Fehlsichtigkeit korrigieren: Welche Möglichkeiten gibt es?
Zusammengekniffene Augen, häufiges Augenreiben und Doppelbilder – nur drei Symptome, die auf eine Fehlsichtigkeit hindeuten. Und es trifft inzwischen einen hohen Anteil der Bevölkerung. Schätzungen des BVA gehen davon aus, dass in Deutschland allein unter einer Kurzsichtigkeit rund 30 Prozent der Bevölkerung leiden. Die Hyperopie – oder Weitsichtigkeit – betrifft immerhin gut ein Viertel der Bevölkerung.
Anfangs sind die Beeinträchtigungen im Alltag wenig auffällig. Unbehandelt kann eine Fehlsichtigkeit allerdings fortschreiten – und in eine ernsthafte Erkrankung der Augen einmünden. Doch welche Behandlungsmethoden gibt es eigentlich? Welche eignen sich für wen und was ist dabei zu beachten?
Modernste Methoden: Die Laserbehandlung
Eine der mondernsten Behandlungen setzt auf Laser. Der Vorteil: Damit lässt sich Fehlsichtigkeit im besten Fall so korrigieren, dass auf zusätzliche Sehhilfen in Zukunft komplett verzichtet werden kann. Laserbehandlungen können Folgendes korrigieren:
- Kurzsichtigkeit (Myopie)
- Weitsichtigkeit
- Hornhautverkrümmung oder
- Alterssichtigkeit
Doch wie funktioniert das Ganze genau?
Kern der Behandlung ist das Abtragen von Gewebe an der Hornhaut, was mit dem Laser gezielt erreicht werden kann. Hierdurch verändert sich die Brechkraft des Auges. In der Vergangenheit haben sich verschiedene Methoden der Laserbehandlung etabliert. Zudem wird der Bereich immer noch weiterentwickelt.
LASIK und LASEK sind die beiden bekannten Behandlungsformen:
- LASIK: Über einen kleinen Schnitt in die Hornhaut entsteht ein dünner Lappen (Flap), den der Arzt zur Seite klappt. Anschließend kann unter dem Epithel mit dem Laser Gewebe abgetragen werden. Der Flap wird anschließend wieder zurückgeklappt. LASIK eignet sich für Kurzsichtigkeit bis -10 Dioptrien, Weitsichtigkeit bis +3 Dioptrien und Hornhautverkrümmung bis 6 Dioptrien. Die Weiterentwicklung stellt die Femto-LASIK dar, bei der der Schnitt für den Flap nicht mehr manuell, sondern automatisiert per Laser geschnitten wird.
- LASEK: Hier löst der Arzt die oberste Schicht der Hornhaut (Epithel) mit einer alkoholischen Lösung. Anschließend kann mit dem Laser das Gewebe abgetragen werden. LASEK eignet sich für geringer ausgeprägte Fehlsichtigkeit und kommt bei Patienten zum Einsatz, bei denen LASIK bzw. andere Methoden nicht durchführbar sind – etwa im Zusammenhang mit einer sehr dünnen Hornhaut. Hier gilt die Trans-PRK als modernste Methode. Patienten mit sehr dünner Hornhaut können auf diesem Weg Kurzsichtigkeit und Hornhautverkrümmungen sehr gut behandeln lassen. Anders sieht es hingegen bei Weitsichtigkeit aus: Hier funktioniert die Trans-PRK nur in niedrigen Dioptrien-Bereichen.
- SMILE: Eine weitere Methode wäre SMILE. Hier wird mit einem Femtosekundenlaser gearbeitet, um das Gewebe abzutragen. SMILE eignet sich besonders für Kurzsichtigkeit und Hornhautverkrümmung.
Laserbehandlungen sind im Vergleich zu anderen Korrekturen von Fehlsichtigkeit eine eher teure Therapie. Hier kommen leicht Kosten von wenigen bis zu mehreren tausend Euro zustande. Trotzdem können Betroffene auf diesem Weg sehr wirksam Kurz- und Weitsichtigkeit behandeln lassen. Auch bei Hornhautverkrümmung lassen sich merkliche Verbesserungen erreichen. Der größte Vorteil: Nach der Behandlung benötigen Patienten im Normalfall keine Sehhilfe mehr. So relativieren sich die hohen Anfangskosten im Verlauf der Zeit, in der ansonsten immer wieder neue Brillen oder Kontaktlinsen angeschafft werden müssten.
Komfortabel: Kontaktlinsen
Der klassische Weg, eine Fehlsichtigkeit zu behandeln, ist immer noch der Griff zur Brille. Aus ästhetischen Gründen wird gern aufs „Nasenfahrrad“ verzichtet. Mit Laserbehandlungen lässt sich dieses Ziel nachhaltig erreichen, da hier eine Therapie direkt am Auge erfolgt. Aber: Das Ganze ist teuer. Insofern geht die Suche nach Alternativen weiter. Kontaktlinsen bieten die Möglichkeit, Fehlsichtigkeit „unsichtbar“ zu korrigieren. Ein Ansatz, der Ästhetik und Funktion unter einen Hut bringt.
Zum Einsatz kommen je nach Fehlsichtigkeit verschiedene Modelle. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist das Material, welches die besonderen Eigenschaften der Linsen definiert.>
- Harte Kontaktlinsen: Diese werden auch als formstabile Kontaktlinsen bezeichnet. Hergestellt aus Silikon oder Fluorkarbon, bieten sie eine stärkere Durchlässigkeit. Damit sind eine höhere Sauerstoffzufuhr und hohe Langzeitverträglichkeit gewährleistet. Harte Kontaktlinsen haben den Vorteil, dass sie keine Tränenflüssigkeit für Formstabilität brauchen und damit auch bei tendenziell trockenen Augen keine besonderen Probleme bereiten.
- Weiche Kontaktlinsen: Hier handelt sich um Linsen, die aus Hydrogelen hergestellt sind. Der Tragekomfort ist an dieser Stelle deutlich besser. Dafür haben weiche Linsen den Nachteil, das Auge stärker auszutrocknen. Dieser Aspekt kann unter Umständen bei längerer Anwendungszeit zum Problem werden. Augentropfen schaffen hier Abhilfe. Je nach Variante können die Linsen nur einmal über wenige Stunden getragen werden oder über einen längeren Zeitraum.
Kontaktlinsen können bei verschiedenen Fehlsichtigkeiten sehr gute Ergebnisse erzielen – etwa bei einer Verkrümmung der Hornhaut. An diesem Punkt muss aber auch klar sein, dass Tragekomfort und hohe Hygienestandards eine Rolle spielen. Gerade eine umfassende Hygiene ist wichtig, um Infektionen der Augen durch die Linsen zu vermeiden. Dazu gehört auch, die Linsen täglich zu reinigen und entsprechend des Lebenszyklus auszutauschen. Ein Nachteil ist das Einlegen und Entnehmen der Kontaktlinsen, das gerade zu Beginn eher als unangenehm empfunden wird.

Der Klassiker: Die Brille
Brillen sehen gut aus und implizieren Klugheit. Gut, letzterer Punkt ist eigentlich ein Klischee, Brillen wurden lange mit akademischen Graden und Abschlüssen in Verbindung gebracht. Inzwischen tragen sehr viele Menschen eine Brille – aus unterschiedlichen Gründen. Leichte bis mittelgradige Fehlsichtigkeit lässt sich mit der Brille sehr unkompliziert korrigieren. Was den Kostenfaktor angeht, liegen Brillen unter bzw. bei sehr hochwertigen Modellen auch auf dem Niveau der Kontaktlinsen.
Aber: Anders als Linsen, die regelmäßig neu angeschafft werden, ist die Brille häufig eine Investition, die über Jahre hält und getragen wird. Angefertigt vom Optiker, kann dieser für Weit- oder Kurzsichtigkeit gleich den Sehtest vorschalten. Diese Möglichkeit ist bequem, birgt gleichzeitig aber auch ein gewisses Risiko. Fehlsichtigkeit kann durch eine ernsthafte Ursache ausgelöst werden. Daher empfiehlt sich auch Brillenträgern ein regelmäßiger Check beim Augenarzt. Kleiner Tipp: Wer beim Optiker regelmäßig veränderte Werte im Sehtest erhält, sollte einen Facharzt aufsuchen. Dahinter kann sich eine Erkrankung wie der Keratokonus verbergen.
Was das Thema Ästhetik angeht, ist die Brille nur für einen Teil der Betroffenen wirklich störend. Inzwischen bieten die Hersteller eine sehr breite Palette wirklich modischer Brillengestelle. Was die Auswahl der Gläser angeht, gibt es auch hier inzwischen sehr unterschiedliche Ansätze. Entspiegelte Gläser sollen das Autofahren in den Abendstunden erleichtern, Beschichtungen schützen gegen Verkratzen und mit dem richtigen Material sitzt die Brille einfach angenehm und leicht auf der Nase.
Fazit: Die richtige Methode für die eigenen Vorlieben und finanziellen Möglichkeiten finden
Fehlsichtigkeit ist in der Welt in den verschiedenen Formen auf dem Vormarsch. Gerade der stark gestiegene Anteil der PC-Arbeitsplätze wird dafür mitverantwortlich gemacht. Schließlich ist zu langes Starren auf Bildschirme für die Augen nicht sonderlich gut. Es gibt zum Glück jedoch eine ganze Reihe an Hilfsmitteln gegen die Fehlsichtigkeit. Viele Betroffene werden wahrscheinlich auf die Brille setzen. Parallel gibt es auch die Möglichkeit, mit Kontaktlinsen versteckt Weit- oder Kurzsichtigkeit auszugleichen. Die modernste Variante ist eine Laserbehandlung. Je nach Form gibt es hier aber unterschiedliche Voraussetzungen. Und auch im Hinblick auf die Kosten muss die Entscheidung gut überlegt sein. Am Ende sollte jeder die goldene Mitte zwischen finanziellen Möglichkeiten und eigenen Vorlieben finden.


