Deutschland beobachtet Shein: Kommt das französische Kontrollmodell?
Inmitten intensiver Diskussionen um den chinesischen Onlinehändler Shein hält sich die Bundesregierung bedeckt. Auf Fragen nach möglichen Schwerpunktkontrollen von Shein-Paketen nach französischem Vorbild antwortete ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums, dass Maßnahmen nicht im Voraus angekündigt würden. Die deutsche Zollverwaltung setze vielmehr auf risikoorientierte und stichprobenartige Kontrollen im Onlinehandel.
Frankreich hatte jüngst eine massive Kontrolle von 200.000 Shein-Paketen am Flughafen Paris initiiert, nachdem der Modehändler unter anderem wegen des Angebots von Sexpuppen mit kindlichem Aussehen und des illegalen Verkaufs von Waffen in die Kritik geraten war. Dabei stellte sich heraus, dass ein Großteil der Waren von Shein nicht den Normen entsprach. Der französische Minister für Handel, Serge Papin, verwies auf diese Mängel.
Shein sicherte derweil die Kooperation mit den Behörden zu und kündigte an, alle nicht der Bekleidung zugehörigen Produkte von seiner Plattform zu entfernen. In Deutschland fordert der Handelsverband Deutschland (HDE) von der Bundesregierung ihrerseits strenge Kontrollen. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Stefan Genth, mahnte zu einem klaren Signal gegen Rechtsverstöße aus Fernost und plädierte für eine verbesserte Ausstattung von Zoll und Marktüberwachung. Auf konkrete Anfragen reagierte das Finanzministerium jedoch zurückhaltend und verwies auf das Steuergeheimnis.
Shein hat sich als bedeutender Akteur im deutschen Onlinehandel etabliert und verzeichnete im letzten Jahr Umsätze von 1,1 Milliarden Euro. Dennoch steht das Unternehmen international unter Druck, wobei die französische Regierung ein hartes Durchgreifen der EU-Kommission gefordert hat. Zwar hat Shein in Frankreich vorerst eine Seitensperre abgewendet und alle illegalen Produkte entfernt, doch das Unternehmen bleibt im Fokus der Behörden.

