Investmentweek

Festo zwischen Lokalisierung und Weltmarkt

15. April 2025, 13:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Der Maschinenbauer aus Esslingen will sich regional aufstellen, doch Trumps Zollpolitik trifft auch den Globalstrategen aus Schwaben hart. Wie viel „Made in Germany“ darf künftig noch exportiert werden – und wo endet der Spielraum mittelständischer Weltmarktführer?

Im Maschinenraum der Globalisierung

Als Donald Trump seine neue Zollrunde verkündete, traf das deutsche Industrieunternehmen Festo nicht unvorbereitet – aber dennoch empfindlich. Der Automatisierungsspezialist mit Sitz in Esslingen produziert seit Jahrzehnten für die Welt, seit 50 Jahren auch für die USA.

Doch die politische Großwetterlage hat sich gedreht. Die neuen US-Zölle treffen nicht nur Exporte aus China – sondern auch Komponenten aus Kanada, Mexiko oder Deutschland, die bislang im Schatten des Freihandels liefen.

Für Festo, das seinen Wachstumskurs vor allem über internationale Vorfertigung und Export organisiert, steht damit eine zentrale Frage im Raum: Wie viel Globalisierung ist noch möglich?

Regionalisierung – Strategie oder Zwang?

Vorstandschef Thomas Böck hatte schon vor den jüngsten Ereignissen auf eine neue Struktur gesetzt: „Local for local“ – also regionale Produktions- und Wertschöpfungsketten, abgestimmt auf lokale Märkte, unabhängig von geopolitischen Risiken.

Die Strategie ist seit Jahren in der Umsetzung: In den USA, China und Indien betreibt Festo eigene Werke, eigene Lieferketten, eigene Entwicklung. Doch was bisher als langfristige Absicherung geplant war, wird durch die Zollwelle zur akuten Notwendigkeit.

Denn: Festo liefert nicht nur Maschinen, sondern lebt von funktionierenden Logistikketten. Viele der Teile, die etwa im Werk in Ohio montiert werden, stammen aus dem Ausland. Nun drohen Strafzölle – auch auf kanadische Vorprodukte oder Spezialteile aus Deutschland.

Der Maschinenbauer erzielt rund zehn Prozent seines Umsatzes in Nordamerika – nun drohen Zollkosten auf Vorprodukte aus Europa und Drittstaaten, trotz US-Standorten.

Trumps Maßnahmen zerstückeln den nordamerikanischen Wirtschaftsraum. Und auch die Freihandelsabkommen der vergangenen Jahrzehnte scheinen unter der neuen US-Außenwirtschaftspolitik nicht mehr viel zu zählen.

Ein Konzern im Spagat

Gerade mittelständische Weltmarktführer wie Festo stehen jetzt unter Druck. In Deutschland entwickelt, international gebaut, global verkauft – dieses Modell stößt an seine Grenzen. Zwar erwirtschaftet Festo bereits über die Hälfte seiner Umsätze außerhalb Europas.

Doch das reicht nicht mehr, wenn Komponenten plötzlich nicht mehr zollfrei über die Grenze kommen. Allein in den USA beschäftigt das Unternehmen rund 1.000 Mitarbeiter – das Land ist nach Deutschland der wichtigste Markt.

Noch vor einem Jahr war das US-Geschäft sogar der wichtigste Stabilisator in einer schwächelnden Branche. Jetzt droht es zur Achillesferse zu werden. Festo reagiert überlegt – aber auch spürbar angespannt.

„Wir prüfen, ob wir künftig noch mehr in Amerika lokalisieren müssen“, sagt Böck.

Die Frage lautet: Welche Teile lassen sich kosteneffizient vor Ort fertigen? Und welche müssen teuer importiert werden?

Was die Zollpolitik wirklich kostet

Die unmittelbaren Folgen der Zölle lassen sich noch nicht beziffern – doch klar ist: Der Anpassungsdruck steigt. Besonders kritisch ist die Übergangsphase: Noch baut Festo in den USA auf importierte Komponenten, etwa für neue Großkunden aus der Halbleiter- und Biotechnologiebranche.

Thomas Böck, CEO von Festo: Der frühere Claas-Manager treibt die globale Regionalisierungsstrategie des Unternehmens voran – doch Trumps Zollpolitik stellt selbst seine langfristige Vision einer dezentralen Weltproduktion auf die Probe.

Das passt ins strategische Bild – aber nicht zum aktuellen Zollregime. Die Belastungen treffen den Konzern ausgerechnet dort, wo er expandiert.

Hinzu kommt: Trump hat klargestellt, dass die Zölle Teil einer industriepolitischen Agenda sind – keine kurzfristige Drohkulisse. Die „nationale Sicherheitsprüfung“, mit der viele Importprodukte belegt wurden, ist offen formuliert. Analysten sehen darin ein Signal: Jeder kann betroffen sein. Jederzeit.

Die alte Welt bröckelt, die neue ist nicht gebaut

Thomas Böck weiß, dass Festo kein Einzelfall ist. Der Maschinenbau ist Deutschlands Exportdisziplin – und genau dieser Export wird zunehmend zur Zielscheibe. Besonders Mittelständler geraten ins Kreuzfeuer: zu groß für Nischenlösungen, zu klein für eigene Handelsverträge. Für sie wird das globale Spielfeld enger. Und unberechenbarer.

Dass Festo früh auf Autarkie setzte, zahlt sich jetzt aus. Aber es reicht nicht mehr, nur vorbereitet zu sein. Jetzt müssen harte Entscheidungen getroffen werden: Investitionen, Umschichtungen, Rückzüge. Böck spricht offen aus, was viele denken: „Wir werden in Deutschland nicht mehr alles in die Welt exportieren können.“ Ein Satz wie ein Fanal.

Wenn sogar Festo zweifelt

Festo galt lange als Vorzeigemodell: technologiegetrieben, exportstark, unabhängig. Jetzt zeigt selbst dieser Branchenprimus erste Risse. Die Weltwirtschaft zerfällt, und mit ihr die Illusion grenzenloser Produktionsketten. Was bleibt, ist ein europäischer Mittelständler, der für den Ernstfall übt – mit bemerkenswerter Disziplin, aber wachsender Sorge.

„Ein Jahrhundert Industriegeschichte“, sagt Böck, „das verpflichtet.“ Doch zwischen Jubiläumstorte und Zollbescheid verschwimmen die Gewissheiten. Wer überleben will, muss handeln – nicht träumen.

Finanzen / Unternehmen
[InvestmentWeek] · 15.04.2025 · 13:00 Uhr
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