Erneute Eskalation im Gazastreifen: Tausende auf der Flucht
Die jüngste Offensive der israelischen Armee hat im Gazastreifen zu einer neuen Welle der Fluchtbewegungen geführt. Augenzeugen berichten von zahlreichen Menschen, die aus dem nördlichen Teil des abgeriegelten Küstengebiets fliehen. Die Anwohner erzählen von Hunderten Familien, die sich bereits auf den Weg Richtung Süden gemacht haben, um sich in Sicherheit zu bringen.
Unter ihnen ist der fünffache Vater Jussif Nassir aus Beit Lahia. Seine Familie ist stark betroffen, insbesondere sein jüngstes Kind, das seit einem explosionsbedingten Schock nicht mehr spricht. "Ich habe meinen Kindern gesagt, sie sollen weglaufen", schildert er seine dramatische Entscheidung. Ihr Weg führt sie nach eigenen Angaben in die Stadt Gaza.
Zerstörung und Leid haben auch die Bewohner der Orte Dschabalija und Beit Lahia erfasst, die bei heftigen Luftangriffen stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Laut Aussagen von Anwohnern gab es zahlreiche Tote und ganze Viertel wurden dem Erdboden gleichgemacht. Laila Hamdan, eine Krankenschwester, berichtet von einer zerstörten Schule, die der Familie Zuflucht bot. Als das Gebäude bombardiert wurde, konnten sie gerade noch entkommen. Der nächste sichere Ort bleibt für sie ungewiss.
Die israelische Armee ist Berichten zufolge in nördliche Gebiete der Stadt Beit Lahia vorgedrungen. Die Angst vor weiteren militärischen Vorstößen treibt viele Palästinenser zur Flucht. In einigen Gebieten sollen laut Augenzeugen noch Menschen festsitzen.
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte kürzlich erklärt, mit der intensiven Offensive den Druck auf die Hamas erhöhen zu wollen, um eine Freilassung der Geiseln zu erreichen. Zeitgleich sollen Menschen aus dem nördlichen Gazastreifen in Richtung Süden bewegt werden. Der Konflikt wurde durch einen Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 ausgelöst, der rund 1.200 israelische Todesopfer forderte und über 250 Geiselnahmen zur Folge hatte. Seit Beginn dieses Konflikts sind nach Angaben der Hamas-Gesundheitsbehörde mehr als 53.300 Palästinenser getötet worden. Diese Zahlen sind allerdings schwer unabhängig zu überprüfen, insbesondere hinsichtlich der Unterscheidung zwischen zivilen Opfern und Kämpfern.

