Die 6 wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen für Unternehmen in 2026
Von Verpackungen über den Digitalen Produktpass bis hin zu KI und Dekarbonisierung

04. Juni 2026, 14:06 Uhr · Quelle: Pressebox
Die 6 wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen für Unternehmen in 2026
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Nils Giesen ist Sustainability Consulting Lead bei der abat AG und verantwortet den Bereich Nachhaltigkeitsberatung. Er verbindet regulatorisches und klimawissenschaftliches Verständnis mit ausgeprägter Digitalisierungsexpertise und arbeitet an der Schnit
Regulatorische Vorgaben und praktische Umsetzung bestimmen die Nachhaltigkeitsagenda deutscher Unternehmen im Jahr 2026.

Bremen, 04.06.2026 (PresseBox) - Nach Jahren intensiver Diskussionen über Nachhaltigkeitsberichte und regulatorische Anforderungen geht es nun verstärkt um die praktische Umsetzung. Zwar sorgen die Anpassungen der europäischen Berichtspflichten weiterhin für Gesprächsbedarf, gleichzeitig gewinnen Themen an Bedeutung, die unmittelbare Auswirkungen auf Produkte, Lieferketten, Kostenstrukturen und Wettbewerbsfähigkeit haben. Doch welche Entwicklungen sollten Unternehmen aktuell besonders im Blick behalten?

„Viele Unternehmen fragen sich derzeit, welche Nachhaltigkeitsthemen nach den Änderungen der CSRD überhaupt noch relevant sind. Die Antwort lautet: eine ganze Reihe. Allerdings verschiebt sich der Fokus zunehmend von der Berichterstattung hin zur konkreten Umsetzung in Produkten, Prozessen und Geschäftsmodellen“, erklärt Nils Giesen, Sustainability Consulting Lead bei abat.

1. Verpackungen werden zum strategischen Thema

Mit der europäischen Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) rücken Verpackungen stärker in den Fokus von Unternehmen. Ziel der Verordnung ist es, Verpackungsabfälle zu reduzieren, die Recyclingfähigkeit zu verbessern und den Einsatz von Rezyklaten zu fördern.

Betroffen sind dabei längst nicht nur Verpackungshersteller. Auch Produzenten, Handelsunternehmen und Markenartikler müssen prüfen, ob ihre Verpackungslösungen künftig den regulatorischen Anforderungen entsprechen: „Viele Unternehmen betrachten Verpackungen bislang vor allem als Marketing- oder Logistikthema. Die PPWR macht daraus zunehmend ein strategisches Compliance- und Innovationsthema.“, so Nils Giesen, „Unternehmen sollten deshalb frühzeitig Transparenz über ihre Verpackungsarten, Materialzusammensetzungen und Lieferketten schaffen.“

2. Nachhaltigkeitsversprechen müssen belegbar sein

Aussagen wie „umweltfreundlich“, „nachhaltig“ oder „klimaneutral“ geraten zunehmend unter regulatorische Beobachtung. Mit der europäischen EmpCo-Richtlinie steigen die Anforderungen an die Nachweisbarkeit von Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen deutlich. Unternehmen müssen künftig stärker belegen können, warum bestimmte Aussagen zutreffen und auf welchen Daten oder Nachweisen sie beruhen. Die Folge: Marketing, Nachhaltigkeitsmanagement und Rechtsabteilungen müssen enger zusammenarbeiten als bisher.

Giesen dazu: „Nachhaltigkeitskommunikation wird künftig stärker faktenbasiert sein müssen. Wer Aussagen nicht nachvollziehbar belegen kann, setzt sich unnötigen rechtlichen Risiken aus.“ Empfohlen wird eine systematische Überprüfung bestehender Werbe- und Kommunikationsaussagen sowie der zugrunde liegenden Nachweise.

3. Der Digitale Produktpass rückt näher

Lange wurde über den Digitalen Produktpass vor allem auf Konferenzen und in Fachgremien diskutiert. Nun beginnt für viele Unternehmen die Phase der konkreten Vorbereitung. Künftig sollen Informationen zu Materialien, Herkunft, Reparierbarkeit, CO₂-Fußabdruck oder Recyclingfähigkeit digital entlang des gesamten Produktlebenszyklus verfügbar sein.

Für Unternehmen stellt dies vor allem eine Datenherausforderung dar. Häufig liegen relevante Informationen verteilt über unterschiedliche Systeme, Lieferanten und Standorte vor. Wer heute noch keinen Überblick über verfügbare Produktdaten hat, sollte zeitnah beginnen, entsprechende Strukturen aufzubauen.

4. Dekarbonisierung wird zur Managementaufgabe

In den vergangenen Jahren stand vielerorts zunächst die Ermittlung von Treibhausgasemissionen im Mittelpunkt. Nun rückt die eigentliche Herausforderung stärker in den Fokus: die systematische Reduktion von Emissionen. Steigende Energiekosten, Kundenanforderungen, Investoreninteressen und Klimaziele erhöhen den Druck, konkrete Maßnahmen umzusetzen.

Dabei stellen sich zunehmend praktische Fragen:

  • Wo entstehen die größten Emissionen?
  • Welche Maßnahmen bieten das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis?
  • Welche Investitionen sind erforderlich?
  • Welche Reduktionspotenziale lassen sich tatsächlich realisieren?
„Eine Emissionsbilanz ist kein Selbstzweck. Ihr Wert entsteht erst dann, wenn daraus konkrete Entscheidungen und Maßnahmen abgeleitet werden.“, ruft Giesen ins Gedächtnis.

5. Künstliche Intelligenz verändert das Nachhaltigkeitsmanagement

Künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend zu einem Werkzeug für Nachhaltigkeitsabteilungen. Anwendungen reichen von der Analyse großer Datenmengen über die Auswertung von Lieferanteninformationen bis hin zur Unterstützung bei regulatorischen Fragestellungen. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen. Unternehmen müssen sich mit Themen wie Datenqualität, Transparenz von Entscheidungen, Energieverbrauch digitaler Systeme und Governance auseinandersetzen.

Nils Giesen ist sicher: „KI wird viele Prozesse beschleunigen und vereinfachen. Entscheidend bleibt jedoch die Qualität der zugrunde liegenden Daten und die fachliche Einordnung der Ergebnisse.“ Unternehmen sollten daher nicht nur über den Einsatz von KI nachdenken, sondern auch deren verantwortungsvolle Nutzung sicherstellen.

6. Klimarisiken werden wirtschaftlich relevanter

Extreme Wetterereignisse, Lieferkettenstörungen, steigende Versicherungskosten und veränderte Marktbedingungen machen die Auswirkungen des Klimawandels zunehmend spürbar. Unabhängig von gesetzlichen Berichtspflichten interessieren sich Banken, Versicherungen und Geschäftspartner verstärkt für die Widerstandsfähigkeit von Standorten, Lieferketten und Geschäftsmodellen.

Klimarisikoanalysen gewinnen deshalb an Bedeutung. Sie helfen Unternehmen dabei, potenzielle Auswirkungen auf das eigene Geschäft frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen abzuleiten. Dabei geht es nicht ausschließlich um Risiken. Auch neue Märkte, Technologien und Geschäftsmodelle können sich aus der Transformation ergeben.

Fazit: Nachhaltigkeit wird operativer

Die Nachhaltigkeitsagenda des Jahres 2026 unterscheidet sich deutlich von den Debatten der vergangenen Jahre. Während regulatorische Berichtspflichten weiterhin relevant bleiben, stehen zunehmend konkrete Umsetzungsfragen im Vordergrund. Verpackungen, Produktdaten, Klimarisiken, Dekarbonisierung, glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz beeinflussen bereits heute strategische Entscheidungen vieler Unternehmen.

Nils Giesen abschließend: „Die zentrale Frage lautet nicht mehr, ob Nachhaltigkeit relevant ist. Entscheidend ist vielmehr, welche Themen für das eigene Geschäftsmodell tatsächlich relevant sind und wie daraus konkrete Wettbewerbsvorteile entstehen können.“

Intralogistik / Verpackungsverordnung / Digitale Produktpass / Dekarbonisierung / Klimarisiken / Nachhaltigkeitskommunikation / Künstliche Intelligenz
[pressebox.de] · 04.06.2026 · 14:06 Uhr
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