Eisenbahn im Fokus: Dringlichkeit im Tarifkonflikt vor der Wahl
Im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn zeigen beide Parteien großes Interesse an einer raschen Einigung vor der bevorstehenden Bundestagswahl. Der Verzicht auf Warnstreiks ist dabei ein angestrebtes Ziel. Bereits zur ersten Tarifrunde am Dienstag hat die Arbeitgeberseite ein Angebot präsentiert. Martin Seiler, Personalvorstand der Deutschen Bahn, nannte dies ein "klares Signal" für eine zügige Lösung, ohne spezifische Details preiszugeben.
Die Notwendigkeit von Planungssicherheit für die Beschäftigten ist ein zentrales Thema. Seiler äußerte Optimismus bezüglich der Verhandlungen, da beide Seiten bestrebt seien, schnell zu einem Abschluss zu kommen. Warnstreiks sind vor Ende März für die Fahrgäste der Deutschen Bahn jedoch unwahrscheinlich.
Cosima Ingenschay, Verhandlungsführerin der EVG, versichert, dass die Gewerkschaft zu "zügigen und konstruktiven Verhandlungen" bereit sei. Die Sicherung von Klarheit für die Belegschaft in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist oberstes Gebot. Ein Streik ab April sei nur als "letztes Mittel" vorgesehen.
Die EVG fordert unter anderem eine Gehaltserhöhung von 7,6 Prozent. Schichtarbeitern soll zudem ein zusätzliches Entgelt von 2,6 Prozent zustehen, welches teilweise in freie Tage umwandelbar ist.
Für Mitglieder der EVG sieht der Forderungskatalog eine Bonuszahlung von 500 Euro vor. Ferner soll eine Jobgarantie bis Ende 2027 gewährleistet werden. Die Laufzeit des Tarifvertrags bleibt offen. Die aktuellen Verhandlungen betreffen etwa 192.000 Beschäftigte, die unter die Tarifverträge der EVG fallen.
Noch ist der bestehende Tarifvertrag und die damit verbundene Friedenspflicht bis Ende März gültig. Die Sorge um die zukünftige politische Landschaft und deren Auswirkungen auf die Bahn hat die EVG dazu veranlasst, auf vorgezogene Verhandlungen zu drängen. Die Möglichkeit einer neuen Regierung, angeführt von der Union, die seit Langem eine Zerschlagung der Bahn fordert, verleiht den Gesprächen zusätzliche Dringlichkeit. Die Bahn ihrerseits, mitten im Umstrukturierungsprozess, hat ein hohes Interesse an einem schnellen Verhandlungserfolg. In den nächsten zwei Wochen werden weitere Verhandlungsrunden stattfinden.

