Investmentweek

Der vertuschte Präsident

22. Mai 2025, 18:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Wie ein innerer Zirkel Amerikas Öffentlichkeit täuschte – und Joe Biden zur tragischen Figur machte

Ein Debakel mit Ansage

Am 27. Juni 2024 starrte Joe Biden während des TV-Duells gegen Donald Trump minutenlang ins Leere. Die Nation sah zu – und erkannte, was viele hinter den Kulissen längst wussten: Der Präsident war nicht mehr der Mann, der er einmal war.

Geistig abwesend, fahrig, kaum noch in der Lage, klare Sätze zu formulieren. Doch die wahre Tragödie begann nicht an diesem Abend – sondern Jahre zuvor.

Die ersten Risse im Fundament

Schon 2020 war Biden kein Kandidat der Kraft, sondern der Hoffnung: Hoffnung, dass es irgendwie schon klappen würde. Hoffnung, dass Trump verhindert werden könnte.

Hinter den Kulissen aber war längst klar, dass Biden mit zunehmendem Alter immer häufiger mit Aussetzern zu kämpfen hatte. Während der Pandemie konnte das noch kaschiert werden. Video-Statements statt Live-Auftritte. Reden vom Teleprompter. Keine spontanen Fragerunden.

Dass Biden schon bei der Produktion von vorab aufgezeichnetem Material ins Stocken geriet, wurde von seinem Team als „Zumutung“ für einen 77-Jährigen verkauft. Nicht als Warnsignal.

Ein internes Kommunikationskonzept der Demokraten aus dem Jahr 2023 riet davon ab, Biden ohne Teleprompter auftreten zu lassen – aus Sorge vor unkontrollierbaren Abweichungen.

Die Vertuschung wird zur Strategie

Was danach kam, war kein Zufall, sondern Plan. Statt Klartext zu reden, wurden Bidens Aussetzer verharmlost, Zweifel an seiner Fitness als politisch motivierte Kampagnen abgetan. Die demokratische Parteiführung, Berater, PR-Profis – sie alle hielten die Fassade aufrecht.

In internen Runden nannte man die Pandemie einen „Segen“ – weil sie Biden aus der Öffentlichkeit heraushielt. Selbst bei Kabinettssitzungen soll Biden Themen verfehlt oder Gesprächsverläufe verloren haben. Doch keiner sprach offen darüber.

Der Einfluss der Familie

Eine Schlüsselrolle spielte Bidens Familie – allen voran seine Ehefrau Jill. Während viele Demokratinnen und Demokraten längst Zweifel äußerten, hielt sie öffentlich an der Kandidatur fest.

Nach der TV-Debatte umarmte sie ihren Mann, lobte ihn, als hätte er gerade ein Schulreferat gehalten. „Du hast alle Fragen beantwortet“, sagte sie. Es war bizarr – und ein Spiegel dafür, wie stark die Familie den politischen Betrieb mitbestimmte.

Auch Sohn Hunter mischte mit. Er war es, der – trotz Ermittlungen, Skandalen und Reputationsschäden – medial präsent blieb. Nach Darstellung der Journalisten Jake Tapper und Alex Thompson (Original Sin) war er überzeugt: Wenn Trump mit Angriffen durchkäme, dann könne er das auch.

Ein Präsident im Schutzkorridor

Das Weiße Haus wurde im Lauf der Jahre immer mehr zu einem Schutzraum. Mitarbeiter wurden von direkten Begegnungen ferngehalten, der Präsident von unvorhersehbaren Situationen abgeschirmt.

Offiziell hieß es, Biden möge es nicht, wenn man ihn „bedient“. Inoffiziell war es wohl der Versuch, peinliche Szenen zu vermeiden.

Ein geplanter TV-Spot, bei dem Biden vorab ausgewählte Fragen beantworten sollte, wurde verworfen – weil keine einzige Aufnahme verwendbar war.

Obwohl 77 % der US-Bevölkerung Biden 2024 für zu alt für eine zweite Amtszeit hielten, hielten sein Umfeld und seine Familie bis zuletzt an seiner Kandidatur fest.

Was wussten die Medien – und wann?

Ein weiterer Skandal: die Rolle vieler US-Medien. Die meisten Redaktionen wussten spätestens ab 2022, dass Bidens Zustand Anlass zur Sorge gab. Doch statt zu recherchieren, übten sie sich in Loyalität. Wer auf Bidens Alter anspielte, wurde als undankbar, reaktionär oder trumpnah gebrandmarkt.

Einzige Ausnahme: einige wenige Reporter wie Alex Thompson, die sich früh mit dem Thema beschäftigten – und dafür massiv unter Druck gesetzt wurden.

Bücher, die alles offenlegen

Drei Werke zeichnen heute ein klares Bild: Allen & Parnes’ Fight, Whipples Uncharted und das umfassende Original Sin von Tapper und Thompson. Letzteres bringt das Ausmaß der Täuschung ans Licht.

Biden soll bereits 2020 in einem Interview unfähig gewesen sein, einem simplen Gesprächsverlauf zu folgen. 2023 sei seine Verfassung laut Insidern „nicht mehr tragbar“ gewesen – und dennoch hielt sein engstes Team an der Kandidatur fest.

Ein System der Verantwortungslosigkeit

Besonders auffällig: Die zentrale Rolle einiger Strippenzieher, allen voran Mike Donilon. Er war es, der Biden exklusiv mit Umfragedaten versorgte – und sie offenbar nach eigener Lesart filterte. Sein Honorar: rund vier Millionen Dollar. Das 13-Fache dessen, was Bidens Wahlkampfleiterin bekam.

Auch Steve Richetti, ein weiterer Berater, galt als besonders loyal. Loyal allerdings nicht zur Wahrheit, sondern zur Inszenierung. Statt kritische Zahlen zur Lage des Präsidenten zu diskutieren, beschimpfte er Meinungsforscher – mit der Forderung, sie sollten „sagen, wie wir gewinnen können, nicht dass wir verlieren“.

Ein Rückzug zu spät

Als Biden nach der katastrophalen Debatte zurücktrat, hatten ihn bereits 23 demokratische Abgeordnete zum Rückzug aufgefordert. Der öffentliche Druck war zu groß, der Schaden zu offensichtlich.

Doch der Rückzug kam zu spät. Die Frage, warum es so weit kommen konnte, bleibt unbeantwortet.

Ein Präsident als tragische Figur

Joe Biden ist nicht nur Präsident gewesen. Er wurde zum Projekt. Ein Symbol dafür, was passiert, wenn politische Loyalität, Familieninteressen und mediale Feigheit wichtiger werden als Verantwortung.

War Biden Täter – oder Opfer? Vermutlich beides. Er ließ sich instrumentalisieren – und half mit. Dass dabei ein ganzes Land über Jahre hinweg getäuscht wurde, ist ein beispielloser Vorgang in der amerikanischen Geschichte.

Die letzte Szene spielte sich nicht auf einer Bühne ab, sondern in einem Nebensatz: „Niemand verzichtet auf das Haus, das Flugzeug, den Helikopter“, sagte Mike Donilon 2022.

Es war die ehrlichste Lüge des ganzen Spiels.

Politik
[InvestmentWeek] · 22.05.2025 · 18:00 Uhr
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