Eine neue Welle des Ladendiebstahls erfasst Deutschland
Der harmlose Ladendieb, wie man ihn sich häufig vorstellt, ist passé. Stattdessen sieht sich der Einzelhandel zunehmend mit gut organisierten Tätern konfrontiert. Gruppen durchkämmen Innenstädte gezielt, um hochwertige Waren wie Parfüms, Schuhe und Elektronik für den Graumarkt zu entwenden, erläutert Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE).
Die jüngsten Erhebungen eines Forschungsinstituts untermauern diese neue Realität: Ein erheblicher Teil der Ladendiebstähle wird durch organisierte Kriminalität ausgeführt, welche die Einzelhandelslandschaft Deutschland zunehmend strapaziert. Experten schätzen, dass ein Drittel des Schadens von fast einer Milliarde Euro pro Jahr auf das Konto dieser Banden geht.
Ein Blick nach Großbritannien lässt ahnen, wie sich die Lage auch in Deutschland entwickeln könnte. Dort spricht man von einer 'Epidemie', die unlängst in einem sprunghaften Anstieg der Fallzahlen gipfelte. Ähnliche Entwicklungen zeichnen sich hierzulande ab, wobei die Verluste durch Diebstähle 2024 bereits 20 Prozent höher lagen als zwei Jahre zuvor.
Auch aggressive Einzeltäter stellen eine ständige Gefahr dar, insbesondere wenn sie den Ladendetektiven entwischen oder gar handgreiflich werden. Die wirtschaftliche Lage bedeutet für so manche Bevölkerungsschicht, dass der Ladendiebstahl zur Überlebensstrategie wird. Auch Senioren und Familien mischen sich nun vermehrt unter die üblichen Verdächtigen.
Beliebte Beute stellen insbesondere Alkoholika, Markenbekleidung und Rasierklingen dar. Der zunehmende Einsatz von Selbstbedienungskassen tut sein Übriges, um die Problematik noch zu verschärfen, obwohl die Branche diesen Zusammenhang nicht geschlossen anerkennt. Ein weiteres Problem ist die mangelhafte Strafverfolgung.
Anzeigen werden oft aus Effizienzgründen eingestellt, was eine hohe Dunkelziffer von nicht gemeldeten Diebstählen zur Folge hat. Genth plädiert für gesetzliche Anpassungen und eine bessere Ausstattung der Justiz, um gefährliche Tendenzen im Keim zu ersticken.
Für den Handel selbst sind präventive Maßnahmen kostspielig: Etwa 1,5 Milliarden Euro flossen 2024 alleine in Sicherheitsmaßnahmen wie Videoüberwachung und Personaltrainings. Ohne rechtzeitiges Handeln drohen dem deutschen Handel amerikanische Verhältnisse, in denen Waren verstärkt hinter Glas gesichert werden müssen.

