Dramatischer Kurssturz bei UnitedHealth Group nach Mord an CEO Brian Thompson
Die Aktien der Konzernmutter von UnitedHealthcare, deren CEO Brian Thompson getötet wurde, befinden sich auf scharfer Talfahrt. Der Vorfall verstärkte die kritische Betrachtung der Branche und führte zu breiter Entrüstung über das US-amerikanische Gesundheitssystem.
Am Freitag verzeichnete die UnitedHealth Group einen Kursabfall von 5 Prozent, womit die Wochenverluste mittlerweile bei 10 Prozent liegen. Diese Entwicklung schmälert die Marktkapitalisierung des Konzerns um rund 56 Milliarden US-Dollar. Der negative Trend setzte sich auch im nachbörslichen Handel fort, nachdem am Sonntag ein Video von UnitedHealth-CEO Andrew Witty, Thompsons Vorgesetztem, durchsickerte.
Darin bezeichnete er die Kritiker der Branche auf sozialen Medien als "bösartig" und "realitätsfern". In einer Mitarbeiteransprache, die nach Thompsons Ermordung vor einem New Yorker Hotel am Mittwoch aufgezeichnet wurde, betonte Witty: "Wir schützen uns vor dem Druck unsicherer oder unnötiger Pflege." Das von dem unabhängigen Journalisten Ken Klippenstein veröffentlichte Video sorgte nach Börsenschluss am Freitag für Empörung im Netz.
Ein Nutzer der Plattform X kommentierte: "Das ist wohl eine Fehlinterpretation der Lage." Die Kursverluste von UnitedHealth Group reihten sich in einen insgesamt rückläufigen Trend bei Krankenversicherungsaktien ein. So verlor auch der Wettbewerber Elevance Health, Muttergesellschaft von Anthem Blue Cross Blue Shield, bis zum Ende der Woche sechs Prozent.
Anthem Blue Cross hatte innerhalb von nur 24 Stunden, beginnend am Mittwoch, eine geplante Einschränkung der Kostenerstattung für Anästhesien bei Operationen in drei Bundesstaaten angekündigt und wieder zurückgezogen. Der Vorstoß kam am gleichen Tag, als Thompson erschossen wurde, und zog unmittelbar scharfe Kritik an den Praktiken gewinnorientierter Krankenversicherungen nach sich.
Zwar wurde noch kein Tatverdächtiger oder Motiv für den Mord öffentlich gemacht, doch die Behörden gehen von einem gezielten Angriff aus. Thompson war auf dem Weg, vor Investoren seines Unternehmens zu sprechen, als er niedergeschossen wurde.
Seit dem Mord an Thompson brodelt es in den sozialen Medien vor zynischem Humor, ernüchterten Geständnissen und aufrichtiger Kritik von Bürgern und Insidern der Branche. Auf humorvolle Weise wird der unbekannte Täter von einigen bereits als eine Art Volksheld oder gar als charmanter Schurke gesehen, ein Sinnbild für das Misstrauen gegenüber profitorientierten Versicherungsunternehmen.
Zugleich teilen Menschen erschütternde persönliche Erlebnisse, wie sie wegen verweigerter oder unzureichender Versicherungsleistungen in Schulden gerieten oder ihre Angehörigen finanziell absanken, während sie Gesundheitskrisen durchlebten.

