Take-Two legt nach: Sechs Remakes und Remaster bis 2029 – welche Klassiker dürfen wir erwarten?
Take-Two Interactive hat in seiner jüngsten Finanzkonferenz die spielerischen Karten auf den Tisch gelegt. Neben dem alles überstrahlenden GTA 6-Launch und den üblichen Sporttiteln plant der Publisher ein wahres Remaster-Feuerwerk: Sechs überarbeitete Klassiker, „Platform Extensions“ und frisch gebackene Sequels sollen in den Fiskaljahren 2028 und 2029 erscheinen. Die entscheidende Frage ist nur: Welche Schätze hebt Rockstar aus dem Tresor?
Max Payne, RDR und die große Raterei – Take-Twos Remaster-Kabinett
Der naheliegendste Kandidat ist das Max Payne 1 & 2 Remake. Remedy Entertainment entwickelt den Doppelpack in enger Partnerschaft mit Rockstar und bestätigte zuletzt im Februar 2026, dass sich das Projekt in voller Produktion befindet. Insider rechnen mit einem Release Ende 2026 oder Anfang 2027 – ein perfekter Kandidat für das FY2028-Fenster. Ebenso brodelt die Gerüchteküche um ein Red Dead Redemption 2 Remaster. Dass Rockstar den Western-Blockbuster für die aktuelle Konsolengeneration aufmotzt, ist alles andere als abwegig – zumal die PC-Version von Red Dead Redemption 1 nach über 14 Jahren endlich auf Steam gelandet ist und damit die Nachfrage nach mehr Western-Klassikern neu entfacht hat. Ein GTA 4 Remaster wäre ebenfalls denkbar, forderte doch erst kürzlich ein Ex-Rockstar-Entwickler genau das. Die große Unbekannte bleibt Bully – Rockstars Internat-Kultspiel wartet seit fast zwei Jahrzehnten auf eine würdige Neuauflage.
„Platform Extensions“ – das Trojanische Pferd für GTA 6 auf dem PC und PS6?
Der schwammigste Begriff im Pipeline-Vokabular von Take-Two ist zweifellos „Platform Extensions“. Darunter fallen Ports, die technisch gesehen keine echten Remaster sind, aber neue Plattformen erschließen. Brancheninsider vermuten, dass Take-Two damit vor allem drei Szenarien abdeckt: einen GTA 6 PC-Port, der traditionell zwölf bis 18 Monate nach dem Konsolenstart kommt, sowie native Versionen für die kommende PS6-Generation und Microsofts Project Helix. Dass PC-Spieler bei Rockstar traditionell die zweite Geige spielen, ist kein Geheimnis – ein Release gegen Ende 2027 oder Anfang 2028 wäre konsistent mit dem bekannten Muster. Die Plattform-Erweiterungen könnten aber auch bedeuten, dass ältere Titel wie Red Dead Redemption 2 endlich eine native Nintendo Switch 2-Version erhalten. Der John-Marston-Darsteller Rob Wiethoff heizte erst kürzlich genau in diese Richtung Spekulationen an.
Vom GTA-Trilogy-Desaster lernen – die große Bewährungsprobe
So verlockend die Aussicht auf sechs liebevoll restaurierte Klassiker ist – Take-Two hat eine Hypothek laufen. Die GTA: The Trilogy – Definitive Edition von 2021 war ein Desaster: verbuggte Texturen, kaputte Physik, fehlende Atmosphäre. Das von Grove Street Games entwickelte Sammelsurium gilt bis heute als abschreckendes Beispiel, wie man Remaster nicht machen sollte. Will Take-Two die Spieler von der neuen Offensive überzeugen, müssen die Qualitätsstandards radikal nach oben geschraubt werden. Immerhin: Das Max Payne Remake entsteht bei Remedy, also beim Original-Studio – das ist ein starkes Qualitätssignal. Anders sieht es bei den restlichen fünf angekündigten Projekten aus. Wenn Rockstar hier auf externe B-Stunden-Studios setzt oder simple Auflösungs-Upgrades als Remaster verkauft, könnte der Shitstorm vorprogrammiert sein. Take-Two-CEO Strauss Zelnick bezeichnete GTA 6 selbst als „Hochrisikospiel“ – eine Einschätzung, die ebenso für die Remaster-Strategie gelten dürfte.
Was die Konkurrenz besser macht – und wo Take-Two punkten kann
Während Take-Two sechs Remaster in zwei Jahren plant, liefern andere Publisher vor, wie es richtig geht: Capcom hat mit der Resident Evil-Reihe den Goldstandard für Remakes gesetzt – komplett neu gebaut, technisch auf Höhe der Zeit, respektvoll gegenüber dem Original. Bluepoint Games (Demon‘s Souls, Shadow of the Colossus) hat gezeigt, wie ein Remake aussehen muss, das sich wie ein neues Spiel anfühlt. Take-Two muss sich also an der Oberklasse messen lassen – und nicht an den eigenen Tiefpunkten. Positiv ist immerhin: Mit Remedy ist für Max Payne ein Studio verpflichtet, das das Remake-Handwerk versteht (siehe Alan Wake Remastered). Ob die restlichen fünf Projekte ähnlich ambitioniert sind, oder ob Take-Two hier die schnelle Kasse sucht, wird sich zeigen. Der Druck auf den Publisher ist enorm: GTA 6 wird die Kassen füllen, aber langfristig braucht Take-Two ein stabiles Zweitstandbein aus überarbeiteten Klassikern.

