Experte: Haiti für Jahrzehnte zurückgeworfen
Polynice, der Gründer der haitianisch-deutschen Hilfsorganisation «Haiti-Med», sagte am Donnerstag: «Die Hauptstadt mit 1,5 Millionen Einwohnern ist zu 70 Prozent zerstört, die meisten leben jetzt auf der Straße.» Der Arzt war bis 2004 Berater für Gesundheit im Kabinett von Ex-Präsident Jean-Bertrand Aristide. Aus Sicht von Polynice sind nun die Hauptprobleme die unterbrochenen Verkehrswege, die Lebensmittelversorgung und die Seuchengefahr.
Große Organisationen wie die UNO, die mit 11 000 Mitarbeitern und Soldaten bereits seit Jahren vor Ort ist, seien für die Hilfe am besten geeignet. Das Problem im ärmsten Land Amerikas: «Man muss bei der Hilfe die Bevölkerung einbinden und die hat kein Vertrauen zur Regierung», sagte Polynice. Der Verein «Haiti-Med» hat eine Spendenaktion gestartet.
Ex-Präsident Aristide habe am Mittwoch Polynice aus seinem Exil in Südafrika angerufen, um die Lage zu beraten. «Auch er ist sehr betroffen von der Katastrophe», sagte Polynice. Er selbst habe bisher nur über Satelliten-Telefon Informationen über das Ausmaß der Schäden bekommen. Festnetz und Mobilfunk seien weiter unterbrochen. Erst über Dritte erfuhr der Arzt, dass seine Mutter und seine Schwester unverletzt sein sollen, auch das Haus der Familie soll heil geblieben sein. Knapp mit dem Leben davongekommen sei einer der Haiti-Med-Mitarbeiter. «Während des Bebens rannte er aus dem Universitätsgebäude. Dann ist es hinter ihm zusammengebrochen.»

