Erstes Symposium Hebammenwissenschaft: „Hebammenzentralen – Versorgung gestalten, Lücken schließen“
Am 23. Januar fand an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen (HWG LU) das 1. Symposium Hebammenwissenschaft statt. Zentrales Thema der Fachtagung: „Hebammenzentralen – Versorgung gestalten, Lücken schließen“

26. Januar 2026, 14:26 Uhr · Quelle: LifePR
Erstes Symposium Hebammenwissenschaft: „Hebammenzentralen – Versorgung gestalten, Lücken schließen“
Foto: LifePR
Blick ins gut besetzte Auditorium
Experten präsentierten auf dem Symposium in Ludwigshafen die Rolle von Hebammenzentralen bei der Verbesserung der Versorgung für Familien.

Ludwigshafen, 26.01.2026 (lifePR) - Am Freitag, 23.01.2026, fand an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen das erste Symposium Hebammenwissenschaft statt. Zentrales Thema der von Professorin Dr. Michaela Michel-Schuldt geleiteten Fachtagung war das innovative Versorgungskonzept „Hebammenzentrale“. Unter dem Tagungstitel „Hebammenzentralen – Versorgung gestalten, Lücken schließen“ widmeten sich die rund 60 Teilnehmenden der „Hebammenzentrale“ in all ihren Facetten: als zentraler Anlaufstelle für werdende und kürzlich gewordene Eltern, als Vermittlungsstelle, Informationsquelle und auch als Koordinationsstelle für Vertretungen, Fortbildungen und den Austausch unter Hebammen und anderen Fachkräften.

Nach der Begrüßung durch Professorin Dr. Michaela Michel Schuldt und Hochschulpräsident Prof. Dr. Gunther Piller überbrachten Juliane Müller und Gesundheitsminister Clemens Hoch die Grußworte des Hebammenverbandes Rheinland-Pfalz bzw. der rheinland-pfälzischen Landesregierung. „Die schon bestehenden Hebammenzentralen sind ein tragender Baustein der Gesundheitsversorgung in Rheinland-Pfalz. Sie schließen Versorgungslücken und denken Geburtshilfe ganzheitlich“, erklärte die 1. Vorsitzende des Hebammenverbandes. Aber sie seien kein Ersatz für schließende Kreißsäle. Daher fordere der Hebammenverband von der Politik Fokus auf die personelle Lage in der Geburtshilfe, flächendeckende Versorgungssicherung und eine bessere Datengrundlage zur optimierten Versorgungsplanung, so Juliane Müller.

„Hebammen geben Familien genau dann Halt und Orientierung, wenn diese am dringendsten gebraucht werden – fachlich kompetent und menschlich zugewandt. Für uns als Land bedeutet das, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Frauen und Familien wohnortnah verlässliche Unterstützung finden – sowohl in der Klinik als auch in der ambulanten Versorgung rund um Schwangerschaft und Wochenbett. Hebammenzentralen leisten hier einen wichtigen Beitrag: Sie entstehen dort, wo Versorgung benötigt wird. Rheinland-Pfalz fördert Hebammenzentralen aus Überzeugung und wird diese Unterstützung auch künftig fortsetzen, um Familien weiter zu stärken, Hebammen zu entlasten und die geburtshilfliche Versorgung in Rheinland-Pfalz sicherzustellen“, betonte Minister Clemens Hoch.

Im Anschluss gaben Masterabsolventin Gila Heusermann, Masterstudentin Annika Schröder und Professorin Dr. Michaela Michel-Schuldt tieferen Einblick in den aktuellen wissenschaftlichen Stand zum Thema Hebammenzentralen und stellten begleitende Lehrforschungsprojekte vor: Aus allen Arbeiten ergeben sich Hinweise, dass Hebammenzentralen nachweislich wirken – empirisch, praktisch und erfahrungsbezogen – indem sie bestehende Versorgungsengpässe in der Hebammenhilfe zwar nicht gänzlich beheben, aber deren Folgen durch bessere Verteilung, gerechtere Nutzung und eine menschlichere Organisation wirksam abfedern. Ihre besondere Stärke zeigt sich nicht nur in Vermittlungskennzahlen, sondern vor allem im Zugewinn an Sicherheit, Beziehung und struktureller Orientierung für alle Beteiligten; zugleich besteht weiterer Forschungsbedarf, insbesondere hinsichtlich einer gesundheitsökonomischen Evaluationen sowie der systematischen Analyse von Nutzen und Verbesserungsbedarfen für Hebammen, Frauen und Familien, insbesondere aus marginalisierten Bevölkerungsgruppen, um Qualität, Wirksamkeit und Verstetigung evidenzbasiert weiterzuentwickeln.

Best Practice-Beispiele aus Bayern stellten anschließend Melanie Marwitz, HebaVaria e.V. München, und Thomas Oppel von der Landeskoordinierungsstelle Bayern vor: Melanie Marwitz zeigte, wie durch koordinierte Strukturen, gezielte Vermittlung, ergänzende Angebote und digitale Unterstützung der Zugang zur Hebammenversorgung verbessert, Ungleichverteilungen reduziert und Versorgung auch unter begrenzten Ressourcen aktiv ermöglicht werden kann. Thomas Oppel verdeutlichte in seinem Beitrag, wie durch landesweite Koordination, klare Handlungsleitfäden und kommunale Unterstützung tragfähige Strukturen für Hebammenzentralen aufgebaut und langfristig verstetigt werden können. In dem nachmittäglichen Workshop tauschten sich die Teilnehmenden anschließend rege über Qualitätsmerkmale von Hebammenzentralen aus.

„Mit dem ersten Symposium wollten wir einen Raum schaffen für Austausch, Diskussion und Vernetzung – zwischen Studierenden, Absolvent*innen, Praxispartnern, Kolleg*innen aus Wissenschaft und Forschung, Vertreter*innen der gesundheitlichen Versorgung sowie der Politik“, erläuterte Professorin Michel-Schuldt und ergänzte: „Hebammenzentralen verbessern den Zugang zur Hebammenhilfe messbar, entlasten Hebammen und andere Versorgungsstrukturen, reduzieren Unsicherheit bei Familien und entfalten ihre größte Wirkung dann, wenn sie strukturell abgesichert, qualitativ klar definiert und systematisch vernetzt sind.“ Das 1. Symposium Hebammenwissenschaft habe aus ihrer Sicht beantwortet, wie Hebammenzentralen Versorgung sichern können, was Qualität dabei bedeutet und wie Wissenschaft, Praxis und Politik gemeinsam Verantwortung übernehmen – und habe die Teilnehmenden informiert, bestärkt und motiviert, Versorgung aktiv mitzugestalten, so das zufriedene Fazit der Tagungsleiterin.

Zum Hintergrund:

Hebammenzentralen leisten einen zentralen Beitrag zur verbesserten Versorgung von Schwangeren, Wöchnerinnen und jungen Eltern durch Hebammen. Sie helfen, passgenaue Betreuung sicherzustellen und Versorgungsengpässe zu vermeiden. Rheinland-Pfalz und angrenzende Bundesländer unterstützen den Aufbau und die Weiterentwicklung von Hebammenzentralen als ein wichtiges Element zur Sicherung der Versorgung.

Hebammenwissenschaft an der HWG LU: Seit über zehn Jahren engagiert sich die HWG LU erfolgreich in der akademischen Ausbildung von Hebammen – u.a. war der duale Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft unter Leitung von Prof. Dr. Nina Knape der erste Hebammenstudiengang in Rheinland-Pfalz im Rahmen der seit 2020 geltenden Akademisierung der Hebammenausbildung. Ein Masterangebot und kooperative Promotionen für Hebammenwissenschaftler*innen runden das Angebot entsprechend ab. Auch wird hier aktiv geforscht im Bereich der Gesundheitsversorgung.

Die Hebammenwissenschaft an der HWG LU nimmt damit bundesweit eine Vorreiterposition bei der Etablierung der jungen Disziplin ein. In der Tradition der anwendungsorientierten Wissenschaft versteht sich die Hebammenwissenschaft an der HWG LU als disziplinübergreifend, forschungsbasiert und zugleich eng mit der geburtshilflichen Praxis verbunden.

Bildung & Karriere / Hebammenwissenschaft / Gesundheitsversorgung / Hebammenzentralen / Rheinland-Pfalz / Symposium
[lifepr.de] · 26.01.2026 · 14:26 Uhr
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