Die endlose Saga um German Pellets: Ein Gerichtsdrama findet ein vorläufiges Ende
Die verheißungsvollen Zinsversprechen von German Pellets ließen Anleger aufhorchen und Investoren, inspiriert von Visionen eines nachhaltigen Energiefuturismus, in die Wismarer Holzverarbeitungslinie investieren. Klimawandel und Energiekostensteigerungen feuerten diese Begeisterung zusätzlich an. Laut des Vorsitzenden Richters am Landgericht Schwerin sahen viele diese Beteiligung als strategischen Baustein ihrer Altersvorsorge an. Die ernüchternde Insolvenzmeldung am 10. Februar 2016 zerstörte jedoch diese Hoffnungen, und ein Großteil der etwa 260 Millionen Euro Anlegergelder von rund 17.000 Geschädigten verschwand im Orkus, was die Firma schließlich vor Gericht führte.
In einem epischen, über zwei Jahre dauernden Prozess sprach das Landgericht den mittlerweile 68-jährigen Gründer von German Pellets der vorsätzlichen Insolvenzverschleppung und des mehrfachen Betrugs schuldig. Nach einem Verständigungsgespräch mit der Staatsanwaltschaft konnte er mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren davonkommen. Weitere gravierende Vorwürfe, wie Steuerhinterziehung und Vorenthalten von Sozialleistungen, wurden fallen gelassen. Der Richter nahm an, dass die Zahlungsunfähigkeit erst am 1. Dezember 2015 eingetreten war, was den Zeitraum der Insolvenzverschleppung sowie die Schadenssumme erheblich reduzierte.
Vor Gericht verteidigte der Energieguru vehement seine einstigen Expansionspläne, die weltweit den Holzpelletmarkt revolutionieren sollten – Ehrgeiz, der letztlich das Imperium zu Fall brachte. Erträge und Bankkredite reichten nicht mehr aus, weshalb über Genussrechte frisches Kapital akquiriert wurde – ein Vorhaben, das scheiterte.
Der Richter stützte das milde Urteil auch darauf, dass es dem Verurteilten nie um persönliche Bereicherung ging. German Pellets galt einst als Leuchtturm der erneuerbaren Energien, ein Beweis für visionäres Unternehmertum, das leider die Realität überholte. Heute wird der einstige Stolz von Wismar unter neuer Leitung fortgeführt, während sich das Insolvenzverfahren bisher ergebnislos dahinschleppt.

