Deutschlands Autoindustrie hat den wichtigsten Markt der Welt verpennt
Wer in Neu-Delhi, Mumbai oder Jaipur unterwegs ist, sieht ein klares Bild: Hyundai, Suzuki, Toyota und Kia beherrschen die Straßen, während deutsche Marken kaum auffallen. Ein fataler Fehler, denn Indien ist inzwischen der drittgrößte Automarkt der Welt – und der am schnellsten wachsende. Während die deutschen Konzerne lange auf China fixiert waren, haben asiatische Wettbewerber in Indien längst Fakten geschaffen: neue Fabriken, Modelle für den Massenmarkt und tief verankerte Markenpräsenz.
Suzuki ist mit seinem Joint Venture Maruti Suzuki Marktführer und baut die Produktion massiv aus. Hyundai und Toyota investieren Milliarden in neue Werke, während selbst kleinere Hersteller wie Kia in Indien inzwischen für den Export produzieren. Deutsche Marken dagegen spielen keine Rolle – zu teuer, zu spät, zu wenig lokalisiert.
Dabei hätte alles anders kommen können. Volkswagen erkannte das Potenzial bereits 2009, als man sich mit 20 Prozent an Suzuki beteiligte. Doch Machtkämpfe zwischen Ferdinand Piëch, Martin Winterkorn und Osamu Suzuki ließen die Allianz scheitern. Heute ist Maruti Suzuki allein an der Börse so viel wert wie der gesamte VW-Konzern – eine bittere Ironie.
Indien bietet noch immer enormes Wachstumspotenzial: Nur 57 Autos kommen dort auf 1000 Einwohner, in Deutschland sind es 630. Doch die Importzölle von bis zu 110 Prozent machen ausländische Modelle teuer, der Massenmarkt bleibt lokalen Produzenten vorbehalten. Wer hier erfolgreich sein will, muss vor Ort produzieren – und das haben Hyundai, Toyota und Suzuki verstanden.
Einziger Lichtblick aus deutscher Sicht ist Škoda, deren Absatz zuletzt um 135 Prozent gestiegen ist. Doch ein Marktanteil von 1,7 Prozent bleibt bescheiden. Der Rückstand auf die asiatische Konkurrenz ist riesig.
Während Toyota und Suzuki bereits gemeinsam an der Elektrozukunft Indiens arbeiten, ringt die deutsche Autoindustrie mit der Erkenntnis, dass sie einen Milliardenmarkt verschlafen hat – und dass Nachholen im neuen globalen Automobilzeitalter schwerer ist, als es je war.


