Investmentweek

Die USA haben im Sudan plötzlich einen Hebel – und setzen ihn ein

10. November 2025, 07:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Der Sudan-Krieg zieht nun globale Aufmerksamkeit auf sich. Die USA nutzen Beziehungen, um den Konflikt zu deeskalieren und Bewegung zu erzeugen.

Der Krieg, den niemand stoppen konnte

Bis vor wenigen Wochen war der Bürgerkrieg im Sudan ein Konflikt ohne globale Aufmerksamkeit. 150.000 Tote, Millionen Vertriebene, eine auseinanderbrechende Volkswirtschaft – und doch kein politischer Druck von außen. Das änderte sich erst, als Aufnahmen aus Darfur um die Welt gingen: Menschen, die in freiem Gelände exekutiert werden. Über 1000 Tote in einer Stadt – an nur einem Tag.

Es war der Moment, in dem Washington begriff: Wenn die USA nichts tun, tut niemand etwas.

Der Mann, der plötzlich Sudan verhandelt

Massad Boulos ist kein typischer Krisendiplomat. Er ist Geschäftsmann. Libanesisch-amerikanisch. Und Schwiegervater von Tiffany Trump. Dass er genau deshalb Zugang zu Donald Trump hat, ist kein Geheimnis – und unter dem aktuellen Machtgefüge im Weißen Haus kein Nachteil.

Seit Anfang des Jahres fungiert Boulos als Sonderberater für Afrika. Seine erste Mission: den Krieg im Sudan zu deeskalieren. Ein Konflikt, der seit Monaten feststeckt, weil jede Seite von außen gestützt wird.

Ohne Golfstaaten passiert nichts

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis der US-Regierung lautet: Dieser Krieg wird nicht im Sudan entschieden, sondern in den Golfstaaten.

Die Vereinigten Arabischen Emirate unterstützen die Miliz RSF – jene Gruppe, die im Westen des Landes große Gebiete kontrolliert. Ägypten hilft der Gegenseite – der sudanesischen Armee.

Wer Frieden will, muss zuerst mit Abu Dhabi und Kairo sprechen. Unter Bidens Amtszeit war das kein Prioritätsthema. Boulos hingegen reist seit Wochen zwischen Washington, Abu Dhabi und Kairo – nicht für Fototermine, sondern für Deals.

Washington bildet eine neue Allianz

Gemeinsam mit US-Außenminister Marco Rubio initiiert Boulos ein ungewöhnliches Format: die sogenannte Quad – USA, Vereinigte Arabische Emirate, Saudi-Arabien, Ägypten. Genau jene Staaten, die Waffen, Geld oder politischen Einfluss auf die Kriegsparteien haben.

Der Fahrplan der Quad sieht vor:

  1. Eine dreimonatige Feuerpause mit sofortiger humanitärer Hilfe.
  2. Verhandlungen über einen dauerhaften Waffenstillstand.
  3. Den Übergang zu einer zivilen Regierung.

Es ist der erste ernsthafte Versuch seitzwei Jahren, nicht nur zu verhandeln, sondern Druck auszuüben.

Der Fall von al-Faschir verändert alles

Dann passiert das Unvorstellbare: Die RSF erobert al-Faschir, die letzte große Stadt der Armee im Westen. Gebiete, größer als Deutschland, stehen nun unter Kontrolle der Miliz. Mit ihnen: die Rohstoffe Darfurs – Gold, Mineralien, Schmuggelrouten.

Kurz darauf stimmt die RSF einem humanitären Waffenstillstand zu. In der Erklärung erwähnt sie ausdrücklich die Quad-Länder und bedankt sich bei den USA.

Die Gegenseite, die sudanesische Armee, verweigert bisher die Zustimmung. Ihr Oberbefehlshaber kündigt stattdessen Vergeltung an. Das klingt nicht nach Frieden – und doch bewegt sich zum ersten Mal etwas.

Amerikas Risiko

Die USA halten jetzt den größten Hebel in der Hand: Beziehungen. In den Emiraten stehen amerikanische Truppen. Beide Seiten beziehen US-Waffen in Milliardenhöhe. Und noch etwas: Die Emirate wollen Zugang zu den Rohstoffen Darfurs – ein Interesse, das Washington nutzen kann.

Auf der anderen Seite drängt der Iran in den Sudan, liefert Drohnen und verhandelt über eine Marinebasis am Roten Meer. Ein Szenario, das in Washington als rote Linie gilt.

Wenn sich die USA jetzt zurückhalten, füllen andere die Lücke.

Was jetzt realistisch ist

Ein umfassender Frieden ist weit entfernt. Aber ein humanitärer Korridor – ein sicherer Zugang für Hilfsorganisationen – ist plötzlich möglich. Für Millionen Menschen wäre das der erste Zugang zu Nahrung und Medikamenten seit Monaten.

Mehr erwartet aktuell niemand. Aber es wäre ein Anfang.

Fazit

Der Sudan ist kein vergessener Konflikt mehr. Und die USA sind zurück – nicht mit Moral, sondern mit Machtpolitik.

Erstmals seit zwei Jahren gibt es Bewegung, weil Washington verstanden hat: Frieden im Sudan entsteht nicht auf Konferenzen, sondern in den Hinterzimmern der Golfstaaten.

Es bleibt ein gefährlicher Balanceakt. Für die USA, für die Region – und für Millionen Menschen, die nichts anderes brauchen als eine einzige Sache: Ruhe.

Finanzen / Global / Sudan / USA / Krieg
[InvestmentWeek] · 10.11.2025 · 07:00 Uhr
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