Endspiel im VW-Dieselverfahren: Ein Drama in Braunschweig
Im langjährigen Betrugsprozess zur Diesel-Thematik bei Volkswagen haben die vier angeklagten Ex-Manager und Ingenieure durch persönliche Abschiedsworte auf die zermürbenden Auswirkungen des fast vier Jahre andauernden Verfahrens vor dem Braunschweiger Landgericht hingewiesen. Trotz emotionaler Argumentationen lehnten sie die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft entschieden ab und kritisierten die langandauernden Ermittlungen, die ihr Leben seit knapp einem Jahrzehnt belasten.
Die Staatsanwaltschaft zeigte sich allerdings unerschütterlich in der Überzeugung, dass die Angeklagten sich des Betrugs schuldig gemacht haben. Konsequenterweise forderte sie für drei der Männer Haftstrafen zwischen drei und vier Jahren – eine Strafe, die deutlich über einer Bewährungsstrafe liegt. Die Verteidigung hielt dagegen, appellierte auf Freisprüche für drei der Angeklagten und eine Verwarnung für den vierten.
Die drohenden Haftstrafen ließen die Angeklagten ungläubig zurück. Der Prozess offenbarte nach wie vor Uneinigkeiten über die zentrale Frage der Verantwortlichkeit. Ingenieure beriefen sich darauf, gewarnt zu haben, während Führungskräfte betonten, keine illegale Absicht verfolgt zu haben.
Die Enthüllung des Betrugs durch Volkswagen im Jahr 2015 in den USA, der durch spezielle Software die Abgaswerte manipulierte, wirkt in den Aussagen der Angeklagten gegen ihren bisherigen Arbeitgeber nach wie vor nach. Sie selbst bezeichnen sich als Sündenböcke.
Nicht zuletzt bleibt die Verhandlung durch die Abwesenheit der zentralen Figur Martin Winterkorn unvollständig. Der 77-jährige, ehemalige Vorstandsvorsitzende, dessen Verfahren aus gesundheitlichen Gründen getrennt wurde, bleibt ein viel diskutierter Punkt in der Aufarbeitung dieses bedeutenden Wirtschaftsskandals.

