Easybell warnt vor Ende von Daten-Flatrates und Netzneutralität
Berlin – Der in der vergangenen Woche von der Bundesnetzagentur vorgelegte Entscheidungsentwurf zum Antrag der Deutschen Telekom (www.telekom.de/dsl) auf exklusiven Einsatz von Vectoring im Hauptverteiler-Nahbereich ist auf breite Kritik gestoßen. Branchenverbände warnten vor einem VDSL-Monopol der Telekom. Auch der Berliner Telekommunikationsanbieter easybell betont, dass künftig pro Kabelverzweiger nur noch ein Anbieter VDSL anbieten kann. Das würde in der Regel die Telekom sein. Easybell verweist aber auf noch weitere Folgen. Auf die Anbieter würden erhebliche Mehrkosten durch das neue Layer-2-Vorleistungsprodukt zukommen, das die Telekom Wettbewerbern als Alternative zum Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung (TAL) anbieten soll.
Kostenerhöhung von circa 50 Prozent
Die Telekom habe der Bundesnetzagentur in der vergangenen Woche eine Preisliste für das Layer-2-Vorleistungsprodukt zur Genehmigung vorgelegt. Gibt die Bonner Regulierungsbehörde dem vorgeschlagenen Preismodell grünes Licht, so bedeute das laut easybell das Ende des Wettbewerbs im VDSL-Bereich. Für die kundennahe Übergabe des Datenverkehrs eines VDSL-50-Anschlusses berechnet die Telekom netto 19,20 Euro pro Monat, für den TAL-Zugang zahlten die Anbieter dagegen bislang nur 10,19 Euro monatliche Miete an die Telekom. Für betroffene Anbieter bedeute das eine erhebliche Kostensteigerung ohne Mehrwert für den Kunden.
"Die neuen Preise bedeuten für uns eine Kostenerhöhung von circa 50 Prozent. Die Telekom macht mit diesem Antrag deutlich, dass es Ihr bei dem VDSL-Vectoring Ausbau im Hauptverteiler-Nahbereich nicht um eine bessere Versorgung der Bürger, sondern um die Verdrängung kleinerer und mittlerer Wettbewerber geht", betont easybell-Geschäftsführer Andreas Bahr.
Nur noch begrenzter Daten-Traffic inklusive
Doch easybell sieht noch weitere Gefahren, die direkt die Kunden betreffen werden. Die jetzt am Markt üblichen Daten-Flatrates stünden vor dem Aus, auch das Ende der Netzneutralität sieht der Berliner Telekommunikationsanbieter voraus. Denn laut der von der Telekom vorgelegten Preisliste sind bei einem VDSL-Anschluss mit 50 Mbit/s nur noch rund 88 GB Daten-Traffic pro Monat inklusive. Ein Anschluss mit VDSL 100 erhalte knapp 143 GB Inklusiv-Traffic. Jedes zusätzliche Gigabyte müssen die Anbieter künftig extra an die Telekom zahlen.
"Unsere VDSL Kunden verbrauchen durchschnittlich circa 150 Gigabyte pro Monat, mit stark steigender Tendenz", erläutert Bahr. "Die Telekom zwingt die Wettbewerber mit diesem Kostenmodell zur Einführung einer Datendrossel. Anschließend ist für die Telekom der Weg frei, das eigene Drosselprojekt wieder anzugehen", so der easybell-Geschäftsführer weiter.
Netzneutralität wird abgeschafft
Auch die Netzneutralität sieht easybell praktisch abgeschafft, da bei der Abrechnung des zusätzlichen Datenverkehrs zwischen Realtime-Diensten und nicht priorisierten Dienste unterschieden werde. Für höher priorisierte Dienste müssten Anbieter einen Aufschlag von 100 Prozent zahlen.
Noch ist die endgültige Entscheidung zum Vectoring-Einsatz der Telekom im Hauptverteiler-Nahbereich nicht gefallen. Noch bis zum 18. Januar 2016 können Anbieter und Verbände schriftliche Stellungnahmen bei der Bundesnetzagentur einreichen. Am 10. Dezember findet zudem eine mündliche Anhörung statt.

