Die Welt verabschiedet sich von Nelson Mandela

10. Dezember 2013, 18:55 Uhr · Quelle: dpa

Johannesburg (dpa) - Auch nach seinem Tod steht Nelson Mandela für die Hoffnung auf eine gerechtere Welt. US-Präsident Obama sieht ihn in einer Reihe mit Mahatma Gandhi und Martin Luther King. Und am Rande der Trauerfeier für den Nobelpreisträger kommt es zu einer historischen Begegnung.

Staats- und Regierungschefs aus aller Welt haben den südafrikanischen Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela als Freiheitshelden und historische Persönlichkeit gewürdigt. Bei einer bewegenden Trauerfeier in Johannesburg pries US-Präsident Barack Obama den im Alter von 95 Jahren gestorbenen Mandela am Dienstag als einen «Giganten der Geschichte». Auch Familienangehörige und Zehntausende Südafrikaner feierten den Kämpfer gegen die Rassentrennung. Pfiffe und Buhrufe gab es für den amtierenden südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma.

In einer sehr persönlichen Trauerrede sagte Obama, Mandela sei der letzte große Freiheitskämpfer des 20. Jahrhunderts gewesen. Er habe die Südafrikaner miteinander versöhnt und Millionen Menschen in aller Welt inspiriert. Die politische Leistung Mandelas müsse mit dem Lebenswerk des indischen Pazifisten Mahatma Gandhi, des großen US-Präsidenten Abraham Lincoln und des Bürgerrechtlers Martin Luther King verglichen werden. Mandela war 27 Jahre eingesperrt, davon die meiste Zeit auf der Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt, weil er gegen das herrschende Apartheid-Regime kämpfte. 1994 wurde er zum ersten schwarzen Präsidenten seines Landes gewählt.

Für Deutschland nahm Bundespräsident Joachim Gauck an der Trauerfeier teil. Er nannte Mandela eine «Jahrhundertgestalt». Obama, der von seiner Frau Michelle begleitet wurde, war wegen der scharfen Sicherheitsbestimmungen fast zwei Stunden zu spät im Stadion erschienen. Auf der Gedenkveranstaltung kam es zu einer historischen Begegnung mit dem kubanischen Präsidenten Raúl Castro. Obama und Castro schüttelten sich die Hand. Die Beziehungen zwischen den USA und dem sozialistischen Kuba sind seit Jahrzehnten extrem gespannt. Dagegen unterhielten Mandela und der frühere kubanische Staatschef Fidel Castro ein freundschaftliches Verhältnis.

Raúl Castro sagte, Mandela sei dem «revolutionären Kampf für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung» verpflichtet gewesen. «Mandela ist ein Vorbild für alle, die Freiheit, Gerechtigkeit und Weltfrieden anstreben», meinte Brasiliens Präsidentin Dilma Roussef. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte Mandela ein «Leuchtfeuer der Hoffnung und der Menschenrechte».

Strömender Regen und einige Misstöne begleiteten die Zeremonie, wegen des schlechten Wetters blieben viele Sitze im über 90 000 Menschen fassenden Stadion leer. Zeitweise brach Unruhe auf den Rängen aus. Der indische Präsident Pranab Mukherjee musste seine Rede unterbrechen, weil die Zuschauer lärmten und sangen. Die Rede des südafrikanischen Präsidenten Zuma wurde massiv gestört. «Die Menschen sind seiner müde», sagte ein Teilnehmer, der Lehrer Nhlanhla Mbatha (42), zur Erklärung. Viele Zuschauer warteten die lange Ansprache Zumas gar nicht erst ab.

Neben fast 100 Staats- und Regierungschefs waren auch Prominente aus dem Showbusiness wie Popsänger Bono und Model Naomi Campbell nach Johannesburg gekommen. Gleich drei ehemalige US-Präsidenten nahmen auf der Ehrentribüne Platz: George W. Bush, Jimmy Carter und Bill Clinton. Entgegen ersten Ankündigungen waren auch Präsident Schimon Peres und Premier Benjamin Netanjahu aus Israel nach Südafrika gereist. Nach Angaben der südafrikanischen Regierung war es die größte Zahl von Staatsoberhäuptern, die je in der Geschichte zusammengekommen ist.

Schon in den frühen Morgenstunden waren viele Südafrikaner unter grauem Himmel in das von Polizei großflächig abgesicherte Stadion im Johannesburger Stadtteil Soweto gekommen. Manche hatten die ganze Nacht vor dem Stadion verbracht, um dabei zu sein. Am Morgen strömten die Menschen singend und tanzend ins Stadion, trugen südafrikanische Fahnen und Bilder Mandelas. «Ich musste heute kommen, um den Mann zu ehren, der gekämpft hatte, damit unser Land frei ist», sagte Thuto Motsepe. Immer wieder sangen die Menschen «Tata Madiba» (Vater Madiba), wie sein Volk Mandela nannte.

Von Mittwochmorgen an soll Mandelas Leichnam drei Tage lang in einem Amphitheater in der Hauptstadt Pretoria aufgebahrt werden. Beigesetzt wird der Nationalheld am Sonntag in Qunu am Ostkap, wo er aufgewachsen war. Hier werden etwa 9000 Trauergäste erwartet.

Der erste schwarze Präsident Südafrikas war am Donnerstag nach langer Krankheit gestorben. «Er blieb ein einfacher Mann des Volkes», sagte General Thanduxolo Mandela für die Familie. Er bezeichnete Mandela als einen «Lehrer» für seine Landsleute. «Tun wir alles, dass Madibas Traum nicht stirbt.»

Die Trauerfeier fand auf den Tag genau 20 Jahre nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an Mandela und den damaligen weißen Präsidenten Frederik de Klerk statt - und am Internationalen Tag der Menschenrechte.

Politik / Mandela / Südafrika
10.12.2013 · 18:55 Uhr
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