Dönerkrise im Ländle: Tarifkonflikte bei Birtat könnten Imbisskundschaft teuer zu stehen kommen
Die Dönerproduktion in Deutschland gerät unter Druck: Birtat, der führende Dönerspieß-Hersteller in Baden-Württemberg, steht im Zentrum eines handfesten Tarifkonflikts. In der ansonsten beschaulichen Gegend um Ludwigsburg haben sich die Mitarbeiter des Unternehmens in Murr entschlossen, mit Trommeln, Pfeifen und gelben Warnwesten auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) berichtet von anhaltenden Streitereien mit der Unternehmensführung, die bislang stur auf ihrer Position beharrt.
Für die etwa 115 Arbeiter bei Birtat ist die tägliche Produktion der schweren Dönerspieße eine anspruchsvolle und fordernde Tätigkeit. Die Fließbandarbeit erfolgt oft unter hohen Zeitdruck und teils eisigen Bedingungen. Dabei sind die immensen Fleischmassen nicht die einzige Herausforderung; die Bezahlung erfolgt nach Angaben der NGG oft ohne klare Struktur und scheint von persönlichen Beziehungen abhängig zu sein. Manche Angestellte berichten davon, mit willkürlichen Lohnerhöhungen konfrontiert zu sein.
Der Wunsch nach besseren Arbeitsbedingungen und mehr Transparenz ist seit anderthalb Jahren ein Anliegen der Belegschaft, die inzwischen gewerkschaftlich organisiert ist. Die NGG fordert eine Erhöhung des Gehalts um 375 Euro zur Entlastung der Mitarbeiter und strebt ein transparentes Entgeltsystem an. Doch die Chefetage bleibt derzeit unnachgiebig. Der Kontakt wurde nach dem Scheitern der letzten Verhandlungen im Juli nahezu eingestellt.
Die Konsequenzen für die Döner-Versorgung könnten erheblich sein. Birtat versorgt zahllose Imbissstände und Restaurants, und länger andauernde Streiks könnten zu Versorgungsengpässen führen. Auch wenn es zu einem Tarifabschluss kommt, könnte dies den Preis des beliebten Fastfoods in die Höhe treiben – die magische 10-Euro-Schwelle ist kein unrealistisches Szenario mehr.
Nicht nur die Beschäftigten selbst, auch die NGG bleibt kämpferisch. Im Sinne eines möglichen Präzedenzfalls für die gesamte Branche hat die Gewerkschaft einen langen Atem angekündigt. Angesichts von rund 400 Dönerproduzenten in Deutschland könnte der erfolgreiche Abschluss eines Haustarifvertrags bei Birtat Signalwirkung haben – in alle Richtungen.

