Die Grenzen verschwimmen: Immer mehr junge Frauen und Männer wagen den Schritt in untypische Berufe
Im Laufe der letzten Dekade hat sich das Berufswahlverhalten junger Menschen merklich gewandelt. Eine aktuelle Analyse des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass klassische Geschlechtergrenzen in der Berufswahl zunehmend verschwimmen. Vor allem Berufe, die einst als „typisch männlich“ galten, wie der des Tischlers, ziehen immer mehr junge Frauen an. Bereits 20 Prozent der Auszubildenden in diesem Bereich sind Frauen, eine deutliche Steigerung im Vergleich zu 11 Prozent vor zehn Jahren. Auch der Beruf der Berufskraftfahrerin erfreut sich wachsender Beliebtheit unter jungen Frauen, deren Anteil an den Ausbildungsverträgen von 3 auf 11 Prozent gestiegen ist.
Zeitgleich entdecken auch junge Männer neue Karrieremöglichkeiten jenseits traditioneller Rollenbilder. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist der Beruf des Friseurs: Hier stieg der Anteil der männlichen Lehrlinge von 13 Prozent im Jahr 2013 auf beachtliche 34 Prozent im Jahr 2023. Ähnliches gilt für das Lebensmittelhandwerk, wo der Anteil männlicher Auszubildender im Verkauf von 11 auf 28 Prozent gewachsen ist. Allerdings ging die Gesamtzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in diesem Bereich zurück.
Bei den MINT-Berufen, einer Kategorie, die Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sowie Industriekaufleute umfasst, ist der Frauenanteil hingegen nahezu unverändert und bleibt niedrig. Der Anteil verharrt mit 12 Prozent nahezu auf dem Stand von 2013, als er 11 Prozent betrug. Diese Entwicklung zeigt, dass trotz eines umfassenden Wandels im Geschlechterverhältnis in bestimmten Berufsfeldern, MINT-Berufe weiterhin eine Ausnahme bilden.

