Eurostar plant Expansion nach Frankfurt und Genf – grüne Geschäftsreisen im Fokus
Eurostar will ab Anfang der 2030er Jahre neue Direktverbindungen von London nach Frankfurt und Genf anbieten. Die Erweiterung in die beiden europäischen Finanzzentren zielt vor allem auf Geschäftskunden, die klimafreundlichere Alternativen zum Flugverkehr suchen. Voraussetzung für die Umsetzung bleibt jedoch die Bereitschaft der Zielbahnhöfe, aufwendige Sicherheits- und Grenzinfrastrukturen zu installieren.
Mit rund 19,5 Millionen Passagieren im Jahr 2024, einem Zuwachs von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr, befindet sich Eurostar auf Wachstumskurs. Allein bis Ende Mai 2025 nutzten knapp acht Millionen Menschen den Zuganbieter – ein Anstieg von 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bemerkenswert: Die Zahl der Firmenkunden legte im selben Zeitraum um 58 Prozent auf 677.000 zu.
Eurostar-CEO Gwendoline Cazenave begründet die Streckenauswahl mit der Bedeutung von Frankfurt und Genf als kontinentale Finanzzentren, die dringend besser mit London vernetzt werden müssten. Sie betont: „Unternehmensreisende sind wieder auf Vor-Covid-Niveau. Nachhaltigkeit ist ein zentraler Treiber für den Umstieg auf die Bahn.“ Firmen wie Deloitte und BCG gehören inzwischen zu den wichtigsten Unternehmenskunden.
Die geplante Reisezeit für die neuen Verbindungen liegt bei rund fünf Stunden. Geplant sind vier tägliche Verbindungen nach Frankfurt sowie drei nach Genf. Damit würde Eurostar das bisherige Streckennetz – bestehend aus London, Paris, Brüssel und Amsterdam – erstmals seit Jahrzehnten substantiell erweitern.
Allerdings ist der Zeitplan noch unklar. Die Ausweitung hängt an der Lieferung neuer Züge, für die Eurostar bereits 2023 eine Investition von zwei Milliarden Euro in 50 neue Einheiten angekündigt hatte. Bestellungen wurden bislang nicht finalisiert. Branchenexperte Jon Worth spricht deshalb von „vagen Ideen“ statt konkreten Plänen.
Eurostar sieht sich trotz der Herausforderungen im grenzüberschreitenden Bahnverkehr langfristig im Vorteil. Die Nachfrage sei groß genug, auch angesichts wachsender Konkurrenz. Paris etwa profitierte bereits: JPMorgan verlegte sein EU-Handelszentrum dorthin – auch wegen der direkten Verbindung per Eurostar.

