Deutsche Industrie: Hoffnungsschimmer am Horizont

Inmitten der turbulenten Zeiten für die deutsche Industrie gibt es zarte Anzeichen einer Erholung – unterstützt durch eine Reihe von Großaufträgen. Nach einem eindrucksvollen Auftragswachstum im Dezember keimt die Hoffnung auf ein besseres Wirtschaftsjahr. Der unerwartete Anstieg der Auftragseingänge von 7,8 Prozent gegenüber dem Vormonat überraschte viele Analysten, die mit einem Rückgang gerechnet hatten. Auch im Jahresvergleich stiegen die Bestellungen um beachtliche 13 Prozent.
Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg bezeichnete den plötzlichen Auftragsboom als Zeichen einer möglichen Trendwende. Erstmals seit langer Zeit scheint Zuversicht in den Industriehallen zurückzukehren, während Sebastian Dullien von der Hans-Böckler-Stiftung die jüngsten Zahlen als starken Impuls für die Konjunkturerholung lobte. Die Großaufträge, insbesondere aus dem Maschinenbau, stützten diesen Anstieg, auch wenn die allgemeine Lage in vielen Betrieben weiterhin angespannt bleibt.
Besonderen Antrieb erhielt der Sektor durch Bestellungen aus der Metallerzeugnisse-Herstellung sowie durch den Bereich elektronische und optische Produkte. Im Gegensatz dazu verzeichnete die Autoindustrie einen Rückgang von 6,3 Prozent. Insgesamt legten die Inlandsaufträge um fast 11 Prozent zu, während die Auslandsnachfrage unter geopolitischen Risiken litt und mit 5,6 Prozent moderater ausfiel.
Ein wesentlicher Treiber des Auftragswachstums war die Rüstungsindustrie, so Thomas Gitzel von der VP Bank. Die Verteidigungsbestellungen des Bundes spielten hierbei eine bedeutende Rolle, und die Daten bestätigen diese positive Entwicklung für die kommenden Monate. Nach einer Konjunkturschwäche, die durch globale Handelskonflikte und hohe Energiepreise verschärft wurde, sehen Experten wie Michael Herzum von Union Investment Deutschland auf dem Weg der Besserung. Moderates Wirtschaftswachstum wird für die kommenden Jahre erwartet, auch wenn strukturelle Herausforderungen bestehen bleiben.
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag mahnt jedoch zur Vorsicht. Trotz der Erholung sei die Branche weiterhin mit tiefgreifenden strukturellen Problemen konfrontiert, die politische Reformen dringend erforderlich machen.

