Divinity: Larian-Chef Swen Vincke verteidigt die interne Evaluierung von KI-Tools als notwendige Verantwortung
Die Debatte um künstliche Intelligenz in der Kreativbranche ist ein Minenfeld, in das selbst die beliebtesten Studiobosse treten können. Swen Vincke, der Kopf hinter Larian Studios und dem kommenden Divinity-Projekt, musste dies kürzlich am eigenen Leib erfahren. Nachdem seine ersten Kommentare zur Nutzung generativer KI-Tools für Aufruhr und teils heftige Kritik gesorgt hatten, sah sich der Studiogründer nun gezwungen, die Wogen zu glätten. Auf der Plattform X (ehemals Twitter) holte er zum Rundumschlag gegen Missverständnisse aus und stellte klar: Vieles sei in der Übersetzung verloren gegangen, doch die Grundhaltung bleibt fest. Man dürfe die Augen vor dem Fortschritt nicht verschließen, auch wenn das Thema emotional extrem aufgeladen ist.
Verantwortung trifft auf technologischen Fortschritt
Vinckes Argumentation ist so pragmatisch wie provokant. Er postuliert, dass es für ein Studio von Larians Kaliber schlichtweg „verantwortungslos“ wäre, neue Technologien nicht zumindest zu evaluieren. Wer an der Spitze bleiben will, muss wissen, was die Werkzeuge der Zukunft können. Doch er zieht eine klare rote Linie: Die Technologie soll dem Menschen dienen, nicht ihn ersetzen. „Unsere DNA ist Selbstbestimmung“, schreibt Vincke. Das Ziel sei stets, den Arbeitsalltag der Teams zu verbessern und die Qualität der Rollenspiele zu steigern. Sollten Prozesse ineffizient sein oder nicht zur Identität des Studios passen, würden sie gnadenlos angepasst oder verworfen. Es geht also nicht um blinde Adaption, sondern um kritisches Prüfen.
Fakten gegen die Angst: Keine Entlassungen, mehr Künstler
Um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, ließ Vincke nackte Zahlen sprechen – und die zeichnen ein ganz anderes Bild als das düstere Szenario von wegautomatisierten Arbeitsplätzen. Larian plant weder, Spiele mit KI-generierten Assets zu veröffentlichen, noch Teams zu verkleinern. Ganz im Gegenteil: Das Studio befindet sich im Expansionsmodus. Man beschäftigt derzeit 23 Concept Artists und schreibt aktiv weitere Stellen aus. Auch „Writer Rooms“ werden aufgebaut, Schauspieler gecastet und Übersetzer eingestellt. Die Botschaft ist eindeutig: KI dient als Werkzeug für die Ideenfindung (Ideation), aber das Handwerk bleibt menschlich. Vincke betont, dass interne Diskussionen ständig geführt werden, immer unter der Prämisse, die Arbeit angenehmer zu machen, nicht den Menschen obsolet.
Transparenz-Offensive im neuen Jahr
Weil Tweets oft Raum für Fehlinterpretationen lassen, kündigte Vincke eine Großoffensive in Sachen Transparenz an. Nach der Weihnachtspause, also vermutlich im Januar, wird Larian ein umfassendes AMA (Ask Me Anything) veranstalten. Hierbei sollen Vertreter verschiedener Abteilungen Rede und Antwort stehen. Fans erhalten die Möglichkeit, tief in die Entwicklungsprozesse von Divinity einzutauchen und direkt zu erfragen, wo und wie Technologie tatsächlich eingesetzt wird. Es ist ein kluger Schachzug, um das Vertrauen der Community durch Offenheit zurückzugewinnen und dem „Lost in Translation“-Effekt entgegenzuwirken.


