Deutsche Gasversorgung: Herausforderungen und Perspektiven im Winter
Derzeit alarmiert der geringe Füllstand der deutschen Gasspeicher am Ende des Winters. Trotz eines vergleichsweise normalen Witterungsverlaufs sind die Speicher laut letzten Berichten nur noch zu 35 Prozent gefüllt – deutlich weniger als üblich. Doch wie steht es um die Gasversorgung in den kommenden Monaten?
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, beruhigt: Die Versorgungslage sei stabil, denn neben den Speichern spielen jetzt LNG-Terminals eine entscheidende Rolle. Die wachsende LNG-Infrastruktur ergänzt damit maßgeblich die Versorgung durch norwegisches Pipelinegas.
Der Hauptanteil des Erdgases, etwa 45 Prozent, stammt aktuell aus Norwegen. Ergänzt wird diese Quelle durch Importe über LNG-Terminals in Holland, Belgien und die vier deutschen Anlagen an der Nord- und Ostsee, die laut Müller flexibel einsetzbar sind und derzeit noch nicht ausgelastet sind.
Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums hebt hervor, dass diese Terminals das ganze Jahr eine flexible Gasimportoption bieten. Die Entwicklung der Speicherfüllstände im Februar und März bleibt jedoch temperaturabhängig.
Der Branchenverband Initiative Energien Speichern (Ines) prognostiziert bei normalem Wetter einen Rückgang des Füllstands um etwa 20 Prozentpunkte bis Ende März. Gemeinsame Anstrengungen sind gefragt, um die größte jemals in Deutschland festgestellte Speicherleere zu verhindern.
Staatlich verordnete Mindestfüllstände existieren. Diese Verordnung, die 2027 ausläuft, schreibt bestimmte Füllstände zu festen Terminen vor. Dies sei ursprünglich eine Notmaßnahme gewesen, so Timm Kehler vom Verband 'Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft', werde jetzt jedoch kritisch beäugt, da Marktverzerrungen befürchtet werden.
Gerade die Wiederbefüllung im kommenden Jahr könnte kompliziert und kostenintensiv werden. Uniper, einer der größten Speicherbetreiber, plädiert für eine Überarbeitung der derzeitigen Regeln zugunsten marktbasierter Anreize.
Eine strategische Gasreserve, wie sie im Ölbereich existiert, wird von Uniper kritisch gesehen, während Klaus Müller eine solche Reserve zur Versorgungssicherheit gut heiße. Ein regulatorisches Rahmenwerk, das Marktmechanismen zur effizienten Speicherbewirtschaftung fördert, wird allgemein als zukunftssicher erachtet. Die Verantwortung für die Versorgungssicherheit soll weiterhin vorwiegend in privater Hand liegen, sollte aber durch gezielte staatliche Absicherungsmaßnahmen ergänzt werden.

