EU und Indonesien schmieden zukunftsweisendes Freihandelsbündnis
Die EU und Indonesien haben nach mehr als neun Jahren intensiver Verhandlungen den Abschluss eines Freihandels- und Investitionsschutzabkommens gefeiert. Unterschrieben durch EU-Handelskommissar Maros Sefcovic und Indonesiens Wirtschaftsminister Airlangga Hartarto, markiert diese Vereinbarung einen bedeutenden Fortschritt in den Handelsbeziehungen zwischen der Staatengemeinschaft und der aufstrebenden Wirtschaftsmacht Südostasiens.
Die Vereinbarung sieht die nahezu vollständige Abschaffung von Zöllen auf europäische Waren, darunter Fahrzeuge und Agrarprodukte, vor. Sefcovic bezeichnete dies als ein starkes Zeichen für einen offenen und regelbasierten internationalen Handel, das in Zeiten von Unsicherheiten und raschem Wandel von großer Bedeutung sei. Durch die Reduzierung der Zölle um mehr als 98 Prozent wird das Abkommen für beide Seiten erhebliche wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen, ein Standpunkt, den Hartarto als "wichtigen Meilenstein" hervorhob.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zufolge bietet das Abkommen der EU stabilen Zugang zu kritischen Rohstoffen, die für Europas saubere Technologien und die Stahlproduktion essenziell sind. Gleichzeitig würden neue Geschäftsmöglichkeiten für europäische Unternehmen in der wachsenden indonesischen Volkswirtschaft eröffnet. Die Vereinbarung wurde nach einer Einigung zwischen von der Leyen und Indonesiens Präsident Prabowo Subianto im Juli, die wichtige Themen wie Nachhaltigkeitsstandards und Investitionserleichterungen ins Zentrum stellten, nun offiziell besiegelt.
Angesichts geopolitischer Spannungen und Bestrebungen nach diversifizierten Handelsbeziehungen verstärkt die EU ihre Bemühungen in dieser Richtung. Die Herausforderungen mit den USA, die Abhängigkeit von russischen Rohstoffen und fragile Lieferketten erhöhen den Druck. In diesem Kontext unterzeichnete die EU kürzlich eine Einigung mit den Mercosur-Staaten und modernisierte das Freihandelsabkommen mit Mexiko. Ein neuer Kurs wird auch im Verhältnis zu Großbritannien verfolgt.
Bevor das Abkommen mit Indonesien in Kraft treten kann, bedarf es der Zustimmung von Rat und Europaparlament. Mit über 280 Millionen Einwohnern ist Indonesien die drittgrößte Demokratie der Welt und stellt einen zentralen Akteur im Indopazifik dar. Das Land gilt als mächtigster Vertreter in der Asean, die ihren ständigen Sitz in Jakarta hat.

