Forscher: Beschäftigung wird kaum noch steigen

Nürnberg (dts) - Der Beschäftigungsaufschwung in Deutschland wird sich Fachleuten zufolge auf absehbare Zeit dem Ende zuneigen: Grund ist der demographische Wandel. "In den kommenden Jahren noch einmal eine deutliche Steigerung zu erreichen, ist nicht drin", sagte Enzo Weber vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagsausgabe). "Wichtig wäre aber, den Schrumpfungsprozess zu dämpfen. Der Wohlstand Deutschlands steht auf dem Spiel", so der IAB-Forscher weiter.

Dieser Ansicht ist auch Christoph M. Schmidt, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Präsident des Essener Forschungsinstituts RWI. "In Deutschland wird die Anzahl der verfügbaren Arbeitskräfte in den kommenden Jahren um Millionen zurückgehen", sagte Schmidt. Die Folge seien etwa weniger Wirtschaftswachstum und steigende Kosten für die Sozialsysteme. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung geht davon aus, dass das vergangene Jahr das letzte war, in dem das Arbeitskräftepotential noch einmal kräftig zugelegt hat. 2020 dürfte es nur minimal wachsen. Für die Beschäftigung prognostiziert das IAB eine Zunahme um 120.000 Menschen. Der Sachverständigenrat geht von einem Zuwachs um 135.000 Erwerbstätige aus. 2019 ist die Beschäftigung noch um mehr als 400.000 Personen gestiegen. Weiteres Potential sehen die beiden Wissenschaftler unter anderem bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Menschen sowie Zuwanderern. Allerdings: "Migration kann den demographischen Wandel abfedern und damit einen wichtigen Beitrag leisten, ihn aber nicht aufhalten", sagte Schmidt der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er plädiert auch dafür, das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung anzupassen. "Die Diskussion über eine weitere Ausweitung der Lebensarbeitszeit wird nicht ausbleiben können, wenn wir die sozialen Sicherungssysteme stabilisieren wollen", so der Wirtschaftsweisen-Chef.
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02.01.2020 · 18:37 Uhr
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