Deutschlands Exporteure zwischen Hoffen und Bangen: Zölle trüben Perspektiven
Die deutschen Exporteure erleben im ersten Halbjahr 2025 ein leichtes Wachstum, haben jedoch mit besorgniserregenden Aussichten zu kämpfen, insbesondere wegen der umstrittenen Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), betont die Belastung durch die unvorhersehbare Handelspolitik der USA, die den Mittelstand auf dem Weltmarkt benachteiligen und für wachsende Unsicherheit im Handelsgeschäft sorgen.
Die Herausforderungen für die deutsche Industrie sind nach wie vor spürbar: Im Juni sank die Produktion unerwartet, ebenso wie die Anzahl neuer Aufträge. Laut Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING, steckt die Industrie in einer anhaltenden Talsohle.
Trotz der Schwächen auf dem US-Markt stiegen im Juni die deutschen Exporte - unterstützt durch die Nachfrage aus der EU und China. Die Lieferungen ins Ausland erreichten einen Gesamtwert von 130,5 Milliarden Euro, ein Anstieg um 0,8 Prozent zum Vormonat und 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Der Handel mit den USA erlebte jedoch den dritten Rückgang in Folge. Besonders bemerkenswert ist ein Rückgang der Ausfuhren in die Vereinigten Staaten um 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im ersten Halbjahr erreichten die deutschen Exporte 785,6 Milliarden Euro, was einem Anstieg um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht, trotz Rückgängen auf den bedeutenden Märkten USA und China.
Ökonomen wie Jörg Krämer von der Commerzbank erwarten eine anhaltende Schwäche im US-Geschäft. Ein stärkerer Euro und die Verlagerungsschwierigkeiten des Mittelstands verschärfen zudem die Lage, wie ING-Ökonom Brzeski erläutert. Die Aussichten, dass Exporte wieder ein Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft werden, sind demnach gering.
Des Weiteren verzeichnete die Industrieproduktion im Juni einen Rückgang um 1,9 Prozent. Dies stellt den niedrigsten Stand seit Mai 2020 dar, beeinflusst durch Herausforderer wie den Maschinenbau und die chemische Industrie. Das Bundeswirtschaftsministerium weist darauf hin, dass die schwache Industrieentwicklung auch durch Effekte der Zollpolitik bedingt ist, und keine Anzeichen für einen baldigen Aufschwung existieren.
Am Donnerstag traten neue US-Zölle auf EU-Importe in Kraft, jedoch in abgeschwächter Form nach Verhandlungen der EU-Kommission. Dennoch besteht Kritik an der mangelnden Gegenwehr Europas mit vergleichbaren Zöllen.

