Dickes Eis bedeckt Ostsee und Greifswalder Bodden
Starke Frostperioden gepaart mit eisigem Ostwind haben den Norden Deutschlands in einen harten Winter getaucht. Besonders an der Ostseeküste entstehen derzeit atemberaubende Eisformationen. Im Greifswalder Bodden in Mecklenburg-Vorpommern treibt der Wind Eisschollen zu mehreren Meter hohen Bergen auf. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) meldet im nordwestlichen Bereich des Küstengewässers sehr dichtes Eis, das örtlich bis zu 25 Zentimeter dick ist.
Beobachter wie Hannes Knapp von der Insel Rügen sind begeistert.
Das ist grandios, beschreibt er die Szenerie. Die aufgetürmten Eisberge erinnern an arktische Landschaften, ähnlich dem Gemälde Das Eismeer von Caspar David Friedrich vor rund 200 Jahren. Auch Gerald Schmidt aus Rügen zieht Parallelen zum hohen Norden. Er war bereits in Grönland und Island und sagt:
Da sieht das auch so ähnlich aus.Solche Eisbildungen seien schon länger nicht mehr vorgekommen.
Historische Vergleiche zu extremen Wintern
Das BSH überwacht die Eislage auf der Ostsee kontinuierlich. Zuletzt gab es 2011 starkes Packeis bei eisigen Temperaturen. Vollständig zugefroren war das Meer im Winter 1986/87 mit Eisstärken bis 120 Zentimeter. Der Katastrophenwinter 1978/1979 brachte meterhohe Schneemassen, die vor allem die Ostsee und Inseln trafen. Damals war selbst Rügen von der Außenwelt abgeschnitten. In diesem Jahr konzentriert sich das eisige Spektakel durch den Ostwind hauptsächlich auf die mecklenburgische Küste. In Schleswig-Holstein bleibt das Meer größtenteils eisfrei.
Herausforderungen für Schifffahrt und Inseln
Die Schifffahrt ringt mit der extremen Eislage. Der Eisbrecher Arkona des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts hält die Hauptseerouten frei. In manchen Abschnitten gilt ein Nachtfahrverbot. Im Hafen Mukran auf Rügen wird eine Fahrrinne für das LNG-Terminal freigehalten. Die Insel Hiddensee bleibt seit Tagen isoliert. Die Reederei Hiddensee kämpft mit Eis und Wind; die Fähre Vitte konnte noch nicht einsetzen. Versorgung erfolgt notdürftig durch die Eisbrecher Swanti und das Mehrzweckschiff Görmitz.
Trotz der Probleme erfreuen sich viele am Winterwunder. Schlittschuhläufer nutzen den Verbindungsfluss Ryck zum Greifswalder Bodden. In Dierhagen im Landkreis Vorpommern-Rügen wandern Urlauber übers Eis. Ähnliche Szenen zeigen sich an Binnengewässern in Norddeutschland. Meteorologen prognostizieren anhaltenden Frost für die nächsten Tage.

