Europa unter Druck: Ein düsterer Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit
Der jüngste Bericht der Europäischen Kommission zeichnet ein eher pessimistisches Bild der aktuellen Lage der Wettbewerbsfähigkeit in Europa. Der Rückgang der industriellen Basis hat bereits Spuren hinterlassen: Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe gehen verloren, und immer mehr Fabriken müssen ihre Tore schließen. Um diesen negativen Entwicklungen entgegenzuwirken, sieht der Bericht dringenden Handlungsbedarf sowohl auf nationaler Ebene als auch innerhalb der EU.
Die Beseitigung von Handelsbarrieren im Binnenmarkt wird als eine der dringendsten Maßnahmen betrachtet, darunter unterschiedlich ausgestaltete Vorschriften in den Mitgliedstaaten, bestehende Lieferbeschränkungen und langwierige Anerkennungsverfahren für berufliche Qualifikationen.
Ein besorgniserregendes Signal ist zudem der abnehmende Anteil des innereuropäischen Handels am Bruttoinlandsprodukt der EU, der von 23,5 Prozent im Jahr 2023 auf 22,0 Prozent im Jahr 2024 zurückgegangen ist. Auch die Dauer zur Entwicklung EU-weiter Standards für Güter hat sich zuletzt verlängert – mittlerweile dauert dieser Prozess vier Jahre, verglichen mit 3,2 Jahren zuvor.
Private Investitionen zeigen ebenfalls eine rückläufige Tendenz und machen nur noch 17,6 Prozent des BIP aus, nach 18,6 Prozent im Vorjahr. Öffentliche Investitionen bleiben hingegen konstant. Dieser Rückgang wird auf eine allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit und auf den Verlust der Wettbewerbsfähigkeit zurückgeführt.
Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat sich die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit als eines der zentralen Ziele ihrer Amtszeit bis 2029 gesetzt und plant, in den kommenden Monaten verschiedene Projekte zur Realisierung dieses Ziels vorzustellen. Eines dieser Projekte ist die Einführung einer neuen europäischen Rechtsform namens "EU Inc.", die länderübergreifende Geschäftstätigkeiten vereinfachen soll. Zum Thema Wettbewerbsfähigkeit wird am 12. Februar ein EU-Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs stattfinden.

