Filmfestspiele

«Drømmer» gewinnt Goldenen Bären der Berlinale

22. Februar 2025, 22:04 Uhr · Quelle: dpa
Neben dem Norweger Dag Johan Haugerud für «Drømmer» bekommen die Schauspielstars Rose Byrne und Andrew Scott Auszeichnungen. Und Regisseur Radu Jude - der Beifall für eine politische Rede erhält.

Berlin (dpa) - Der Spielfilm «Drømmer» (deutscher Titel: «Oslo Stories: Träume») des norwegischen Regisseurs Dag Johan Haugerud hat den Goldenen Bären der Berlinale gewonnen. Das gaben die Filmfestspiele in Berlin bekannt. Die Coming-of-Age-Geschichte erzählt von einer jungen Frau, die sich in ihre Lehrerin verliebt.

Die Gefühle der 17-jährigen Johanne (Ella Øverbye) werden nicht erwidert. Angeregt von ihrer Mutter und Großmutter verarbeitet sie ihre Fantasien und ihren Liebeskummer zu einem Roman. «Drømmer» (internationaler Titel: «Dreams») ist der dritte Teil einer Trilogie von Haugerud, in der es um Liebe und Sexualität geht.

Radu Jude macht Anspielung auf Wahlen - und Leni Riefenstahl

Der Rumäne Radu Jude, der 2021 den Goldenen Bären gewonnen hatte, bekam einen Silbernen Bären für das Drehbuch zu «Kontinental '25». 

Jude wurde in seiner Dankesrede politisch. Er hoffe, dass der Internationale Gerichtshof in Den Haag «seine Arbeit machen wird gegen all diese mordenden Bastarde», sagte er. Er führte nicht aus, worauf er sich genau bezieht. Aus dem Publikum gab es zu seiner Aussage viel Beifall und Jubel.

«Und weil morgen auch noch die Wahlen hier in Deutschland sind, hoffe ich einfach mal, dass das nächste Festival nächstes Jahr nicht mit dem "Triumph des Willens" von Leni Riefenstahl eröffnet wird.» Dabei handelt es sich um einen 1935 uraufgeführten NS-Propagandafilm.

Film über Hamas-Geisel wird bester Dokumentarfilm

Bester Dokumentarfilm wurde «Holding Liat» von Brandon Kramer, der von der ehemaligen Hamas-Geisel Liat Beinin Atzili und ihrer Familie erzählt. Kramer sagte auf der Bühne, das Team habe ein «seltenes Fenster» in die Seele einer Familie bekommen, die mit ihren Konflikten zu kämpfen hatte. Die Familie habe an ihren Geliebten festhalten wollen und gleichzeitig nach einer friedlichen Zukunft für Israelis und Palästinenser gesucht. 

Viele hätten davon abgeraten, eine solche Geschichte zu erzählen, weil sie nicht in eine einfache Kategorie passe, führte der Regisseur aus. Doch genau dies sei der Grund, warum sie erzählt werden müsse.

«Die Nuancen einer Familie zu erzählen, die die unterschiedlichen Positionen verhandeln muss - ihre Trauer und ihre Empathie für andere -, fühlte sich universell an und dringlicher denn je», sagte Kramer. 

2024 wurde «No Other Land» eines palästinensisch-israelischen Teams zum besten Dokumentarfilm gekürt. Er dreht sich um die Vertreibung von Palästinenserinnen und Palästinensern in den Dörfern von Masafer Jatta südlich von Hebron im Westjordanland.

Die Rede der Preisträger löste vergangenes Jahr einen Eklat aus. Der israelische Filmemacher Yuval Abraham, der zusammen mit dem Palästinenser Basel Adra für «No Other Land» ausgezeichnet wurde, sprach auf der Bühne von einer «Situation der Apartheid», im Saal gab es Applaus.

Den Filmemachern wurde nachträglich eine einseitige Positionierung im Nahost-Konflikt und teils auch Antisemitismus vorgeworfen, weil sie das terroristische Massaker der islamistischen Hamas an Israelis vom 7. Oktober 2023 unerwähnt ließen.

Rede über «Bombenabwürfe» auf Kinder

Politisch wurde es auch bei Meryam Joobeur, Jury-Mitglied der neuen Sektion Perspectives. Dort gewann «The Devil Smokes (and Saves the Burnt Matches in the Same Box)» von Regisseur Ernesto Martínez Bucio. In dem Film geht es um Kindheit.

Meryam Joobeur sagte: «In jüngster Zeit und in der Gegenwart haben wir miterlebt, wie Männer und Frauen durch die Linse eines Scharfschützengewehrs blickten, auf den Kopf und das Herz eines Kindes zielten und abdrückten. Wir haben die Vernichtung Tausender Kinder gesehen, die von politischen und journalistischen Kräften als reine Kollateralschäden abgetan wurden.»

Joobeur blieb allgemein in ihrer Aussage, erwähnte keinen konkreten Konflikt oder Krieg wie etwa in Gaza, sagte aber: «Wir haben gesehen, wie lächelnde gewählte Amtsträger für Bombenabwürfe auf Schulen und Krankenhäuser unterschrieben haben, als ob sie Geburtstagskarten oder Dankesbriefe unterzeichnet hätten.»

«Sherlock»-Star Andrew Scott und Rose Byrne ausgezeichnet

Den Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle nahm die Australierin Rose Byrne für «If I Had Legs I'd Kick You» entgegen. Der Ire Andrew Scott («Sherlock») wurde für seine Nebenrolle im Kammerspiel «Blue Moon» geehrt. Er bedankte sich per Videobotschaft.

Der Große Preis der Jury ging an den poetischen Spielfilm «O último azul» («The Blue Trail») des brasilianischen Regisseurs Gabriel Mascaro. Den Preis der Jury erhielt die elegische Familiensaga «El mensaje» («The Message») des argentinischen Regisseurs Iván Fund. Die Auszeichnung für die beste Regie bekam der chinesische Filmemacher Huo Meng für sein Gesellschaftspanorama «Sheng xi zhi di» («Living the Land»). 

Für eine herausragende künstlerische Leistung wurde das kreative Ensemble von «La Tour de Glace» («The Ice Tower») geehrt. Im vorigen Jahr hatte die Raubkunst-Doku «Dahomey» von Mati Diop den Goldenen Bären gewonnen.

Film / Leute / Auszeichnungen / Berlinale / Berlin / Deutschland / Norwegen
22.02.2025 · 22:04 Uhr
[0 Kommentare]
Rulantica
Freiburg/Rust (dpa) - Nach dem mutmaßlichen Verschwinden und dem sexuellen Missbrauch eines Mädchens aus dem südbadischen Erlebnisbad Rulantica erheben die Eltern Vorwürfe gegen den Europa-Park. Wiederholt hätten sich die Eltern nach dem Verschwinden ihrer jungen Tochter an jenem Augustabend an das Personal des Bades gewandt und um Hilfe gebeten, sagte […] (00)
vor 11 Minuten
Steven Spielberg
(BANG) - Steven Spielberg ist überzeugt, dass "es Leben außerhalb dieses Planeten gibt". Der 79-jährige Regisseur hat einen neuen UFO-Film namens 'Disclosure Day' gedreht und sich offen zu seiner langjährigen Faszination für die Möglichkeit außerirdischen Lebens bekannt. In einem von Universal Pictures veröffentlichten Video mit Hinter-den-Kulissen- […] (00)
vor 1 Stunde
Prozess gegen Marius Borg Hoiby
Oslo (dpa) - Zum Start der zweiten Woche im Vergewaltigungs-Prozess gegen den ältesten Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit hat Marius Borg Høiby neue Vorwürfe bestritten. Kurz vor Prozessauftakt Anfang Februar war der 29 Jahre alte Norweger erneut festgenommen worden und sitzt deshalb nun für vier Wochen in Untersuchungshaft. Er soll mit einem […] (00)
vor 24 Minuten
Remedy Entertainment holt Jean-Charles Gaudechon als neuen CEO
Nach einem ernüchternden 2025, das vom schwachen Abschneiden von  FBC: Firebreak  und dem Abgang von CEO Tero Virtala geprägt war, hat  Remedy Entertainment  nun Jean-Charles Gaudechon zum neuen Geschäftsführer ernannt. Der Branchenveteran mit EA- und CCP Games-Vergangenheit übernimmt ab 1. März von Interims-CEO Markus Mäki das Ruder. Mit dem  Max Payne […] (00)
vor 21 Minuten
Primetime-Check: Montag, 9. Februar 2026
Wie viele Menschen trieben die Nachwehen um den Ofarim-Sieg um? Und: Waren sie sogar größer als Olympia- und Krimi-Resonanzen? Weil Philipp Raimund pünktlich zur Primetime überraschend Gold im Skispringen gewann, kamen die Olympischen Winterspiele im Ersten auf Rang eins ins Ziel. Dies taten sie ob 6,02 Millionen und ganz starken 23,2 Prozent insgesamt. Meilenweit überdurchschnittlich sah es […] (00)
vor 1 Stunde
Olympische Winterspiele 2026
Predazzo (dpa) - Zur Gold-Party nach dem Olympia-Sieg von Philipp Raimund hatte Bundestrainer Stefan Horngacher klare Vorstellungen. «Die Trainer zwei, die Athleten eins», sagte der Skisprung-Coach mit einem Augenzwinkern auf die Frage, wie viele Biere denn erlaubt seien. Sein Springer Pius Paschke hatte es geahnt. «Ich tippe, dass der ein oder andere […] (00)
vor 17 Minuten
Die Wertpapiere des Tourismusriesen Tui zeigten am Dienstagmorgen auf der Handelsplattform Tradegate zunächst eine gewisse Unsicherheit in ihrer Richtung, als sie um 3 Prozent unter ihrem Xetra-Schlusskurs nachgaben. Diese Verluste konnten jedoch schnell wieder wettgemacht werden, als die Aktien gegen Ende des Morgens wieder leicht ins Plus drehten. […] (00)
vor 2 Minuten
Callstel Akku-Gegenstandsfinder SGF-60 für App "Wo ist?" von Apple, USB-C-Ladefunktion
Buggingen, 10.02.2026 (lifePR) - Der Akku-Gegenstandsfinder SGF-60 von Callstel ist ideal zum Auffinden von Schlüsseln, Hand- und Reisetaschen sowie anderen Gegenständen wie Fahrrädern, E-Scootern und vielem mehr. Der Tracker ist MFi-zertifiziert und kompatibel mit Apples „Wo ist?”-App, wodurch eine weltweite Ortung über das Netzwerk von Millionen iOS- […] (00)
vor 1 Stunde
 
Heidelbeeren (Archiv)
Wiesbaden - Im Jahr 2025 wurden in Deutschland auf einer Anbaufläche von rund 9.000 […] (00)
Weißes Haus löscht umstrittenes Obama-Video
Veröffentlichung über Truth Social Der rund einminütige Beitrag war zunächst über […] (06)
US-Präsident Trump
Berlin (dpa) - Der Blick der deutschen Bevölkerung auf die USA hat sich seit 2024 […] (00)
Der Epstein-Sumpf erreicht das Kabinett: Rücktrittsforderung gegen Trumps Handelsminister
Was als ferner Skandal aus der New Yorker High Society begann, hat sich zu einem […] (01)
Arnold Schwarzenegger und Lindsey Vonn
Cortina d'Ampezzo (dpa) - Terminator an Speed-Queen: Nach dem schweren Abfahrtssturz […] (00)
Super Mario Galaxy Film: Neuer Trailer zeigt Yoshi in Action
Nintendo hat einen neuen Trailer zum Super Mario Galaxy Film veröffentlicht – und […] (00)
«planet e.» nimmt Delfine, Wale und Haie ins Visier
Die ZDF-Umweltdokumentation beleuchtet am 15. März die globalen Konflikte rund um Meeresschutz […] (00)
Ein Laptop mit Windows 11 und Microsoft Copilot
Berlin (dpa/tmn) - Der Microsoft-Chatbot Copilot taucht an immer mehr Stellen in […] (00)
 
 
Suchbegriff