen des Landes zu Blockaden, insbesondere an wichtigen Verkehrsstraßen, Busdepots und Schulen. Sogar das Wirtschaftsministerium blieb von den Protestaktionen nicht verschont, als Demonstranten kurzzeitig dessen Hof betraten. Im weiteren Verlauf des Tages wurden insgesamt 309 Personen festgenommen, wovon sich abends 134 noch in Polizeigewahrsam befanden, so Innenminister Bruno Retailleau.
Die Demonstrationen sind ein deutlicher Ausdruck des Unmuts gegenüber der geplanten Sparpolitik, die Frankreich angesichts einer Schuldenquote von 114 Prozent umsetzen möchte. Das laufende Defizitverfahren der EU setzt zusätzlichen Druck auf das Land. Gewerkschaften verurteilen die Vorschläge der inzwischen zurückgetretenen Regierung als ungerecht, da vor allem sozial schwächere Gruppen betroffen wären. Besonders umstritten war der Plan, zwei Feiertage zu streichen.
Der neu angetretene Premierminister Sébastien Lecornu kündigte an, solche drastischen Sparmaßnahmen nicht durchzuführen. Stattdessen sollen die Sorgen der Gewerkschaften im Mittelpunkt seiner Beratungen stehen. Lecornu versprach, sich erneut mit den Gewerkschaften zu treffen, um über mögliche Sparmaßnahmen zu sprechen, deren genauer Umfang jedoch noch unklar bleibt. Der anhaltende Protest zielt darauf ab, den politischen Druck auf die neue Regierung zu erhöhen.

