Deutschland importiert mehr Waren - und das könnte eine Chance für die Wirtschaft sein

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Deutschland ist als Export-Nation bekannt, doch trotz des deutschen Exportüberschusses haben auch die Importe in den letzten Jahren verstärkt zugenommen: Die Einfuhren stiegen 2018 um 5,7 Prozent und lagen insgesamt bei 1.090 Milliarden Euro. 2019 werden die Zahlen vermutlich weiter steigen. Einfuhren sind für die deutsche Wirtschaft extrem wichtig und zeigen in Zeiten geringeren Wachstums die Schwächen der Volkswirtschaft auf. Welches sind die wichtigsten Import-Bereiche? Und weshalb könnte eine höhere Anzahl an Importen für Deutschland eine wirtschaftliche Chance darstellen?

Importe steigen, Rohstoffe wichtig

Auf Platz eins der importierten ausländischen Waren stehen EDV-Erzeugnisse mit einem Wert von insgesamt 117,4 Milliarden Euro. Der relativ größte Anteil davon wurde aus der Volksrepublik China importiert. Deutschland selbst ist nicht gerade als Mekka für die Herstellung von Computer-Chips oder massenmarkttauglichen Smartphones und Rechnern bekannt und dieses Vorurteil wird von Statistiken unterstützt. Auch chemische Erzeugnisse (88,2 Milliarden Euro) und Kraftfahrzeuge (116,9 Milliarden Euro) werden trotz der deutschen Stärke in diesen Wirtschaftszweigen in großen Summen importiert.

Für die Wirtschaft ist dies allerdings verkraftbar. Schwerer wiegt da schon die Einfuhr von Rohstoffen: Der Import von Erdöl und Erdgas erhöhte sich 2018 um beinahe ein Viertel auf 65,6 Milliarden Euro. Alleine beim Öl steht Deutschland mit Rohstoff-Importen in Höhe von 45,1 Milliarden Dollar (3,8 Prozent der weltweiten Ölimporte) an siebter Stelle. Lediglich die Volksrepublik China (239 Milliarden Dollar), die USA (163 Milliarden) und Indien (115 Milliarden) importieren bedeutend mehr Öl. Die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft vom Rohstoff Öl wird damit erneut deutlich - und zeigt, wo die Bundesrepublik wirtschaftlich am empfindlichsten ist. Es ist bei den hier vorgestellten Zahlen auch kaum verwunderlich, dass der Ölpreis im langfristigen Mittel bereits seit Jahren steigt. Öl wird auch in Zukunft für die Wirtschaft entscheidend sein.

Auswirkungen auf die Wirtschaft

Steigen die Rohölpreise, so beeinflusst dies beinahe alle Wirtschaftszweige in der Bundesrepublik. Gerade in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten könnte diese Wirkkraft ausschlaggebend sein. Laut aktuellem Bericht geht die Bundesregierung für das Jahr 2019 nur noch von einem Gesamtwachstum von 0,5 Prozent aus - ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den Boom-Jahren nach der Finanzkrise. Für das Jahr 2020 erhöht sich die Prognose zwar auf 1,0 Prozent, doch es wird klar: Im Bereich der alternativen Energiequellen gibt es weiterhin großen Nachholbedarf, um weniger abhängig vom Rohstoffimport zu werden. Andere Wachstumsprognosen, wie jene der EU-Kommission oder des Internationalen Währungsfonds stützen diese Zahlen: Auch sie erwarten ein Wachstum von 0,5 Prozent im aktuellen Jahr und von leicht über 1 Prozent im nächsten.

Steigende Importe als Chance

Gleichzeitig stellen die oben genannten Tatsachen auch eine Chance dar. Zwar ist Deutschland kein sonderlich rohstoffreiches Land, doch sind es nach wie vor das branchenspezifische Know-how, die Marke „Made in Germany“ und die Exportorientierung, welche die deutsche Wirtschaft wachsen lassen. Und gerade die Handelsbeziehungen zu China - inzwischen Deutschlands wichtigster Handelspartner für Importe außerhalb der EU - leben vom gegenseitigen Geben und Nehmen. In der Vergangenheit wurde Deutschland aufgrund seines Exportüberschusses kritisiert, insbesondere von US-Präsident Trump. Doch die Zahlen zeigen: Die deutsche Wirtschaft ist stärker in der Balance als man zunächst denken würde.

Fazit

Deutschland hat im Jahr 2018 Waren und Rohstoffe in Rekordmengen importiert. Dies ist sowohl eine Herausforderung als auch eine positive Nachricht für den Außenhandelsüberschuss. Zwar ist das Land weiterhin von Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas abhängig, doch das langfristige Wachstum der Wirtschaft sollte dies nicht behindern.

Wirtschaft / Importe
18.11.2019 · 16:24 Uhr
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