Diversifizierung abseits der Wall Street: Globales Interesse an europäischen Aktienmärkte nimmt zu
Europäische Aktienmärkte gewinnen zunehmend an Attraktivität für internationale Investoren. Die Gründe dafür liegen in stabilen Renditen und attraktiveren Bewertungen, die eine überzeugende Argumentation für eine Diversifikation fernab von Wall Street bieten. So haben renommierte Investmentgesellschaften wie Amundi, der größte Vermögensverwalter Europas, und M&G Investments begonnen, ihre Portfolios stärker auf Europa auszurichten. Seit Ende 2024 investiert Amundi vermehrt in europäische, japanische und aufstrebende Märkte, während M&G, das rund 395 Milliarden Dollar verwaltet, europäische Aktien als „übergewichtet“ betrachtet und US-amerikanische als „untergewichtet“ einstuft.
Dieses neue Interesse an europäischen Märkten wird von fiskalpolitischen Maßnahmen unterstützt, beispielsweise durch Deutschlands 500-Milliarden-Euro-Infrastrukturfonds und der Zusage der Eurozone, die Verteidigungsausgaben auf 3,5 % des BIP zu erhöhen. John O’Toole von Amundi beschreibt diese Maßnahmen als „spielverändernd“, insbesondere da auch die Zentralbanken die reale Wirtschaft weiterhin stützen.
Der STOXX 600, der europäische Leitindex, ist in diesem Jahr um 9,2 % gestiegen, angeführt von einem beeindruckenden Anstieg um 62 % im Luft- und Raumfahrtsektor. Zum Vergleich, der S&P 500 in den USA konnte um 13,3 % zulegen, getrieben von KI-bezogenen Investitionen. Trotz dieser Entwicklungen bleiben die Bewertungen in Europa günstiger. Der STOXX 600 wird mit dem 15,6-fachen der zukünftigen Erträge bewertet, während der S&P 500 bei 25,3 steht, wie Daten von LSEG zeigen.
Die langjährige Bewertungslücke zwischen den US-amerikanischen und europäischen Märkten wird durch unterschiedliche Sektoren, Finanzierungskosten, Rechnungslegungsregeln, Anreize und Regulierungen geprägt. Diese Lücke bietet nunmehr eine attraktive Möglichkeit zur Diversifikation. Stephen Parker von JPMorgan Private Bank betont, dass der europäische Markt zu einem signifikanten Rabatt im Vergleich zu den USA gehandelt wird und zudem eine höhere Dividendenrendite bietet.
Fabiana Fedeli von M&G Investments sieht in der Bewertungslücke „fehlbewertete Chancen“ in Sektoren, die von globalen Investoren oft übersehen werden, so etwa Energieinfrastruktur und diversifizierte Finanzdienstleister. Obwohl der Verteidigungssektor eine Rolle spielt, betont sie, dass viele europäische Unternehmen auch in anderen Bereichen stark performen.
Nichtsdestotrotz bestehen Risiken für die europäischen Märkte, darunter US-Zölle auf Produkte wie Autos und Stahl, Währungsschwankungen sowie Herausforderungen durch wirtschaftliche Abschwächungen und unklare fiskalpolitische Maßnahmen.

