Ford hält an üppiger Dividende fest – trotz schrumpfender Gewinne und fragwürdiger Cashflow-Kennzahlen
Ford zahlt 2025 deutlich mehr an Dividenden aus, als es bisher an Gewinnen erwirtschaftet hat. Nach nur 11 Cent Gewinn pro Aktie im laufenden Jahr haben die Aktionäre bereits rund das Vierfache in Form von Ausschüttungen erhalten. Insgesamt steuert der US-Autobauer auf eine Jahresdividende von 75 Cent je Aktie zu – nahezu so hoch wie die von Analysten erwarteten Gewinne von 78 Cent.
Besonders bemerkenswert ist die Finanzierung dieser Ausschüttungen. Im ersten Halbjahr meldete Ford ein „adjusted free cash flow“ von 1,3 Mrd. Dollar. Gleichzeitig überwiesen die Amerikaner rund 1,8 Mrd. Dollar an ihre Anteilseigner – bestehend aus einer Sonderdividende im ersten Quartal sowie zwei regulären Dividendenzahlungen. Nach klassischer Definition hätte Ford mit einem negativen freien Cashflow von 471 Mio. Dollar dagestanden, da Investitionen von 3,84 Mrd. Dollar den operativen Cashflow von 3,37 Mrd. Dollar überstiegen.
Das Unternehmen schönt die Bilanz durch zahlreiche Anpassungen: Restrukturierungskosten in Höhe von 209 Mio. Dollar und Pensionszahlungen von 515 Mio. Dollar wurden ausgeklammert. Hinzu kamen inflows von 700 Mio. Dollar aus der Ford-Credit-Sparte sowie 110 Mio. Dollar aus Derivategeschäften. Selbst unspezifizierte „other“-Ausgaben von 285 Mio. Dollar fielen unter die Rubrik „Sondereffekte“. Kritiker sehen darin eher eine Cashflow-Rechnung „vor den schlechten Nachrichten“ als ein realistisches Abbild der Geschäftslage.
Warum hält Ford dennoch an der Dividende fest? Neben der Signalwirkung an Investoren und der Stützung des Aktienkurses spielt die Eigentümerstruktur eine Rolle. Die Ford-Familie, die mit Class-B-Aktien 40 % der Stimmrechte kontrolliert, profitiert erheblich von den Ausschüttungen: Allein 2024 flossen rund 55 Mio. Dollar an die Familienaktionäre. Auch die breite Basis an Privatinvestoren gilt als sensibel für Kürzungen.
Die Strategie ist nicht neu: Schon während der Finanzkrise 2008/09 und in der Pandemie 2020 setzte Ford die Dividende aus, nur um sie anschließend wieder hochzufahren. Dieses Mal scheint das Management bereit, hohe Risiken einzugehen, um Kontinuität zu wahren – auch wenn das die finanziellen Spielräume für Investitionen und Schuldentilgung massiv einschränkt.

