Der Titan wankt, doch Sony winkt ab: Warum Anime für Sony wichtiger ist als Warner Bros.
Ein Beben erschüttert die Grundfesten Hollywoods, denn mit Warner Bros. Discovery hat einer der größten Unterhaltungsgiganten der Welt offiziell seine Bereitschaft signalisiert, einen neuen Eigentümer zu suchen. Während potenzielle Käufer bereits in den Startlöchern scharren, um sich ein Imperium aus Film, Fernsehen und Gaming einzuverleiben, sorgt einer der naheliegendsten Kandidaten für einen Paukenschlag der entgegengesetzten Art: Sony. In einem überraschend klaren Statement hat der japanische Konzern dem Bieterkrieg eine unmissverständliche Absage erteilt und damit eine strategische Neuausrichtung offenbart, die dem traditionellen Hollywood-Geschäftsmodell den Rücken kehrt.
Absage an den Größenwahn
Sony-CEO Hiroki Totoki ließ in einem Interview mit Nikkei Asia keine Zweifel an der Haltung des Unternehmens aufkommen. Man habe keinerlei Interesse an großvolumigen Fusionen und Übernahmen in der amerikanischen Filmindustrie. Seine Begründung ist eine schallende Ohrfeige für die Maxime, dass Größe alles sei. „Einfach nur die aktuellen Filmstudios zusammenzuzählen, erscheint mir nicht als Weg zu einem großen Gewinn an Profitabilität“, erklärte Totoki. Er positioniert Sony Pictures Entertainment bewusst als einen Akteur, der nicht um jeden Preis zu den größten Plattformen gehören muss, um erfolgreich zu sein. Es ist eine Philosophie der gezielten Exzellenz statt der reinen Masse.
Die Anime-Offensive als Zukunftsvision
Stattdessen richtet Sony seinen Blick auf das, was Totoki als „Wachstumsmärkte“ bezeichnet. Und das Epizentrum dieser neuen Strategie ist unverkennbar der globale Anime-Markt. „Der weltweite Markt für Anime steht gerade erst am Anfang und wird für eine Weile weiter im zweistelligen Bereich wachsen“, prognostizierte der CEO. Hier sieht der Konzern die wahre Goldgrube, das unerschlossene Potenzial, das Hollywoods gesättigter Markt nicht mehr bieten kann. Es geht um den Aufbau kooperativer Beziehungen, die originäre Werke fördern – ein klares Bekenntnis zu kreativer und organischer Expansion anstelle eines teuer erkauften Gigantismus.
Das Schicksal von Batman, Hogwarts und Co.
Während Sony also neue Wege beschreitet, steht bei Warner Bros. Discovery alles auf dem Prüfstand. CEO David Zaslav begründete den Schritt mit der Notwendigkeit, in der „sich wandelnden Medienlandschaft von heute“ zu überleben und den vollen Wert des Portfolios freizusetzen. Es gäbe bereits Interesse von mehreren Seiten. Doch bei diesem potenziellen Verkauf geht es um weit mehr als nur Film- und Fernsehrechte. Im Feuer steht auch ein wahres Kronjuwel der Gaming-Branche. Ein Käufer würde ebenfalls die Kontrolle über legendäre Entwicklerstudios wie Rocksteady (Batman: Arkham-Serie), Avalanche Software (Hogwarts Legacy) und NetherRealm Studios (Mortal Kombat) erlangen. Die Zukunft einiger der größten Spielemarken der Welt hängt somit am seidenen Faden dieses monumentalen Deals.


