Europäische Zentralbank: Keine Zinsänderung trotz Herausforderungen
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat beschlossen, den Leitzins unverändert zu lassen, trotz der herausfordernden wirtschaftlichen Umstände in Europa. Während die Inflation zurück unter Kontrolle gebracht wurde, zeigt sich die europäische Wirtschaft widerstandsfähiger gegenüber den protektionistischen Maßnahmen der Regierung von Donald Trump, als viele Experten ursprünglich erwartet hatten.
Präsidentin Christine Lagarde steht nun im Fokus, insbesondere im Hinblick auf Frankreichs finanzpolitische Probleme. Die dortige missliche Haushaltssituation in Verbindung mit politischen Blockaden stellt eine potenzielle Bedrohung für den Markt dar. Marktbeobachter achten gespannt auf mögliche Kommentare der EZB dazu, ob und wie die Bank intervenieren könnte, um die drohenden Turbulenzen zu mildern.
Interessanterweise bleibt die EZB bei ihrer Zinspolitik ruhig, während die US-Notenbank eine mögliche Zinssenkung in Betracht zieht. Die Wirtschaft der Eurozone, die aus 20 Ländern besteht, welche die gemeinsame Währung nutzen, hat im zweiten Quartal ein Wachstum von 0,1 % gezeigt. Trotz der US-Zölle konnte eine Rezession bislang vermieden werden. Der S&P Global Einkaufsmanagerindex, ein bedeutender Konjunkturindikator, lag im August bei 51,1 und signalisiert weiterhin Wachstum.
Die EU-Kommission hat die Gemüter zudem beruhigt, indem sie ein 15%-Limit auf die Einfuhrzölle für europäische Waren in die USA verhandelt hat. Diese Vereinbarung sorgt trotz der höheren Kosten zumindest für Stabilität im Handel.
Der derzeitige Einlagensatz der EZB verbleibt bei 2 %, was entscheidend für die Kreditkosten in der Wirtschaft ist. Die zuvor angehobenen Zinsen zur Bekämpfung der Inflation wurden nun wieder gesenkt, um das Wirtschaftswachstum zu unterstützen. Die Inflationsrate der Eurozone lag im August bei 2,1 %, was nahe dem Ziel der EZB von 2 % liegt, was den unmittelbaren Druck auf eine Zinssenkung mindert. Trotzdem sehen Analysten potenziell weitere Zinssenkungen in der nahen Zukunft.
Frankreichs finanzielle Unordnung bringt Lagarde in eine delikate Situation bei der bevorstehenden Pressekonferenz. Steigende Anleihezinsen aufgrund des nicht gezähmten Defizits von 5,8 % des BIP könnten die EZB zu einem verzweifelten Eingriff zwingen, sollten die Märkte in Panik geraten. Allerdings wäre solch ein Eingreifen nur möglich, wenn Frankreich sich bemüht, die EU-Schuldenregelungen einzuhalten.

