Übernahme geplant

Deutscher Pharmadeal - Biontech greift nach Curevac

12. Juni 2025, 16:04 Uhr · Quelle: dpa
Einst galten beide als große Biotech-Hoffnungsträger, sie lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Corona-Impfstoff, stritten um Patente. Nun greift Biontech aus Mainz nach Curevac aus Tübingen.

Mainz (dpa) - Großes Zusammenrücken in der deutschen Biotech-Branche: Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech will den Rivalen Curevac aus Tübingen übernehmen. Beabsichtigt sei, alle Aktien von Curevac zu erwerben, teilte Biontech am Donnerstag mit. Mit dem Kauf wollen sich die Mainzer weiteres Know-how auf dem Weg zu Krebstherapien auf mRNA-Basis ins Haus holen. 

Die Transaktion wird ein Milliardenvolumen haben. Es ist bereits der zweite milliardenschwere Deal, den Biontech binnen kurzer Zeit verkündet. 
Am Wettlauf um einen Corona-Impfstoff im Jahr 2020 hatten sich Biontech und Curevac beteiligt. Biontech war erfolgreich, Curevac nicht.

Die Übernahme-Nachricht ließ den Kurs der Curevac-Aktie nach oben schießen: Er stieg zum Handelsbeginn an der US-Technologiebörse Nasdaq um knapp 35 Prozent auf 5,48 US-Dollar. Biontech-Papiere legten zunächst um 2,15 Prozent zu auf 107,73 US-Dollar.

Transaktion soll bis Ende 2025 abgeschlossen sein

Bei der geplanten Transaktion wollen die Mainzer nach eigenen Angaben jede Curevac-Aktie in Biontech-Aktienhinterlegungsscheine («American Depositary Shares», kurz: ADS) tauschen. Es werden demnach rund 5,46 US-Dollar für jede Curevac-Aktie angesetzt, das entspräche einer Bewertung des Tübinger Unternehmens von etwa 1,25 Milliarden US-Dollar (1,08 Mrd. Euro). 

Nach Abschluss der Übernahme, die vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen bis Ende 2025 angepeilt wird, werden Curevac-Aktionäre voraussichtlich zwischen 4 und 6 Prozent an Biontech halten, wie es hieß. 

Auf dem Weg zur kompletten Übernahme sieht sich Biontech auf einem guten Weg. Aktionäre, die zusammen 36,76 Prozent der Curevac-Aktien halten, hätten Vereinbarungen unterzeichnet, ihre Aktien vorbehaltlich der Bedingungen anzudienen, darunter die Biotech-Holding Dievini von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp. Die Bundesregierung habe bestätigt, dem Geschäft grundsätzlich positiv gegenüberzustehen. Biontech gehe daher davon aus, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die im Namen der Bundesrepublik Deutschland 13,32 Prozent an Curevac hält, die Transaktion unterstützen werde. 

Biontech peilt ersten Krebs-Zulassungsantrag Ende 2025 an

So kämen dann schon 50,08 Prozent der Curevac-Aktien zusammen. Bedingung für das Übernahmeangebot ist eine Mindestannahmeschwelle von 80 Prozent. Laut Biontech soll später bei einer vorgesehenen Umstrukturierung Curevac-Aktionären, die ihre Anteilsscheine zunächst nicht angedient haben, pro Aktie die gleiche Gegenleistung geboten werden. 

«Diese Transaktion ist für uns ein weiterer Baustein in Biontechs Onkologie-Strategie und eine Investition in die Zukunft der Krebsmedizin», sagte Biontech- Chef und -mitbegründer Ugur Sahin. 

Biontech, einst mit seinem Covid-Impfstoff auf mRNA-Basis bekannt und reich geworden, forscht an Krebs-Immuntherapien und peilt einen ersten Zulassungsantrag in den USA bis Ende dieses Jahres an, für eine Art Chemotherapie der nächsten Generation gegen Gebärmutterkrebs. 

Bei einer solchen Therapie kommen Antikörper-Wirkstoff-Konjugate zum Einsatz. Wirkstoffe der Chemotherapie sollen mit Hilfe von Antikörpern gezielter an Krebszellen gebracht werden. Ein anderes Standbein, auf das Biontech bei Krebstherapien setzt, ist die mRNA-Technologie. Sie setzt an den Bauplänen körpereigener Eiweiße an, berühmt wurde sie durch Corona-Impfstoffe, wie das von Biontech und dem US-Konzern Pfizer entwickelte Vakzin.

Forschungsstandort Tübingen soll erhalten bleiben

Auch Curevac forscht seit Jahren an der mRNA-Technologie. Die Tübinger galten einst neben Biontech und anderen als einer der Hoffnungsträger bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Virus. Dann zog das Unternehmen seinen ersten Impfstoffkandidaten wegen einer vergleichsweise geringen Wirksamkeit aus dem Zulassungsverfahren zurück, in der Folge kam es auch zu Patentstreitigkeiten zwischen Curevac und Biontech. Zuletzt hatten die Tübinger Stellen abgebaut und wollten sich auf die Forschung fokussieren. 

«Für mich ist diese Transaktion weit mehr als nur ein geschäftlicher Schritt», sagte Curevac-Chef Alexander Zehnder. «Seit über zwei Jahrzehnten verfolgen beide Unternehmen ähnliche Ziele und sind dabei oft Herausforderungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln angegangen.» Das solle nun unter einem Dach zusammengebracht werden. Der Tübinger Forschungs- und Entwicklungsstandort von Curevac soll erhalten bleiben. 

Curevac-Gründer Ingmar Hoerr bewertete die geplante Übernahme durchweg positiv und sprach von einem guten Zeichen für Europa. Damit entstehe neben dem Branchen-Giganten Moderna aus den USA ein solcher in Europa, sagte Hoerr, der sich im Frühjahr 2020 von seinem Posten bei den Tübingern zurückgezogen hatte, der Deutschen Presse-Agentur. 

Extrem positiv sei auch, dass mit einer Übernahme die Patentstreitigkeiten zwischen Curevac und Biontech ein Ende fänden, diese hätten ausgebremst. Die Streitigkeiten waren bis vor das Bundespatentgericht gegangen. 

Kooperation mit US-Konzern bringt Biontech Milliarden

Für Biontech kommt die Transaktion kurz nach der angekündigten Kooperation mit dem US-Konzern Bristol Myers Squibb. Die dreht sich um die Entwicklung eines der vielversprechendsten Krebs-Wirkstoffkandidaten namens BNT327. Der soll Effekten von Tumoren entgegenwirken, die das körpereigene Immunsystem unterdrücken. Mit dieser Vereinbarung verbunden sind Milliardenzahlungen des US-Konzerns an Biontech.

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12.06.2025 · 16:04 Uhr
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