Hochtechnologie

Enorme Sicherheitsbedenken gegen chinesische KI DeepSeek

12. Februar 2025, 06:00 Uhr · Quelle: dpa
Die chinesische KI DeepSeek zählt zu den populären Anwendungen in den App Stores von Apple und Google. Sicherheitsbehörden, Datenschützer und Cyberfachleute sehen erhebliche Risiken.

München (dpa) - Behörden und Cybersicherheitsfachleute haben gravierende Sicherheitsbedenken gegen die chinesische KI DeepSeek. Dabei geht es um mehrere Punkte: die offenkundig sehr weitreichende Speicherung von Nutzerdaten, die mögliche Manipulierbarkeit der Anwendung für kriminelle Zwecke und die Frage, inwieweit der chinesische Spionage- und Überwachungsapparat Zugriff auf Nutzerdaten hat. DeepSeek hat sich seit der Veröffentlichung zu einer der beliebtesten KI-Anwendungen auch in den deutschen App Stores von Apple und Google entwickelt. 

DeepSeek speichert Nutzereingaben in großem Umfang

Ein wesentlicher Kritikpunkt ist die Speicherung der Tastatureingaben. DeepSeek informiert in seinen Datenschutzhinweisen darüber, dass «Tastatureingabemuster oder -rhythmen» (keystroke patterns or rhythms) erfasst werden - ein Verfahren, das zur Identifizierung von Nutzern eingesetzt werden kann. «Auch Tastatureingaben innerhalb der App können womöglich mitgelesen werden, bevor sie abgeschickt werden», sagt eine Sprecherin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) auf dpa-Anfrage. 

BSI: für sicherheitskritische Bereiche bedenklich

«Daneben wird die Art und Weise, wie Tastatureingaben vorgenommen werden, gespeichert.» Mit solchen Mustern könnten mit Hilfe Künstlicher Intelligenz Nutzprofile erstellt und wiedererkannt werden. Fazit: «Das BSI hält diese Möglichkeit mindestens für sicherheitskritische Bereiche für bedenklich.» 

Die etablierte US-Konkurrenz von Open AI hingegen sichert zu, nicht aktiv nach persönlichen Daten zu suchen und keine öffentlichen Daten im Internet zum Aufbau persönlicher Profile zu verwenden. Allerdings gibt es auch ein US-Gesetz – den Cloud Act – das amerikanische Firmen verpflichtet, den Behörden Zugriff auf im Ausland gespeicherte Daten zu gewähren. 

Ein «Keylogger», wie ihn kriminelle Hacker und Geheimdienste zum Ausspionieren von Passwörtern und Zugangs-Daten verwenden, ist die Speicherung von Eingabemustern oder -rhythmen durch DeepSeek nach Einschätzung des Experten Rüdiger Trost zwar nicht. «Hier muss man unterscheiden: Ein Keylogger «schneidet alles mit, was über die Tastatur eingegeben wird», sagt der Fachmann, der für den Cybersicherheitdienstleister WithSecure arbeitet. «Das ist etwas Anderes als ein Prompt in einem GenAI Tool oder im Allgemeinen eine Sucheingabe in einem Browser.»

Palo Alto Networks: Hilfreich für Cybergangster

Doch in einer Untersuchung des großen US-Cybersicherheitsdienstleisters Palo Alto Networks ließ sich DeepSeek leicht für kriminelle Zwecke manipulieren. Das berichtet Sam Rubin, Leiter der Bedrohungsanalyse und -beratung des Unternehmens. 

So brachten die Cyberfachleute DeepSeek mit Hilfe der «richtigen Prompts» dazu, ein Skript zur Auslese von Daten aus Mails und Word-Dateien zu erzeugen. Derartige Skripts werden von Hackern genutzt, um Daten zu stehlen. Mit zusätzlichen Prompts habe DeepSeek außerdem tatsächlich «Keylogger Code» produziert, wie Rubin auf Anfrage sagte. 

Das erfolgreiche Aushebeln von Sicherheitsvorkehrungen heißt in der Software-Branche «Jailbreaking» – Gefängnisausbruch. Laut Palo Alto Networks fehlen DeepSeek die Schutzplanken anderer KI-Modelle. «Unsere Forscher waren in der Lage, die schwachen Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen, um bösartige Inhalte zu produzieren, was wenig bis kein Spezialwissen oder Expertise erforderte», sagt Rubin. 

Freier Zugriff für Chinas Spione?

Ganz abgesehen davon ist DeepSeek nach chinesischem Recht verpflichtet, sämtliche Daten in der Volksrepublik zu speichern. Das chinesische Geheimdienstgesetz wiederum verpflichtet Bevölkerung und Organisationen zur Kooperation mit den Sicherheitsbehörden. Der Gummiparagraf wird von etlichen China-Beobachtern als Zugriffsrecht des Spionageapparats auf sämtliche in der Volksrepublik gespeicherten Daten interpretiert. 

Datenschützer wollen prüfen

Derzeit bereitet der Datenschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz ein Prüfverfahren gegen DeepSeek vor. «Mehrere deutsche Datenschutzaufsichtsbehörden gehen voraussichtlich parallel vor», sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Laut EU-Datenschutzgrundverordnung muss ein Unternehmen ohne Niederlassung in der EU zumindest einen gesetzlichen Vertreter benennen, was DeepSeek bislang offenbar nicht getan hat. «Das Fehlen eines gesetzlichen Vertreters stellt an sich schon einen Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung dar und kann mit Bußgeld geahndet werden», sagt die Sprecherin. Die italienische Datenschutzbehörde GDDP hat die chinesische KI bereits Ende Januar auf den Index gesetzt. DeepSeek ließ eine dpa-Anfrage zu den verschiedenen Kritikpunkten zunächst unbeantwortet.

Ministerien und Konzerne bei KI grundsätzlich auf der Hut

Deutsche Ministerien, Bundesbehörden und große Unternehmen treffen massive Sicherheitsvorkehrungen gegen Cyberattacken. Das schließt Künstliche Intelligenz mit ein und trifft nicht nur DeepSeek. 

So hat das Bundesinnenministerium die Nutzung externer Cloud-Dienste grundsätzlich verboten. Andere Bundesministerien haben ähnliche Vorschriften erlassen: Das Finanzministerium hat die Nutzung «textgenerativer Künstlicher Intelligenz im Internet zu dienstlichen Zwecken grundsätzlich untersagt». Das Wirtschaftsministerium hat festgelegt, welche Anwendungen erlaubt sind, DeepSeek und andere KI-Anwendungen gehören nicht dazu. 

Auch das Deutsche Patent- und Markenamt in München – ebenfalls ein potenzielles Spionageziel – setzt DeepSeek nicht ein. Im bayerischen Innenministerium sind DeepSeek und andere KI-Anwendungen auf dienstlichen Geräten nicht erlaubt und private Geräte dürfen nicht dienstlich genutzt werden. 

Nach diesem Prozedere verfahren auch große Unternehmen, die ihre Technologie schützen wollen. Dazu zählt die Münchner Wacker Chemie, ein wichtiger Lieferant der Computerchip-Industrie: kein DeepSeek auf Firmenrechnern und -geräten und keine privaten Geräte bei der Arbeit. 

Sicherheitsschleusen bei Dax-Konzernen

Mehrere Dax-Konzerne ermöglichen den Zugriff auf KI-Anwendungen nur über die Sicherheitsschleusen eigener Systeme, bei Siemens etwa «SiemensGTP» geheißen. «Dort ist neben vielen anderen Modellen auch Deep Seek verfügbar - innerhalb eines sicheren Umfelds, das garantiert, dass Siemensdaten bei Siemens bleiben», sagt ein Sprecher. BMW und die BASF gehen nach ähnlichem Muster vor.

Informationstechnologie / Sicherheit / Deutschland / International / China
12.02.2025 · 06:00 Uhr
[0 Kommentare]
iPhone 18 Pro offenbar ohne schwarze Farbvariante
Einem aktuellen Gerücht zufolge wird Apple bei den kommenden iPhone 18 Pro Modellen auf ein schwarzes Gehäuse verzichten. Zum Vergleich: Die derzeitige iPhone 17 Pro Serie ist in den markanten Farben Silber, Cosmic Orange und Deep Blue erhältlich. iPhone im Business, Quelle: Unsplash Kein Schwarz für die iPhone 18 Pro Modelle Wie der bekannte […] (00)
vor 11 Stunden
Alcatraz
San Francisco/Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump will im Haushalt 2027 Mittel für eine Wiederinbetriebnahme des berüchtigten Gefängnisses Alcatraz einplanen. Für die Projektplanung sollen 152 Millionen Dollar (rund 132 Millionen Euro) bereitgestellt werden, wie aus einem vom Weißen Haus veröffentlichten Etatentwurf hervorgeht. Alcatraz solle […] (00)
vor 31 Minuten
Daniel Radcliffe
(BANG) - Daniel Radcliffe hat "tiefgreifendes Glück" gefunden, seit er Vater geworden ist. Der britische Schauspieler – der bereits im Alter von elf Jahren als titelgebender Zauberlehrling in der 'Harry Potter'-Filmreihe berühmt wurde – glaubt, dass sein jüngeres Ich ihn heute nicht wiedererkennen würde. Damals sei er "zutiefst unglücklich" gewesen, […] (00)
vor 16 Stunden
Switch 2: Ehemaliger Nintendo-Mitarbeiter warnt vor kommendem Preisanstieg
Die Nintendo Switch 2 ist seit ihrem Launch eine der meistgekauften Konsolen des Jahres – doch wer noch mit dem Kauf gehadert hat, könnte bald in eine unangenehme Situation geraten. Ein ehemaliger Nintendo-Vertriebsmitarbeiter hat sich öffentlich zu den Preisentwicklungen des Unternehmens geäussert, und seine Einschätzung lässt aufhorchen. Was der Ex- […] (00)
vor 11 Stunden
Tubi kündigt zweite Staffel von «Big Mood» an
Der Streamingdienst setzt die Comedyserie mit Nicola Coughlan und Lydia West im April fort. Der werbefinanzierte Streaminganbieter Tubi hat den Trailer zur zweiten Staffel von Big Mood veröffentlicht. Die neuen Folgen feiern am 16. April Premiere und führen die Geschichte rund um die komplizierte Freundschaft von Maggie und Eddie weiter. Ein Jahr ist vergangen, seit sich die beiden besten […] (00)
vor 15 Stunden
Joachim Löw
Berlin (dpa) - Um Weltmeister-Trainer Joachim Löw gibt es ein überraschendes und wenig glaubhaftes Comeback-Gerücht - und der 66-Jährige räumt es auch schnell aus der Welt. Laut des Portals «ghanasoccernet» könnte Löw für die anstehende Fußball-WM die Nationalmannschaft Ghanas als Trainer übernehmen. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. «Mit mir hat […] (03)
vor 12 Stunden
kostenloses stock foto zu bargeldersatz, bitcoin, bitcoin-einführung
Der Kurs von XRP bewegt sich derzeit um wichtige Unterstützungsniveaus, während der Markt sich auf eine entscheidende Bewegung vorbereitet. Eine Analyse zeigt, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen zwei Gruppen von Marktteilnehmern gibt, die unterschiedliche Erwartungen an die zukünftige Kursentwicklung haben. Ein Bericht von CryptoQuant hebt […] (00)
vor 44 Minuten
Von  "Meuterei auf der Bounty" zur Pn-Domain
Koeln, 03.04.2026 (PresseBox) - Es beginnt, wie große Geschichten oft beginnen: mit zu viel Ordnung. An Bord der HMS Bounty herrscht im Jahr 1789 ein Regiment aus Disziplin und Härte. William Bligh, ein Mann von eiserner Selbstkontrolle, führt seine Mannschaft durch die Weiten des Pazifiks – und zugleich in eine immer engere innere Enge. Denn draußen […] (00)
vor 9 Stunden
 
Ricarda Lang
Berlin (dpa) - Grünen-Politikerin Ricarda Lang hat nach eigener Aussage digitale […] (00)
Apple verschickt Einladungen für die WWDC 2026 im Apple Park
Apple hat offiziell die Einladungen an die glücklichen Gewinner […] (00)
Apple iPad Air 3 WLAN landet auf der Vintage-Liste
Apple hat nun auch die WLAN-Version des iPad Air 3 offiziell in seine sogenannte […] (00)
Obdachlose in den USA am Times Square
Washington - Die Arbeitslosenquote in den USA ist im März leicht auf 4,3 Prozent […] (00)
«Azubi Storys» kehrt zurück
Die Doku-Serie begleitet erneut junge Auszubildende mit Einblicken zwischen Stress, Erfolg und […] (00)
Nike-Beben: Der gefährliche Zock des neuen Giganten-Chefs
In der Konzernzentrale von Beaverton weht ein neuer, rauer Wind. Elliott Hill, der erst […] (00)
MindsEye plant Blacklist-Update – CEO will mutmaßliche Saboteure öffentlich benennen
MindsEye hatte keinen einfachen Start – und der nächste Schritt von Entwickler Build […] (01)
Bildschirme
Berlin (dpa) - Kinderärzte sollten aus Sicht von Familienministerin Karin Prien junge […] (00)
 
 
Suchbegriff