EU plant mehr Zeit für CO2-Vorgaben: Ein Geschenk für die Autoindustrie?
In einer bemerkenswerten Ankündigung hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Brüssel angedeutet, den europäischen Autobauern mehr Zeit zur Einhaltung verschärfter CO2-Vorgaben geben zu wollen. Die bisher jährlichen Grenzwerte sollen auf einen dreijährigen Überprüfungszeitraum umgestellt werden. Diese Planänderung benötigt jedoch sowohl die Zustimmung der EU-Mitgliedsstaaten als auch des Europaparlaments.
Die CO2-Flottengrenzwerte, deren Nichteinhaltung empfindliche Strafzahlungen zur Folge hat, stellen die Autoindustrie bereits unter erheblichen Druck. Für das Jahr 2024 liegt der zulässige Durchschnitt bei 93,6 Gramm CO2 pro Kilometer, und die Vorgaben sollen bis 2030 weiter auf 49,5 Gramm sinken. Die schleppende Entwicklung des E-Auto-Marktes erhöht die Sorge, dass Autobauer die Grenzwerte überschreiten könnten.
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) fordert deshalb dringend Erleichterungen für die Hersteller. Verbandspräsidentin Hildegard Müller schlägt vor, auch nach 2035 so genannte Plug-in-Hybride stärker zu berücksichtigen, trotz der geplanten Zulassung neuer emissionsfreier Fahrzeuge ab diesem Jahr. Von der Leyen plädiert auch für eine neue Industrieallianz zur Förderung autonomer Fahrzeuge.
Die Pläne stoßen jedoch nicht überall auf Begeisterung. Während die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) von einem „beispiellosen Geschenk“ an die Autoindustrie spricht, fürchtet Greenpeace negative Auswirkungen auf den Klimaschutz und die Verbraucher. Angesichts der wachsenden Konkurrenz aus China und den USA ist die europäische Autoindustrie auf Flexibilität und Innovation angewiesen. Wie weitreichend die vorgeschlagenen Änderungen tatsächlich sein werden, soll am Mittwoch genauer erläutert werden.

