EU strebt Fairness im Online-Handel an: Neue Abgabe auf Billigimporte beschlossen

Die Europäische Union hat einen entscheidenden Schritt unternommen, um ungewollte Billigimporte einzudämmen. Eine von den EU-Mitgliedsstaaten vereinbarte Regelung sieht vor, dass ab Juli 2026 auf jedes Paket mit einem Warenwert von bis zu 150 Euro eine Abgabe von drei Euro erhoben wird. Diese Maßnahme soll vor allem populäre Online-Händler wie Shein, Temu, AliExpress und Amazon betreffen.
Die Erhebung der neuen Abgabe obliegt den nationalen Zollbehörden und ist vorerst als Zwischenlösung gedacht. Künftig sollen alle importierten Waren in die EU ab dem ersten Euro zollpflichtig sein. Das könnte potenziell die Preise günstiger Produkte erhöhen, jedoch bleibt abzuwarten, ob diese Kosten von Produzenten oder Importeuren absorbiert werden.
Die Regelung ist eine Reaktion auf den sprunghaften Anstieg kleiner Warenpakete, die täglich in die EU gelangen. Im Jahr 2024 registrierte die EU-Kommission bereits etwa zwölf Millionen solcher Pakete pro Tag. Die Abschaffung der existierenden 150-Euro-Freigrenze ab 2028 soll gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Händler schaffen. Deutschland unterstützt diese Neuerung, da derzeit systematische Zollfreiheit ausgenutzt wird, oft durch Lieferungen aus China.
Neben dem Kampf gegen unfaire Handelspraktiken sollen mit den neuen Maßnahmen auch betrügerische Zollangaben bekämpft werden. Schätzungen zufolge wird bei 65 Prozent der Pakete absichtlich ein zu niedriger Wert angegeben, was vor allem kleinen und mittleren Unternehmen in der EU schadet, die mit den niedrigen Preisen nicht konkurrieren können.
Der Verbraucherzentrale Bundesverbands fordert daher eine verstärkte Verantwortung der Online-Marktplätze. Neben der geplanten Zollpflicht erwägt die EU-Kommission auch eine Pauschalabgabe auf Bestellungen aus Drittstaaten, um der Paketflut Herr zu werden.
Shoppingportale wie Shein und Temu erfreuen sich trotz Bedenken großer Beliebtheit in Deutschland. Ihr Umsatz lag 2024 zwischen 2,7 und 3,3 Milliarden Euro, wobei über 14 Millionen Deutsche im vergangenen Jahr dort einkauften. Die rasante Erfolgsgeschichte der beiden Shoppingplattformen wirft jedoch Fragen bezüglich Produktqualität und fairen Wettbewerbsbedingungen auf.
In Frankreich sorgte Shein für Schlagzeilen, nachdem unangemessene Produkte zum Verkauf angeboten wurden, was die Regierung zu einer kritischen Überprüfung der Plattform veranlasste. Shein kooperiert nun mit den Behörden, um diese Vorwürfe zu klären.

