Die IS-Propaganda: Was bezweckt die Miliz mit ihren Horrorvideos?

04. Februar 2015, 15:03 Uhr · Quelle: dpa

Kairo (dpa) - Die Schlächter stehen in der Ruine wie Statisten in einem post-apokalyptischen Hollywood-Film. Ein Mann im orangen Overall tritt in ihre Mitte und schaut sich um, Spuren von Folter zeichnen sein Gesicht.

Es handelt sich um Muas al-Kasasba, einen jordanischen Piloten, der im Auftrag der Anti-IS-Allianz Luftangriffe auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) flog. Er wurde vor sechs Wochen vom IS bei der nordsyrischen Stadt Al-Rakka gefangen genommen und ist nun die Hauptperson im jüngsten Tötungsvideo der Miliz.

Eilige Zwischenschnitte sollen suggerieren, dass Al-Kasasba inmitten einer Ruine steht, die durch einen Luftangriffe der Allianz zusammenstürzte und mehrere Menschen begrub.

Das IS-Video ist choreografiert wie Popcorn-Kino - aber es zeigt eine Menschenverachtung, die die bisherigen Enthauptungsvideos des IS übertrifft. Al-Kasasba muss einen Eisenkäfig betreten. Ein Henker entzündet eine Fackel und führt sie in Zeitlupe zum Boden. Eine Flammenspur eilt auf den Käfig zu. Als das Feuer den Piloten umschließt, zappelt er vor Schmerz, sinkt später in die Hocke, es wirkt, als ob er beten würde, dann kippt sein toter Körper um. Der IS zeigt den kompletten Todeskampf.

Mit dem seit Dienstagabend im Internet kursierenden 22-minütigen Film haben die Dschihadisten ihr Horrorkabinett um eine Hinrichtungsart erweitert. Bisher wurden Frauen gesteinigt, vermeintlich Schwule von Hochhäusern gestürzt und Gegner mit Fleischermessern enthauptet. Nun die Verbrennung.

Wie all seine Morde, versucht der IS auch diesen mit Jahrhunderte alten Aussprüchen von Gelehrten zu rechtfertigen. So sei der Dschihad rechtes Mittel gegen die «Aggression» Ungläubiger. Al-Kasasba, selbst ein Muslim, musste dafür sterben, dass er Luftangriffe gegen die Islamisten flog. Doch die «Strafe» lässt sich in keinem theologischen Text finden. Gelehrte der von Millionen Muslimen auf aller Welt geachteten Azhar-Universität in Kairo verurteilten die Tat am Mittwoch als «teuflisch», nichts erlaube eine solche Barbarei.

Dass der IS die Regeln der Religion ignoriert, in deren Namen er eigentlich kämpft, hat seine Gründe. Das selbst ernannte «Kalifat» in Syrien und im Irak bröckelt. Erzfeind Al-Kaida gewann nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» in Paris wieder an Ansehen in der Dschihad-Szene. Und nach Angaben des US-Sicherheitsberaters Soufan Group schwinden dem IS die Möglichkeiten, westliche Geiseln zu entführen: Seit Reisen in die Region immer gefährlicher werden, habe der IS «weniger Wege, um seinen 'Wir gegen die'-Kampf zu befeuern».

Das immer schärfere Drehen an der Gewaltspirale ist der krampfhafte Wunsch nach Aufmerksamkeit. Einerseits sind die Videos eine Art «Horror Show» für die eigenen Anhänger - schaut her, wir tun, wovon Al-Kaida nur spricht. Andererseits sind sie ein an den Westen gerichteter Schrecken, der immer wieder der Erneuerung und Verschärfung bedarf. Dabei wollen die Dschihadisten ihr «Kalifat» als gleichwertiges Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft verstanden wissen.

In dem Video, das den Tod Al-Kasasbas zeigt, blenden die Islamisten immer wieder Szenen ein, in denen sie Kampfgefährten aus staubigen Trümmerhaufen ziehen oder verkohlte Kinderleichen bergen. Die Leiche des jordanischen Piloten schänden sie daher auf gleiche Weise: Als der verkohlte Körper am Boden liegt, kippt ein Bagger eine Ladung Schutt über ihm aus. Es ist die verachtende Art des IS zu sagen: Gleiches mit Gleichem.

Terrorismus / Konflikte / Islam / Jordanien / Syrien / Irak
04.02.2015 · 15:03 Uhr
[0 Kommentare]
Kaweh Mansoori (Archiv)
Wiesbaden - Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) hat das Nein des Bundesrates zur geplanten steuerfreien 1.000-Euro-Prämie verteidigt. Die Prämie sei kein Allheilmittel und werde aus der Wirtschaft vielfach kritisiert, sagte er dem "Tagesspiegel" (Samstagsausgabe). Es müsse weiterverhandelt werden. Es gebe keinen Partei-Automatismus, so […] (00)
vor 11 Minuten
Billie Eilish
(BANG) - Billie Eilish hat auf die heftigen Online-Reaktionen auf ihre Aussage reagiert, dass Fleischessen "grundsätzlich falsch" sei. Die 24-jährige 'Bad Guy'-Interpretin, die sich seit ihrer Kindheit vegan ernährt, sorgte online für großen Aufruhr, nachdem sie erklärt hatte, niemand könne "Tiere lieben", wenn er sich nicht pflanzlich ernähre. Nun […] (00)
vor 3 Stunden
Iranischer VPN-Dienst
Teheran (dpa) - Die Iraner sind inzwischen den 70. Tag in Folge vom Zugang zum globalen Internet ausgeschlossen. Die Sperre halte bereits seit 1.656 Stunden an, teilte die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks auf der Plattform X mit.  Mit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar hatte die Regierung in Teheran den Zugang zum weltweiten […] (00)
vor 17 Minuten
GTA Online könnte schon bald sein letztes großes Update bekommen
Kaum ein Online-Spiel hat sich über so viele Jahre gehalten wie GTA Online. Seit 2013 veröffentlicht Rockstar regelmäßig neue Inhalte, Events und Erweiterungen. Jetzt deutet allerdings vieles darauf hin, dass das Ende langsam näher rückt. Laut aktuellen Berichten könnte das Sommer-Update 2026 eines der letzten großen Content-Updates für GTA Online […] (00)
vor 18 Minuten
ZDF dreht Miniserie nach Romanvorlage von Anika Decker
Das Projekt trägt den markanten Arbeitstitel «Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben». Basierend auf dem Roman der Bestsellerautorin Anika Decker entsteht derzeit in Berlin und Umgebung eine sechsteilige, komödiantische Serie mit dem Arbeitstitel Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben. Eine Frau Anfang fünfzig kämpft sich laut Senderbeschreibung […] (00)
vor 1 Stunde
Surfer an der Eisbachwelle in München
München (dpa) - Auf der Eisbachwelle im Englischen Garten in München ist ab sofort das Surfen wieder erlaubt. Der neue Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) gab die Welle mit Veröffentlichung einer angepassten Allgemeinverfügung wenige Stunden nach dem Beschluss über die Bildung der neuen Rathauskoalition frei. «Das Surfen am Eisbach ist Teil des […] (00)
vor 46 Minuten
Merz und Klingbeil im Bundestag
Berlin (dpa) - Die geplante Prämie von bis zu 1.000 Euro zur Entlastung der Arbeitnehmer steht auf der Kippe. Der Bundesrat hat die Maßnahme zur Abfederung der wegen des Iran-Kriegs drastisch gestiegenen Energiepreise vorerst gestoppt. Für die ohnehin schon kriselnde Bundesregierung bedeutet die überraschende Ablehnung eine weitere bittere Schlappe nur […] (00)
vor 35 Minuten
Wasserrückhalteplan ist nächster Schritt für das Minenprojekt Kenville von Ximen Mining Corp.
Vancouver, B.C., 08.05.2026 (PresseBox) - Ximen Mining Corp. (TSX.v: XIM) (FWB: 1XM) (OTC: XXMMF) (das „Unternehmen“ oder „Ximen“) freut sich, das folgende Update zu seinem Minenprojekt Kenville im historischen Bergbaurevier Nelson im Südosten von B.C. bereitzustellen. Das Unternehmen gibt bekannt, dass seine technischen und Umweltberater vergangene […] (00)
vor 1 Stunde
 
Commerzbank
Frankfurt/Main (dpa) - Die Commerzbank will mit einem weiteren Stellenabbau und […] (01)
Bundeswehr-Soldat mit Pistole (Archiv)
Brüssel - Der frühere Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen fordert nach dem […] (01)
Nach den Wahlen in Großbritannien
London/Edinburgh/Cardiff (dpa) - Die britischen Rechtspopulisten von Reform UK haben […] (04)
Sönke Rix (Archiv)
Berlin - Laut dem neuen bpb-Präsidenten Sönke Rix ist das Demokratievertrauen in […] (00)
Rückläufige Märkte in Europa Nach einer kurzen Phase der Erholung mussten die […] (00)
Prinz Harry
(BANG) - Prinz Harry hat Sir David Attenborough als einen "weltlichen Heiligen" […] (00)
SC Freiburg - SC Braga
Freiburg (dpa) - Als der historische Final-Einzug des SC Freiburg perfekt war, gab es […] (03)
Dreame erweitert sein Sortiment mit neuen Haushaltsgeräten
Dreame Technology, ein führender Innovator im Bereich Smart-Home-Lösungen, hat heute […] (00)
 
 
Suchbegriff