Flexibel und sicher: Das steckt hinter dem Textil-Fahrradschloss
Um den Drahtesel vor Diebstahl zu schützen, gibt es unzählige Varianten von Fahrradschlössern. Doch selbst teure Schlösser aus Stahl schrecken Kriminelle nicht immer ab, sodass bundesweit mehr als 300.000 Räder pro Jahr geklaut werden. Zwar zahlt häufig eine gute Hausratversicherung für das gestohlene Fahrrad. Doch den meisten Radlern dürfte es wohl lieber sein, wenn ihr Rad erst gar nicht abhandenkommt.
Welche Möglichkeiten es gibt, Fahrradschlösser besser und benutzerfreundlicher zu machen, haben sich Alexandra Baum und Suse Brand von Texlock überlegt und ein Fahrradschloss aus Textilien entwickelt. Im Interview mit finanzen.de erklärt Alexandra Baum, welche Hürden sie bei der Unternehmensgründung nehmen mussten und worauf Radler neben einem sicheren Schloss noch achten sollten.
Frau Baum, im März 2018 kommt Texlock auf den Markt und schon seit Längerem sind aufgrund der hohen Nachfrage keine Vorbestellungen mehr möglich. Warum ist das Schloss in Ihren Augen so gefragt?
Alexandra Baum: Ich denke, dass Texlock einfach einen Nerv getroffen hat, den viele Radfahrer beim Fahrradschloss als belästigend empfinden: das Gewicht. Als Fahrradfahrerin hat es mich selbst gestört, ein starres, klapperndes und den Lack zerkratzendes Stahlschloss mit mir herumzuschleppen, damit mein Fahrrad nicht geklaut wird. Somit kam es zu der Idee, ein zeitgemäßeres Schloss zu gestalten, indem wir Textil mit ins Spiel bringen.
Fahrradfahren wird zudem immer mehr als Lifestyle empfunden. Das Fahrrad ist nicht mehr nur noch ein Transportmittel, das einen von A nach B bringt, sondern auch der Aspekt Mode spielt eine Rolle. Bei vielen Menschen lässt sich beobachten, dass sie inzwischen auf ein Zweitauto verzichten und stattdessen mehr Geld für ein schickes, teures Fahrrad ausgeben. Somit steigt auch das Bewusstsein, für den täglichen Gebrauch möglichst praktisch und trotzdem stilsicher ausgestattet zu sein.
Bisher sind Sie das einzige Unternehmen, das ein Textilschloss anbietet. Wie viele Schlösser planen Sie in Ihrem ersten Geschäftsjahr zu verkaufen und welchen Effekt wird Ihr Produkt Ihrer Meinung nach auf den Markt haben?
Alexandra Baum: Unser Plan ist, im ersten Jahr deutschlandweit 25.000 Schlösser sowohl über den Fahrradfachhandel als auch unseren Onlineshop zu verkaufen. Der Effekt lässt sich natürlich noch nicht vorhersagen, da wir erst einmal einen gewissen Marktanteil gewinnen müssen. In meinen Augen wird das Texlock jedoch für frischen Wind auf dem relativ konservativen Markt der Fahrradsicherung sorgen.
Was waren die größten Herausforderungen, die Sie auf dem Weg Ihrer Unternehmensgründung meistern mussten, beispielsweise im Hinblick auf die Finanzierung?
Alexandra Baum: Eine große Herausforderung für viele Gründer ist, erst einmal kein Geld zu bekommen, um die eigene innovative und damit auch risikoreiche Idee aus dem Stand heraus zu entwickeln. Uns hat sehr es sehr geholfen, ein EXIST-Gründerstipendium zu erhalten. Dabei handelt es sich um ein vom Bund gefördertes Stipendienprojekt. Es basiert darauf, sich als Mitarbeiter oder Studierender im Umfeld einer Hochschule selbstständig zu machen und dafür ein Stipendium für zwölf Monate zu bekommen.
Anschließend haben wir für ein weiteres Jahr das Technologie-Gründerstipendium vom Freistaat Sachsen erhalten. Die Stipendien waren für uns extrem wichtige Instrumente, da wir uns dadurch ganz auf die Weiterentwicklung unserer Idee konzentrieren konnten und uns keine Sorgen um den Lebensunterhalt machen mussten.
Ein weiterer wichtiger Schritt bei der Finanzierung unseres Projekts waren dann eine Crowdfunding-Kampagne sowie ein Pre-Order-Shop. Dadurch kamen knapp 700.000 Euro von geduldigen Vorbestellern zusammen, mit denen wir die Produktion ankurbeln konnten. Dies war für uns ein schönes Signal, wie groß das Interesse an der Idee ist. Inzwischen sind alle Vorbesteller beliefert worden.
Mussten Sie viel Überzeugungsarbeit leisten, um Radliebhaber in Bezug auf die Sicherheit des Textilschlosses zu überzeugen?
Alexandra Baum: Insbesondere zum Start unseres Projekts kamen von den Crowdfunding-Unterstützern viele Fragen bezüglich der Sicherheit sowie weiterer Verwendungsmöglichkeiten.
Insgesamt haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir sowohl Verbraucher als auch die Medien eher etwas bremsen müssen. Vielfach wird berichtet, unser Schloss sei unkaputtbar. Das entspricht natürlich nicht der Realität. Jedes Schloss kann man irgendwann zerstören, es kommt nur auf den entsprechenden Zeitaufwand an. Daher ist es wichtig, bei potenziellen Kunden keine falschen Erwartungen zu wecken. Letztlich bietet unser Textilschloss die gleiche Sicherheit wie eine gute Stahlkette, ist aber wesentlich leichter und flexibler zu handhaben. Hinzu kommt der optische Aspekt, wonach Texlock offenbar besser zum Lebensstil passt als andere Fahrradschlösser.
Als eine mögliche Schwachstelle von Texlock haben Kritiker das Verbindungsstück des Schlosses ausgemacht. Welche Weiterentwicklungen planen Sie in diesem Bereich?
Alexandra Baum: Generell haben wir den Markt zunächst mit der einfachsten Variante unseres Produkts befragt. Aufgrund der hohen Resonanz haben wir uns entscheiden, diese zunächst auf den Markt zu bringen. Hier planen wir natürlich Weiterentwicklungen. Unser Ziel ist unter anderem, ein Schloss mit integriertem Verschluss anzubieten. Für den Anfang wollen wir allerdings Schritt für Schritt vorgehen, um uns als kleines Start-up vor allem finanziell nicht zu überfordern.
Was sind Ihre wichtigsten Tipps, die Radler neben einem guten Schloss noch beachten sollten, damit ihr Fahrrad nicht gestohlen wird?
Alexandra Baum: Am wichtigsten ist wohl, dass das Fahrrad grundsätzlich immer an einem festen Gegenstand angeschlossen werden sollte. Nur das Rad selbst zu sichern, bringt relativ wenig, da es dann einfach weggetragen werden kann. Außerdem sollte das Rad lieber an einem belebten Platz als in weniger frequentierten Ecken angeschlossen werden.
Wichtig ist außerdem, das Fahrrad möglichst eng an einem anderen Gegenstand zu sichern. So haben Diebe nur wenig Platz, sich mit entsprechenden Werkzeugen am Schloss zu schaffen zu machen.
Weiterhin achte ich seit Jahren darauf, mich nicht nur auf eine Absicherung zu verlassen, sondern mehrere Sicherungsvarianten zu verwenden. So lassen sich beispielsweise die Achsen und der Sattel durch besondere Schrauben sichern, die nur mit einem speziellen Werkzeug zu lösen sind. Wichtig ist es in meinen Augen, potenziellen Dieben ihre Arbeit so schwer wie möglich zu machen.
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Baum.

