Deutsche Agrarwirtschaft im Spannungsfeld: Versorgungssicherheit und ökonomische Herausforderungen
Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat erneut seinen Appell an die Bundesregierung verstärkt, um die inländische Agrarproduktion angesichts globaler Unsicherheiten zu fördern. Verbandssprecher Joachim Rukwied präsentierte besorgniserregende Zahlen zur aktuellen Erntebilanz und verwies auf schwindende Preise und strikte Auflagen bei Düngemitteln und Pflanzenschutz.
Rukwied betonte, dass die Qualität und Quantität der Ernte zunehmend gefährdet seien, und hob dabei die entscheidende Rolle der Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln hervor. Diese sei nicht nur für die Verteidigungsfähigkeit, sondern auch für die innenpolitische Stabilität von essenzieller Bedeutung. Dabei gehe der Verband davon aus, dass sich die nationale Versorgung in ein zunehmend unsicheres Fahrwasser bewege.
Die Marktentwicklung bei Getreide ist nach Rukwieds Einschätzung katastrophal. Er verwies auf aktuell etwa 180 Euro pro Tonne Brotweizen, ein deutlicher Rückgang gegenüber den umgerechneten 240 Euro pro Tonne in den 1980er Jahren. Diese Preismisere erschwere einen wirtschaftlichen Getreideanbau enorm, während Russland seine internationalen Preise als politisches Druckmittel gegen die Ukraine nutze.
Für 2025 zeigt sich jedoch ein Lichtblick: Der Verband prognostiziert eine bessere Getreideernte im Vergleich zu den Vorjahren. Eine Ausweitung der Anbaufläche und verbesserte Erträge pro Hektar könnten die Menge auf 43,5 Millionen Tonnen steigern. Beim Winterweizen und Wintergerste wurden bereits respektable Zuwächse verzeichnet.
Dennoch spricht Rukwied von 'spürbaren Folgen des Klimawandels', der die diesjährige Getreideernte zu einer Zitterpartie gemacht habe. Während lang anhaltender Niederschlag zu Qualitätseinbußen führte, litten Teile des Nordostens unter Trockenheit. Ein Silberstreif am Horizont: Die ökologische Bewirtschaftung bleibt stabil bei rund 11,5 Prozent der Flächen.
Auch bei den beliebten Erdbeeren gibt es alarmierende Zahlen. Mit nur noch 75.000 Tonnen fiel die Ernte so gering aus wie seit 1995 nicht mehr. Zugleich sank die Anbaufläche drastisch um etwa 31 Prozent in den letzten drei Jahrzehnten. Die Spargelernte erreichte mit knapp 99.000 Tonnen ebenfalls einen Tiefpunkt seit 2010.
Abschließend warnte Rukwied vor den Konsequenzen einer weiteren Erhöhung des Mindestlohns, die die Produktion von heimischem Obst und Gemüse womöglich weiter erschweren könnte. Eine Sonderlösung für den Landwirtschaftssektor sei notwendig, um die derzeitige Produktion zu halten oder gar zu erhöhen.

