Deutsche Unternehmen sehen chinesische Konkurrenz wachsen
Der Wettbewerb deutscher Unternehmen in China wird immer härter. Laut einer Umfrage der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) erwarten 46 Prozent der befragten Firmen, dass chinesische Unternehmen in ihrer Branche innerhalb von fünf Jahren die Führung in Sachen Innovation übernehmen könnten. Fünf Prozent gaben sogar an, dass dies bereits der Fall sei. Die deutschen Unternehmen müssen sich somit in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt stärker anstrengen.
"Die chinesischen Wettbewerber haben während der Covid-Pandemie nicht geschlafen", sagte Jens Hildebrandt, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der AHK. Vor der Pandemie hatten deutsche Firmen die chinesische Konkurrenz noch nicht als zukünftige Innovationsführer in ihrer Branche betrachtet.
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, gaben 46 Prozent der befragten Unternehmen an, mit chinesischen Partnern oder Kunden zu kooperieren. 42 Prozent wollen verstärkt in Forschung und Entwicklung investieren, um ihre Marktposition zu halten. Dies bedeutet in der Regel, dass sie speziell für den chinesischen Markt Produkte entwickeln und produzieren, so Ulf Reinhardt, Vorstandsvorsitzender der AHK in China.
Auch China hat mit wirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen. Das Wirtschaftswachstum des Landes mit seinen rund 1,4 Milliarden Einwohnern verlangsamt sich. Laut der Weltbank könnte das Wachstum in diesem Jahr mit 4,5 Prozent geringer ausfallen. Die Chinesen konsumieren weniger im Inland und die exportgetriebene Wirtschaft leidet unter dem Rückgang der Nachfrage der traditionell starken Handelspartner im Ausland.
Die Erwartungen der deutschen Unternehmen spiegeln diese Entwicklung wider. Laut der Umfrage glauben 83 Prozent der Befragten, dass der wirtschaftliche Trend in China nach unten zeigt. Jedoch rechnen 64 Prozent mit einer Erholung in ein bis drei Jahren. Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen (54 Prozent) findet, dass China als Investitionsstandort an Attraktivität verliert. Dennoch planen genauso viele, weiterhin in ihr China-Geschäft zu investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Umfrage zeigt auch, dass deutsche Unternehmen sich benachteiligt fühlen. Viele beklagen rechtliche Unsicherheiten, die sie in ihrer Geschäftstätigkeit behindern. Ein oft genanntes Problem sind undurchsichtige Regelungen für die Übertragung personenbezogener Daten über die Grenze ins Ausland. Die Unternehmen fordern mehr rechtliche Transparenz, um das Vertrauen der Investoren aufzubauen.
Ein weiteres Problem besteht darin, dass deutsche Unternehmen im Vergleich zur chinesischen Konkurrenz ungleich behandelt werden. Besonders bei öffentlichen Ausschreibungen sehen sich viele Firmen durch mangelnde Transparenz oder bevorzugte chinesische Bewerber benachteiligt.
Einige Unternehmen versuchen bereits, ihr Risiko im China-Geschäft zu verringern. 44 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Muttergesellschaft bereits Maßnahmen ergreift, um unabhängiger von China zu werden. Dies geschieht entweder durch den Aufbau alternativer Lieferketten außerhalb Chinas oder durch die Erschließung zusätzlicher Geschäftsfelder außerhalb des Landes. Andere Unternehmen möchten ihr Risiko dagegen verringern, indem sie verstärkt in China forschen und entwickeln.
Die Umfrage der AHK wurde von rund 5000 deutschen Firmen durchgeführt, von denen 2100 Mitglieder der Kammer sind. Ein Großteil der Teilnehmer (rund ein Drittel) stammt aus dem Maschinenbau- und Industriemaschinensektor, während etwa ein Fünftel im Bereich Automobil tätig ist. 69 Prozent der befragten Unternehmen beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter. (eulerpool-AFX)

