Dooring-Unfälle in Großstädten: Unterschätztes Risiko für Radfahrer
Verkehrssicherheitsexperten weisen darauf hin, dass das Risiko von Unfällen durch plötzlich geöffnete Autotüren, sogenannte Dooring-Unfälle, in dicht bevölkerten Städten wie Berlin besonders hoch ist und oftmals unterschätzt wird. Bundesweit existiert keine einheitliche Statistik zu diesen Vorkommnissen, da nur wenige Bundesländer derartige Vorfälle in den polizeilichen Verkehrsunfallanzeigen gesondert erfassen. Zu den Ausnahmen gehört Berlin, wo die Zahlen dieser Unfälle signifikant höher sind als in ländlichen Gegenden oder weniger überfüllten Städten. Dooring-Unfälle ereignen sich, wenn Autofahrer oder Passagiere eine Autotür unvermittelt öffnen und somit Radfahrer zu Stürzen zwingen. Im vergangenen Oktober rückte ein tragisches Ereignis besonders in den Fokus: Die in Berlin geborene Schauspielerin Wanda Perdelwitz verunglückte in Hamburg bei einem solchen Unfall tödlich.
Allein im Jahr 2024 wurden in Berlin 392 derartige Unfälle registriert, was etwa acht Prozent aller fast 4.950 Radunfälle mit Verletzten und Getöteten entspricht. Verglichen mit 2015, als es 533 solcher Vorfälle gab, zeigt sich ein leichter, aber langsamer Rückgang in der Hauptstadt. Mit der Einführung von Sicherheitsstreifen zwischen parkenden Fahrzeugen und Radwegen, seit 2010 empfohlen, ließe sich das Risiko weiter senken. Diese Pufferzonen von bis zu 75 Zentimetern sind bereits zunehmend auf Berlins Straßen präsent, doch viele bestehende Radwege verfügen noch nicht über diese lebensrettende Maßnahme.
Zusätzlich bieten technische Neuerungen wie Dooring-Warner vielversprechende Unterstützung: Sensoren in Fahrzeugen erkennen herannahende Radfahrer und warnen akustisch oder optisch, bevor Autotüren geöffnet werden. Einige Systeme blockieren die Türen sogar kurzzeitig, um Unfälle zu verhindern. Die Forderung, solche Systeme zur Standardausstattung aller Fahrzeuge zu machen, steht daher schon länger im Raum.

