Deutsche Unternehmen unzureichend gewappnet gegen hybride Bedrohungen

Die aktuelle Sicherheitslage in Deutschland offenbart bedeutende Lücken im Schutz der heimischen Wirtschaft vor hybriden Bedrohungen wie Cyberangriffen und physischen Anschlägen auf die Infrastruktur. Eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 604 Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern zeigt, dass nur 28 Prozent über ein funktionierendes Krisenmanagement verfügen. Alarmierend ist zudem, dass lediglich 10 Prozent der Unternehmen regelmäßige Übungen zu Krisensituationen durchführen.
Unter hybriden Bedrohungen versteht man sowohl physische Angriffe auf Infrastrukturen, wie den kürzlichen Brandanschlag auf das Stromnetz Berlins, als auch digitale Angriffe, die auf kritische Infrastrukturen abzielen. Doch nicht nur im Bereich Cyberabwehr gibt es Defizite, auch die physische Sicherstellung der Geschäftsfähigkeit lässt zu wünschen übrig. Während 60 Prozent der Firmen auf alternative Kommunikationsmittel und Backups setzen, haben nur 20 Prozent eine eigene Notstromversorgung, was die Verwundbarkeit bei Energieausfällen deutlich macht.
Hinzu kommt ein Mangel an Transparenz bei der Personalplanung im Falle einer nationalen Krisenlage. Im Ernstfall müssten einige Mitarbeiter zum Militär- oder Zivilschutzdienst abgestellt werden. Dennoch haben nur 20 Prozent der befragten Unternehmen genaue Kenntnisse darüber, wie viele ihrer Angestellten eingesetzt würden; bei Zivilschutzmaßnahmen sind es 30 Prozent. Unternehmen gehen durchschnittlich davon aus, dass 9 Prozent ihrer Belegschaft in Krisenzeiten ausfallen könnten.
Immerhin steigt das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Investitionen in Schutzmaßnahmen. 37 Prozent der Unternehmen planen bis 2026 eine Erhöhung ihrer Investitionen gegen hybride Bedrohungen, wobei 9 Prozent eine deutliche Steigerung anstreben. Dies ist vor dem Hintergrund wichtig, dass 40 Prozent der Firmen sich als schlecht und weitere 38 Prozent als kaum vorbereitet sehen. Auch der auf digitale Infrastruktur angewiesene Wirtschaftsbetrieb zeigt sich anfällig: Bei einem Internetausfall könnten die Betriebe im Schnitt nur 20 Stunden weiterarbeiten. 83 Prozent der Unternehmen erwarten, dass hybride Angriffe eine ernsthafte Krise in Deutschland auslösen könnten, und 53 Prozent halten einen Nato-Russland-Konflikt in naher Zukunft für möglich.

