Energie-Spannungen: Die wachsende Marktmacht der Stromgiganten

Die aktuelle Untersuchung des Bundeskartellamts hat die zunehmende Dominanz der führenden deutschen Stromerzeuger RWE, Leag und EnBW im Zeitraum von Mai 2024 bis April 2025 ins Scheinwerferlicht gerückt. Interessanterweise können Kraftwerksbetreiber selbst bei geringeren Marktanteilen starke Einflüsse auf die Preisgestaltung ausüben. Die Analyse zeigt, dass der Anteil der Stunden, in denen ein Erzeuger unverzichtbar für die Stromversorgung ist, entscheidend für die Einschätzung der Marktdominanz ist. Wird die Schwelle von fünf Prozent der Jahresstunden überschritten, deutet dies auf eine marktbeherrschende Stellung hin. Im aktuellen Bericht wurde festgestellt, dass RWE diese Grenze deutlich überschreitet, während Leag ebenfalls darüber liegt und EnBW sich knapp an dieser Schwelle bewegt.
Eine kurzfristige Entspannung der Marktmachtverhältnisse ist laut Angaben des Kartellamts kaum zu erwarten. Der geplante Ausbau neuer, steuerbarer Kraftwerkskapazitäten durch die Bundesregierung könnte zwar Abhilfe schaffen, jedoch erst in einigen Jahren spürbar werden. Der Effekt dieser Maßnahmen hängt wesentlich davon ab, welche Unternehmen in den Genuss der neuen Kapazitäten kommen werden. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, betonte die Notwendigkeit, dass die Ausschreibungen gezielt zur Reduzierung bestehender Marktdominanzen genutzt werden. Mehr Wettbewerb sei essenziell, um langfristig günstigere Strompreise für Verbraucher zu gewährleisten.
Der Kontext dieser Entwicklung liegt in der Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022. Damals führte die unsichere Gasversorgung dazu, dass alte Kohlekraftwerke bis zum Frühjahr 2024 reaktiviert wurden. Mit dem Ende dieser Sonderregelung und weiteren Kohleausstiegen wurde das heimische Stromangebot empfindlich reduziert. Dies hat nicht nur zu höheren Preisen geführt, sondern auch die Abhängigkeit von großen Stromanbietern sowie von Importen in Zeiten schwacher Wind- und Solarstromproduktion verstärkt.

