Dramatische Situation im Gazastreifen: Der drohende Hunger steht bevor
Im Gazastreifen spitzt sich die humanitäre Lage gefährlich zu, warnen Experten. Seit März wurden nur sporadische Hilfslieferungen in das abgelegene Küstengebiet durchgelassen, wodurch sich die Lebensbedingungen erheblich verschlechtert haben.
Die als IPC-Initiative bekannte International Integrated Food Security Phase Classification setzt präzise Maßstäbe, um Ernährungskrisen weltweit einzuordnen, und die Hoffnung liegt auf einer baldigen offiziellen Anerkennung der Situation als Hungersnot. Die Kriterien für das Ausrufen einer Hungersnot bestehen aus drei Faktoren: Ein extremer Mangel an Lebensmitteln, von dem mindestens 20 Prozent der Haushalte betroffen sind, eine akute Mangelernährung bei 30 Prozent der Kinder, und eine Sterblichkeitsrate von mindestens zwei Erwachsenen oder vier Kindern pro 10.000 Menschen, die täglich an den Folgen von Unterernährung oder einer Kombination aus Hunger und Krankheit sterben.
Derzeit sind internationale Bemühungen zur Datenerhebung im Gazastreifen eingeschränkt, was die Analyse der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation erschwert. Die Verantwortung, eine Hungersnot offiziell zu erklären, liegt bei den jeweiligen Regierungen oder bevollmächtigten Institutionen wie den Vereinten Nationen.
Ein Famine Review Committee, bestehend aus unabhängigen Experten, prüft die Daten und gibt Empfehlungen ab. Solche Ausrufungen könnten als politische Anklage gegen beteiligte Parteien verstanden werden und führen häufig zu internationalem Handlungsdruck. Hungersnöte wurden zuletzt in Somalia, dem Südsudan und dem Sudan ausgerufen. In Somalia führte die Herrschaft durch die Miliz Al-Shabab zum Verhungern von über 250.000 Menschen im Jahr 2011. Im Südsudan und Sudan waren es kriegerische Auseinandersetzungen und soziale Instabilitäten, die die Notsituation verschärften.
Obwohl der Gazastreifen derzeit auf Stufe vier ('Notfall') der IPC-Skala steht, könnte sich die Lage bald verschlechtern, warnen IPC-Experten. Aktuell müssen 39 Prozent der Einwohner des Gazastreifens oft tageweise ohne Mahlzeiten auskommen, und fast ein Viertel der Bevölkerung lebt bereits unter 'hungersnot-ähnlichen' Bedingungen. Ohne rasche Maßnahmen ist eine Katastrophe kaum abzuwenden, so das Famine Review Committee.
Obwohl einige israelische Politiker und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Existenz einer Hungersnot im Gazastreifen abstreiten, hat Israel angesichts der internationalen Kritik begonnen, die Zuführung von Hilfsgütern wieder zuzulassen. Sollte die Situation eskalieren, könnte die offizielle Ausrufung einer Hungersnot mehr Unterstützungsmittel freisetzen und die internationale Gemeinschaft zum Handeln zwingen.

