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Fomo statt Fundamentaldaten: Wie die Generation Z ihr Geld verzockt

13. Dezember 2025, 20:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Fomo statt Fundamentaldaten: Wie die Generation Z ihr Geld verzockt
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Angst statt Analyse: Wie soziale Medien junge Anleger zu riskanten Finanzentscheidungen verleiten – und warum Fomo an der Börse gefährlich ist.
Die Angst, etwas zu verpassen, treibt Generation Z in riskante Wetten via sozialer Medien. Fomo ersetzt Fundamentaldaten und erhöht Marktrisiken für unerfahrene Investoren.

„Sie wünschten, sie hätten mehr gekauft.“ Solche Sätze wirken harmlos, fast motivierend. In Wahrheit sind sie Brandbeschleuniger. In sozialen Netzwerken laufen sie in Endlosschleife, flankiert von Screenshots explodierender Depots, Luxusautos und der immer gleichen Botschaft: Wer jetzt nicht einsteigt, ist selbst schuld. Für viele junge Anleger wird diese Erzählung zum Auslöser einer folgenschweren Dynamik – Fomo.

Soziale Medien verwandeln Investieren in Dauerstress

Die Angst, etwas zu verpassen, ist kein neues Phänomen. Neu ist ihre Intensität. Die Generation Z ist die erste Anlegergeneration, die vollständig mit sozialen Medien aufgewachsen ist. Investmententscheidungen entstehen nicht mehr im stillen Kämmerlein, sondern im Sekundentakt zwischen TikTok, Instagram und YouTube.

Professorin Katrin Löhr von der Fachhochschule Dortmund beobachtet, dass Investitionen bei jungen Menschen häufig nicht aus Analyse entstehen, sondern aus Emotion. Trends, Gruppendruck und virale Erfolgsgeschichten verdrängen nüchterne Bewertungen. Was früher ein Gespräch mit dem Nachbarn war, ist heute ein Influencer mit Millionenreichweite – algorithmisch verstärkt, pausenlos präsent.

Finfluencer verkaufen Nähe statt Substanz

Viele sogenannte Finfluencer erzählen nicht von Cashflows oder Risiken, sondern von sich selbst. Storytelling ersetzt Bilanzanalyse. Die Botschaft lautet: Ich habe es geschafft, du kannst es auch. Diese persönliche Nähe wirkt stärker als jede Kennzahl.

Genau hier beginnt das Problem. Denn häufig handelt es sich nicht um langfristige Investitionen, sondern um spekulative Wetten. Meme-Aktien, Kryptowährungen, NFTs – Produkte mit hoher Volatilität und schwachen Fundamentaldaten. Löhr nennt das offen beim Namen: Das sei weniger Investieren als Zocken.

Forschung sieht Fomo als Risikotreiber

Die Wissenschaft bestätigt diese Beobachtung. Studien aus der Verhaltensökonomie zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Fomo und riskantem Handelsverhalten. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt bei Kryptowährungen, wo schnelle Gewinne suggeriert, Verluste aber ausgeblendet werden.

Junge Anleger reagieren stärker auf soziale Signale als auf rationale Abwägungen. Likes, Kommentare und Erfolgsmeldungen anderer ersetzen eigene Analyse. Das Ergebnis ist eine Verschiebung von langfristigem Vermögensaufbau hin zu kurzfristigem Nervenkitzel.

Herdentrieb macht aus Einzelentscheidungen ein Marktrisiko

Fomo bleibt nicht individuell. Sie wirkt kollektiv. Eine Studie der Universität Malaysia identifiziert Fomo als zentralen Auslöser für Herdentrieb unter jungen Investoren. Unerfahrene Anleger kopieren Strategien anderer, ohne deren Tragfähigkeit zu prüfen.

An den Märkten ist dieses Verhalten brandgefährlich. Wenn viele gleichzeitig kaufen, entstehen Blasen. Wenn die Stimmung kippt, fallen alle gleichzeitig durch dieselbe Falltür. Volatilität, Fehlallokationen und abrupte Kursstürze sind die logische Folge.

Erfahrung ja, Selbstüberschätzung nein

Trotz aller Kritik plädiert Löhr nicht für Abschreckung. Fehler gehörten zum Lernen dazu, gerade am Kapitalmarkt. Entscheidend sei die Größenordnung. Wer mit kleinen Beträgen experimentiert, lernt – ohne existenzielle Risiken einzugehen.

Das Problem beginnt dort, wo Fomo dazu führt, Erspartes oder Kreditgeld in hochriskante Produkte zu lenken. Die Aussicht, eine einmalige Gelegenheit zu verpassen, wiegt dann schwerer als die Frage, was bei einem Totalverlust passiert.

Kritische Fragen sind der beste Schutz vor Fomo

Um sich gegen emotionale Fehlentscheidungen zu wappnen, empfiehlt Löhr einen simplen, aber wirkungsvollen Filter. Wer gibt den Rat? Welche Expertise steckt dahinter? Verdient die Person am empfohlenen Produkt? Wird das transparent gemacht? Und wie hoch ist das Verlustrisiko wirklich?

Was kein Qualitätsmerkmal ist, sind Followerzahlen. Reichweite misst Aufmerksamkeit, nicht Kompetenz. Gerade das wird in sozialen Medien systematisch verwechselt.

Finanzbildung wird zur strategischen Aufgabe

Dass das Thema an Bedeutung gewinnt, zeigt auch Löhrs Arbeit außerhalb der Hochschule. Am Deutschen Institut für Normung wirkt sie an einer DIN-Norm für Finanzbildung mit. Ziel ist eine Zertifizierung, die seriöse Anbieter von Selbstdarstellern trennt.

Der Fokus liegt dabei bewusst auf sozialen Medien. Dort entscheidet sich, ob junge Menschen lernen, Risiken einzuordnen – oder ob sie weiter in Hypes getrieben werden, die andere entwerfen und monetarisieren.

Fomo ist kein Antrieb, sondern ein Warnsignal

Die Angst, etwas zu verpassen, fühlt sich wie Handlungsdruck an. An der Börse ist sie vor allem eines: ein Alarmsignal. Wer investiert, um nicht außen vor zu sein, handelt selten im eigenen Interesse. Gerade für eine Generation, die finanziell ohnehin unter Druck steht, ist das eine riskante Mischung.

Nicht jede verpasste Chance ist ein Verlust. Viele davon sind schlicht Gefahren, denen man entkommen ist.

Finanzen / Reichtum / Fomo / Generation Z / Soziale Medien
[InvestmentWeek] · 13.12.2025 · 20:00 Uhr
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