Warhorse bestätigt: Das neue Kingdom Come wird ein Open World RPG – und kommt ohne Henry
Warhorse Studios hat still und heimlich seinen Status als One-Hit-Wonder des Mittelalter-RPGs abgelegt. Das tschechische Studio, das mit Kingdom Come: Deliverance 2 über vier Millionen Einheiten verkaufte, arbeitet parallel an zwei AAA-Projekten: einem Open World RPG in Tolkiens Mittelerde – und einem neuen Kingdom Come Abenteuer, das sich vom bisherigen Format deutlich unterscheiden könnte. In einem Community Stream sind jetzt erstmals handfeste Details zum neuen Kingdom Come bestätigt worden. Das Release-Fenster liegt näher, als viele dachten.
Das neue Kingdom Come: Genre bestätigt, Titel offen, Vávra weg
In dem Community Stream, den Communications Director Tobias Stolz-Zwilling und Community Manager Tom Grey leiteten, wurde eine zentrale Frage beantwortet: Das neue Kingdom Come Abenteuer ist ein Open World RPG – kein Strategie-Spin-off, kein Survival-Experiment, sondern eine direkte Fortsetzung der Formel, die die Serie groß gemacht hat. GamesRadar hat die Bestätigung ebenfalls dokumentiert.
Das Projekt trägt bewusst keinen offiziellen Titel. Kein „Deliverance 3″, kein Untertitel – nichts. Dass Warhorse den Namen „Deliverance“ fallen lässt, ist kein Zufall: Kingdom Come: Deliverance 2 war der Abschluss von Heinrichs Geschichte, und Stolz-Zwilling machte deutlich, dass man das Kingdom Come Universum weiter ausbauen, aber eine neue Richtung einschlagen will. Was das konkret bedeutet, ließ er offen.
Die wichtigste Information, die die Rohdaten komplett unterschlagen: Daniel Vávra, Warhorse-Mitgründer und kreativer Kopf hinter beiden bisherigen Teilen, hat das Studio bereits verlassen, um die Produktion eines Kingdom Come-Films voranzutreiben. Das neue Spiel entsteht also ohne seinen Schöpfer. Für Fans, die mit Vávras eigensinnigem, historisch akkuratem Blick auf das Böhmen des 15. Jahrhunderts sozialisiert wurden, ist das eine signifikante Variable. Wer das neue Kingdom Come formt, ist Prokop Jirsa, der als Lead Designer bereits bei KCD 2 maßgeblich verantwortlich war.
Zwei Projekte, zwei Kapitäne – was das über Warhorses Ambitionen verrät
Warhorse stemmt derzeit folgende Pipeline:
- Neues Kingdom Come Abenteuer – Lead Designer: Prokop Jirsa (KCD 2 Lead Designer); Genre: Open World RPG; Zeitrahmen: Fiscal Year 2027 (1. April 2027 bis 31. März 2028)
- Mittelerde Open World RPG – Design Director: Viktor Bocan (KCD 2 Design Director); Zeitrahmen: unbekannt, keine Details zu Gameplay oder Story
Dass zwei erfahrene Architekten von KCD 2 jeweils ein eigenes Großprojekt leiten, ist ambitioniert – aber nicht ohne Risiko. KCD 2 befand sich über vier Jahre in der Entwicklung und forderte das gesamte Studio. Zwei parallele AAA Open World RPGs mit dem gleichen Kernteam zu bauen, ist eine logistische Herausforderung, die Studios dieser Größenordnung selten reibungslos meistern. Das Fiscal Year 2027 als Release-Fenster für das Kingdom Come Projekt ist dennoch realistisch, wenn man annimmt, dass Entwicklung schon vor der offiziellen Ankündigung begann.
Der Doppelschlag aus Böhmen war bereits vor Wochen das dominierende Thema, als Warhorse beide Projekte gleichzeitig ankündigte. Jetzt liefert der Community Stream die erste handfeste Konkretisierung – zumindest für das Kingdom Come Projekt.
Warum kein „Deliverance 3″ – und was das über die neue Story verrät
Stolz-Zwilling formulierte es im Stream so: „Wir werden das Universum von Kingdom Come weiterhin ausbauen. Das ist liegt uns auch sehr am Herzen. Vergesst nicht, dass Kingdom Come: Deliverance immer ein absolutes Herzenprojekt hier im Studio war, ist und bleiben wird.“ Das klingt nach Bekräftigung – ist aber auch die Bestätigung, dass man sich vom Charakter Heinrich löst.
Dass das neue Spiel im selben historischen Böhmen spielt, ist wahrscheinlich, aber nicht bestätigt. Denkbar wäre ein anderer Zeitraum, andere Protagonisten oder ein anderer Schauplatz des Heiligen Römischen Reiches – KCD 2 hat mit dem Ende von Heinrichs Bogen genau den Freiraum geschaffen, den Warhorse jetzt nutzen kann. Die Messlatte ist dabei astronomisch hoch: KCD 2 erreichte vier Millionen Verkäufe und landete auf Metacritic in der 90er-Region – ein Ergebnis, das der erste Teil in seinen besten Zeiten nie erreicht hat. Dass dieser Erfolg so schnell kam, war selbst für Warhorse überraschend.
Der Mittelerde-Elefant im Raum: Warhorse vs. Crystal Dynamics
Das zweite Projekt – das Mittelerde Open World RPG – hat noch keine Gameplay-Details, keinen Titel und kein offizielles Release-Fenster. Was es hat, ist Konkurrenz aus dem eigenen Konzern. Laut Insider Gaming entwickelt Crystal Dynamics, ebenfalls unter dem Embracer-Dach, parallel einen Lord of the Rings Titel mit einem Budget von rund 100 Millionen Dollar. Zwei Tolkien-Spiele vom selben Konzern – das ist entweder ein mutiger Zwei-Flanken-Angriff auf den Fantasy-RPG-Markt oder eine Kollision auf der Zielgeraden.
Der entscheidende Unterschied: Crystal Dynamics ist bekannt für polierte Actionspiele mit starker Narration (Tomb Raider Reboot-Trilogie), während Warhorse für knochenharte Simulation und historische Tiefe steht. Ob ein simulationsgetriebenes Mittelerde überhaupt eine Zielgruppe findet, die groß genug ist – oder ob Warhorse mit der Tolkien-Lizenz einfach das macht, was sie können, und es gut ankommt – das wird die spannendste Frage der nächsten Gaming-Jahre. Erste Informationen zum Warhorse Mittelerde-Vorhaben kursierten bereits früh in der Szene.
Das neue Kingdom Come Abenteuer ist unterdessen das greifbarere der beiden Projekte – mit Lead Designer, Genre und Release-Fenster. Für Fans, die nach dem Ende von Heinrichs Reise eine neue Geschichte in der Welt brauchen, die KCD geschaffen hat, ist das Fiscal Year 2027 ein echter Horizont. Ob Prokop Jirsa ohne Vávra die Seele des Originals einfangen kann, bleibt die offene Frage, auf die es noch keine Antwort gibt.


